Unbekannt und abgefuckt: der Freiburger Rapper Rahz Krone Prinz

Marius Notter

Er bezeichnet sich als passionierten Alkoholiker und Polytoxi, früher hat er sein Geld in Bierflaschen umgerechnet. Jetzt hat der Rahz Krone Prinz ein neues Musikvideo gedreht. fudder-Autor Marius Notter hat ihn daheim besucht:



Ein 70er Jahre Betonblock mit sieben Stockwerken. Außen grau - innen auch. Der Aufzug riecht nach Kotze. Ich treffe mich mit Rahz Krone Prinz in seiner Wohnung an der Hornusstraße. Rahze wartet schon an der Tür auf mich, er öffnet mir in einem weißen Wifebeater, karierter Dreiviertelhose, nach hinten gegelten Haaren, weißen Air Max und einer dicken Panzerkette um den Hals.


Sein erstes Tape nahm der Rahz Krone Prinz, der eigentlich Sascha heißt, mit einem Mischpult, MPC und Kassettenrekorder auf. Falls etwas schief lief, musste er zurückspulen. Das war 1999. Mittlerweile ist er 34 Jahre alt, studiert an der PH und arbeitet in der Gastro.

Seine Wohnung ist dunkel, am Ende des Gangs stehen zahlreiche Bier- und Sektflaschen. Wir setzen uns auf ein Sofa, vor einem zerkratzten IKEA-Tisch des Modells "Lack" (schwarz). Der Aschenbecher auf dem Tisch ist frisch gelehrt. Er zündet sich die erste Zigarette an, wir sprechen über sein neues und erstes Video "Ferngesteuert".  Das Lied ist eine Single-Auskopplung aus seinem Album “Herz und Hirn Kotze".

Es ist ein packender Track auf einem recht simplen Beat mit unkomplizierten Klaviersamples. RahzKronePrinz rennt, steht und fällt in diesem Video, das im Zähringer Wald gedreht wurde. Ferngesteuert - der Name des Tracks entspricht dem Gefühl, das der Rapper hat, wenn er über die letzten Jahre seines Lebens nachdenkt: "Dinge, gegen die du nichts machen kannst, die einfach geschehen, und die dich total abfucken", erklärt der Rapper den Track-Titel. "Egal, was du tust: Irgendwas wirft dir Hürden in den Weg." Zeilen des Tracks lauten: "Es kann sein, die Tragik ist, dass die Welt ein Arschloch ist - schwarzes Tageslicht und ich blinzel…" Selbstzweifel und eine tiefgehende Frage nach dem "Warum" schwingen mit.

Stimmung wie bei Caspers "Ascheregen"

Wenn man abgefuckt ist und einfach nur noch raus muss und wegrennen will - Rahz Krone Prinz will wissen, ob ich dieses Gefühl kenne und ich frage mich, ob unsere Zustände überhaupt schon mal gleich waren. Dann nicke ich. "Der Track spiegelt eigentlich den Geisteszustand, den man in diesem Moment hat. Die totale Leere", beschreibt Rahze diesen Drang, den er mit seinem Track erklären will. "Man torkelt nur noch vor sich hin. Das, was ich rappe, spiegelt auch diesen Zustand wieder."

Seinen Namen erklärt der Prinz so: "Rahz Krone Prinz ist so Hemingway-Modus, ich bin passionierter Alkoholiker - und Polytoxi bin ich eh, dass es kracht! Ich war ein bis zwei Jahre lang arbeitslos und dort, wo ich zu diesem Zeitpunkt gewohnt habe, war direkt ein Edeka um die Ecke. Da gab's halt Ratskrone. Ich habe damals in Bierflaschen gerechnet: Wenn ich zehn Pfandflaschen hatte, waren das noch 80 Cent, also drei Ratze." Der Prinz sitzt gedankenverlorend da, dann zündet er sich wie zum Beweis des Gesagten die nächste Zigarette an und zischt ein weiteres Bier - Rothaus Pils. "Mein Name steht auch für ein Assi-Leben und die Sucht", sagt der Rapper.

Eine bedrohte Randgruppe

Rapper wie Rahze sind in Zeiten von Panda-Hype-Cro und Rauschebart-Fitti eine bedrohte Randgruppe des Raps - und dank des Drogenkonsums vom Aussterben bedroht. Dass sie es aus der Randgruppenrolle nicht heraus schaffen, hat meist einen Grund: Sie sind zu faul, ihren Shit selbst unter die Leute zu bringen oder sehen sich selbst gern als gehassten Außenseiter. Das Album "Herz und Hirn Kotze" und das Video "Ferngesteuert" sind für die Rap-Landschaft dennoch eine Bereicherung und jeden Gratis-Download-Klick wert.

Rahze schenkt mir noch einen Schluck Zitronensprudel in das Havanna-Club-Glas, der Hungaroserbe ist sehr gastfreundlich. Dann greift er nach seinem Netbook und meint, er müsse mir jetzt noch etwas bei YouTube zeigen: Es ist ein Track von ihm mit dem Titel "Sie". Das Netbook ist sehr leise, Rahze springt auf und schließt das Fenster, um den Straßenlärm zu verbannen.

Ein schauriger Piano-Beat mit Violinen beginnt und dann rappt Rahz Krone Prinz los. Zuerst über eine Ex, dann über einen Verstorbenen. Der Text hat schnelle Binnenreime und erzählt eine traurige Geschichte. Dennoch bleibt er dem hektischen Stil des Rappers treu. Als ich das höre, ergreift mich ein Mitgefühl.

Doch Rahze ist schon wieder weiter, sein Output ist gigantisch. Auch seine Diskografie zeigt das. Auf YouTube sind etliche Tracks, mit Underground-Stars wie Adolph Ghandi und JAW, dem einzigen Freiburger Rapper, der es auch auf nationaler Ebene zu etwas gebracht hat und doch ein ewiger Untergrundler ist - wie Rahz Krone Prinz eben auch.



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[Foto: privat]