Umzug nach Berlin

David Harnasch

Rania in meinen Lebenswandel zu integrieren war leichter als vermutet. Ich stehe früher auf und komme häufiger an die frische Luft, prima. Allerdings gibt es ein paar wenige Situationen, in denen ein Hund ein riesiger Klotz am Bein ist. Beispielsweise, wenn man innerhalb von zehn Tagen von Freiburg aus einen Zweitwohnsitz in Berlin organisieren muss.



Ich erhalte auf meine WG-Bewerbungen vier Arten Antworten:

„Das Zimmer ist leider schon vergeben.“ „Ich bin allergisch / mag keine Hunde.“ „Ich liebe Hunde, aber der Vermieter verbietet Haustiere.“ „Ich liebe Hunde, habe auch selbst einen. Deshalb müsste man vorab ausprobieren, ob deiner und meiner sich verstehen.“


Als die Zeit wirklich drängt und die Hoffnung schwindet, meldet mir die Immobiliensuchmaschine drei Zimmer direkt am Kollwitzplatz, renovierter Altbau, ohne Makler. Die Gegend kenne ich, es ist die Wiehre hoch drei, nur berlinbedingt wesentlich billiger. Die Vermieterin ist extrem freundlich, hat aber Bedenken wegen ihrer Katzen.

„Denen ist doch wumpe, ob in einer anderen Wohnung ein Hund ist. Und Rania kennt Katzen aus dem Tierheim.“ Nach einem Tag des Bangens kommt die Zusage und der Vertrag per Mail. Der Umzug ist per Paketversender für unter 50 Euro schnell erledigt, Mobiliar wird komplett bei Ikea geordert.

Normalerweise fahre ich mit dem Zug nach Berlin. Sechseinhalb Stunden ohne Umsteigen und mit UMTS sind ein entspannter Arbeitstag im ICE. Sechseinhalb Stunden ohne Gassi sind hingegen eine Tortur, und da der Rania das Konzept von „drinnen“ und „draussen“ noch nicht hundertprozentig verinnerlicht hat, kommt eine Zugfahrt nicht in Frage. Trotz eines obszön hohen Presserabatts ruiniere ich mich also mit einem Mietwagen. Das Auto ist günstig, der Sprit absolut gar nicht.



In der Hauptstadt erleichtert sich der Hund vor Begeisterung und Nervosität als erste Amtshandlung in den Flur. Was egal ist, denn der ist im Gegensatz zur Redaktion gekachelt. Theoretisch darf ich das Tier mit zur Arbeit nehmen, in den Räumen wuselt bereits der Mops eines Kollegen durch die Gegend.

Abgesehen von der noch zu perfektionierenden Stubenreinheit leidet Rania noch immer unter Nebenwirkungen ihrer Antibiotikumstherapie: Bulimia Nervosa. Zum Glück findet sich mit Daniel schnell ein Hundesitter, der selbst gerade einen undichten Welpen hat: Laila und Rania werden sofort dicke Freundinnen. Und ich gebe es zu: Rania was outcuted by Laila. Dafür weiß sie sich besser zu benehmen.