Umfrage: Wie würde sich die geplante Tariferhöhung der Gema auf Clubs in Südbaden auswirken?

Charlotte Janz, Manuel Lorenz & Markus Hofmann

Um bis zu mehrere hundert Prozent will die Gema 2013 ihre Gebühren erhöhen. Eine Steigerung, die viele Clubs, Kneipen und Feste die Existenz kosten könnte. Wie würden sich die neuen Tarife auf südbadische Clubs auswirken? Wir haben uns umgehört.



Tanzschule Gutmann, Freiburg

„Treten die neuen Gema-Tarife tatsächlich so in Kraft, rechnen wir mit einer zehnfachen Erhöhung der Gebühren bei unseren Veranstaltungen“, sagt Matthias Blattmann, einer der Inhaber der Freiburger Tanzschule Gutmann, der größten in Freiburg. Die Konsequenz: Keine Bälle mehr außerhalb der Tanzschule. Blattmann rechnet vor: Für Bälle, etwa im Konzerthaus, mit bis zu 2500 Besuchern zahle die Tanzschule rund 1600 Euro an Gema-Gebühren – nach den neuen Tarifen wären es 16000 Euro. „Das können wir niemals stemmen.“ Bälle seien schon jetzt Nullsummenspiele.   Außerdem orientiere sich die Gema auch an der Höhe der Eintrittspreise. „Erhöhe ich den Eintritt, wird auch die Gema teurer, ein Teufelskreis“, sagt Blattmann. Workshops und Kurse würden auch mit den neuen Tarifen weiter stattfinden. Die Tanzschule hat dafür einen Rahmenvertrag mit der Gema.

Jazzhaus Freiburg

Michael Musiol, Geschäftsführer vom Jazzhaus Freiburg, geht von einer Verdreifachung der Gema-Gebühren aus. „Käme die Gebührenordnung so durch, hätte das Jazzhaus mit seinen 300 Quadratmetern über 20000 Euro Mehrkosten im Jahr an die Gema“, sagt Musiol.  Eine Variante, um die höheren Gema-Gebühren aufzufangen, wäre: weniger Live-Konzerte. Zurzeit versuche man, bei Club-Abenden mehr Geld zu verdienen, um damit möglichst viele Konzerte zu finanzieren. Doch solche  Mehreinnahmen würden bei Partys mit den neuen Tarifen nicht mehr rausspringen. „Weniger Konzerte wäre ein möglicher Schritt. Ich will ihn aber nicht gehen“, sagt Musiol.  Eine andere Variante wäre, mit den Eintritts- und Getränkepreisen hochzugehen. „Da müsste man schauen, inwieweit die Gäste das mitmachen.“

Universal D.O.G., Lahr

Für das Universal D.O.G würden die neuen Gema-Tarife eine Gebührensteigerung um  500 Prozent  bedeuten. Die Quadratmeter seien das größte Problem, sagt David Kunz, Geschäftsführer der Großraumdisko in Lahr. Das Universal D.O.G hat 1500 Quadratmeter über drei Räume verteilt. Die Gema gehe davon aus, dass jede Veranstaltung die Kapazitäten der Räume voll ausschöpfe und berechne ihren Beitrag danach. Falls die Gebührenordnung so in Kraft trete, sei der Schlachtplan also: weniger Veranstaltungen, aber die rappelvoll. Die Finanzierung von Elektro-Events und Live-Bands wäre mit den neuen Gema-Tarife nicht mehr drin, sagt Kunz.  Außerdem müsste das Universal D.O.G, um die Gema-Gebühren zahlen zu können, zwei Vollbeschäftigte kündigen und mehrere 400-Euro-Kräfte. Denn das Ziel würde sein: kleiner und damit billiger zu werden.

Sinnestäuschung Events, Freiburg

Aron Lederer, einer der beiden Chefs vom Freiburgs größtem Techno-Veranstalter   Sinnestäuschung, bezeichnet die Auswirkungen, die die Tarifänderung hätte,  als „prekär“. Dass Sinnestäuschung den Stinnes schließen müsste, dementiert Lederer aber: „Wir machen nicht zu, auch wenn wir es müssten.“  An der Preisschraube könne Sinnestäuschung kaum drehen: Mit 18 Euro sein man schon am Limit.

Europa-Park Rust

Dem Europa-Park sei noch überhaupt nicht klar, welche Auswirkungen die neuen Tarife wirklich haben werden, sagt Michael Kreft von Byern, Beauftragter der Geschäftsführung. „Aber unsere Veranstalter wollen bestimmte Events nicht mehr machen.“ Die Tanzschule Gutmann habe angekündigt, das Euro-Dance-Festival, eine Tanzveranstaltung über mehrere Tage mit Workshops und Ballabenden, sei mit den neuen Tarifen nicht mehr tragbar. Bei der Dinner-Show, einem Abendessen mit Showeinlagen, sollen die Gema-Kosten um 100 bis 300 Prozent steigen. Daher sei das Event mit einem Fragezeichen versehen.

Studentenwerk Freiburg

Ulrich Stelter, verantwortlich für Kulturveranstaltungen beim Studentenwerk Freiburg, sagt zu den neuen Gema-Tarifen nur: „Wir streben einen Sonderweg an.“ Und der sieht so aus: Der Dachverband Deutsches Studentenwerk möchte einen Rahmenvertrag mit der Gema für alle Studentenwerke bundesweit aushandeln. „Wir sind ja schließlich gemeinnützig und kein gewinnorientiertes Unternehmen“, sagt Stelter. Die Gema habe auf diese Idee positiv reagiert, aber entschieden sei noch nichts. Selbst, wenn der Rahmenvertrag nicht zustände käme, fürchtet Stelter die neuen Tarife nicht. Kleinere und kostenlose Veranstaltungen in der Mensa könnten sogar billiger werden, nimmt er an.

Kagan, Freiburg

„Wir werden die Getränkepreise erhöhen müssen“, kommentiert Peter Bitsch, Geschäftsführer des Kagan, die neuen Gema-Tarife. Das Kagan liegt im 17. und 18. Stock des Solar Tower beim Freiburger Hauptbahnhof und zieht insbesondere junges, studentisches Publikum an. Bei Preiserhöhungen müsse man daher äußerst vorsichtig sein: „Für einen Caipirina zahlt keiner mehr als 10 Euro“, so Bitsch. Er rechnet mit bis zu dreifach höheren Gema-Gebühren.  Die Eintrittspreise – zur Zeit bis zu 8 Euro – will Bitsch dennoch nicht erhöhen. 9 Euro gingen vielleicht noch, 10 Euro seien für Freiburg zu viel: „Damit gefährde ich meinen Laden.“

Mehr dazu:


Gema

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) vertritt als staatlich anerkannte Treuhänderin die Rechte von Komponisten, Textern und Musikverlegern. Sie nimmt Geld für den Verkauf von CDs oder Musikdownloads, von Clubs, Tanzveranstaltern, Radiosendern oder Kneipenbesitzern  auch fürs Abspielen. [dpa] [Foto: Simon Baumann]