Jugendumfrage

Umfrage: Wie ticken Freiburgs Jugendliche?

Sina Schuler

Wie Jugendliche ihre Freizeit verbringen und ob sie dabei städtische Angebote nutzen, wollte eine Umfrage der Stadt unter mehr als 1000 Jugendlichen herausfinden.Nun sind die ersten Ergebnisse da.

In welche kommunalen Entscheidungen wollen Jugendliche einbezogen werden? Haben sie in der Schule ein Mitspracherecht? Wie nutzen sie ihre Freizeit? Das und vieles mehr wollte das städtische Amt für Schule und Bildung (ASB) von den Freiburger Jugendlichen wissen. Die ersten Ergebnisse aus dem "Jugendsurvey" sind jetzt da.


Die Befragung
1347 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren haben den Fragebogen ausgefüllt, entweder online oder auf Papier. Im Januar hatte die Stadtverwaltung eine Stichprobe aus dem Melderegister gezogen und 3838 Jugendliche angeschrieben. Vor allem die 16- bis 18-Jährigen zeigten sich laut Rathaus nicht so auskunftsbereit wie die 12- bis 15-Jährigen. Deshalb gab’s ein halbes Jahr später eine Nacherhebung.

Die Ziele
Mit dem "Jugendsurvey" erhofft sich die Stadtverwaltung unter anderem Hinweise darauf, wie Jugendliche non-formale Bildungsangebote nutzen, also außerschulische, aber organisierte Angebote wie Musikunterricht oder ein Sprachkurs, welche Barrieren ihnen den Zugang verwehren und welchen Bedarf es gibt. Mit den Ergebnissen solle auch die demokratische Mitbestimmung gefördert werden, so Rathaussprecherin Eva Amann.

Freizeitnutzung
Durchschnittlich vier Stunden und 20 Minuten stehen den Jugendlichen an einem Schul- oder Arbeitstag für Freizeit zur Verfügung. Den größten Raum nehmen "informelle Bildungsaktivitäten" ein: 87 Prozent der Jugendlichen geben an, in dieser Zeit soziale Medien zu nutzen, zu chatten, zu mailen und zu surfen oder Musik zu hören. 75 Prozent schauen fern beziehungsweise Filme, manche streamen. Lesen folgt mit 67 Prozent, 65 Prozent treffen Freunde und 61 Prozent chillen. 45 Prozent spielen täglich oder mehrmals wöchentlich Spiele am Computer oder der Konsole. Weniger hoch im Kurs stehen non-formale Bildungsaktivitäten. 51 Prozent treiben Sport im Verein, 34 Prozent machen Kreatives wie Schreiben, Nähen, Theater oder ein Instrument spielen. Gerade einmal sieben Prozent haben angegeben, regelmäßig ein Jugendzentrum zu besuchen.

Kirchliche oder religiöse Angebote nehmen nur sechs Prozent in Anspruch, ebenso viele engagieren sich in einer Hilfsorganisation wie der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz oder beim DLRG.

Bildungseinrichtungen
Die Stadtbibliothek steht bei den jungen Menschen mit 64 Prozent an erster Stelle. Den Mundenhof haben 55 Prozent der Befragten angegeben, danach folgen das Planetarium (41 Prozent), Museen (35 Prozent) und Theater, Musical, Oper und Ballett (33 Prozent). Andere kommunale Einrichtungen wie das Waldhaus (16 Prozent) oder die Ökostation (11 Prozent) nehmen untere Plätze ein. "Von fehlender Attraktivität kann allerdings nicht ausgegangen werden", teilt das Rathaus mit. Die meisten Befragten hätten die Einrichtungen schlicht nicht gekannt.

Aktionsradius
Dafür wurden die Teenager gefragt, wie viele Haltestellen sie bis zur jeweiligen Aktivität fahren. Der maximale Aktionsradius liegt durchschnittlich drei Kilometer vom Zuhause entfernt und ist "an die Motivation geknüpft, auf eine Party zu gehen". Um Freunde zu treffen, auf dem Bolzplatz zu kicken oder bei Jugendgruppen mitzumachen, legen die jungen Menschen zwei Haltestellen oder 1,1 Kilometer zurück. Um in die Schule, zur Ausbildung oder zum Praktikum zu kommen, müssen die Befragten vier Haltestellen oder 2,2 Kilometer fahren.

Mitbestimmung in der Schule
Vor allem in Arbeitsgruppen und bei Klassenfahrten (43 Prozent) sowie Schulveranstaltungen (33 Prozent) können Jugendliche mitbestimmen. Dagegen geben sie an, beim Stundenplan (6 Prozent), der Unterrichtsgestaltung oder Leistungsbewertung (11 Prozent) wenig Mitspracherecht zu haben. Sie hätten gern mehr: "Hier liegen die Anteile von realer Mitbestimmung und der Wunsch nach mehr Mitbestimmung am weitesten auseinander mit 55 Prozentpunkten", so das ASB.

Kommunale Beteiligung
Schule und Bildung (60 Prozent) stehen bei den Jugendlichen an oberster Stelle. Danach folgen die Themen Kultur und Freizeit (51 Prozent), Umwelt und Natur (47 Prozent) sowie Mitbestimmung bei der Stadtentwicklung (42 Prozent). Informationen bekommen die Teenager vor allem über die Schule (60 Prozent), soziale Netzwerke (42 Prozent), Flyer und Plakate (32 Prozent) sowie die Zeitung (30 Prozent).

Weiteres Vorgehen
Die Ergebnisse sollen nun nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Stadtteil und Schulform ausgewertet werden. Zudem sollen sie mit den Ergebnissen aus größeren Studien verglichen werden.

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