Umfrage: Wie sinnvoll wäre eine Deutschpflicht auf Schulhöfen?

Sebastian Klaus

An der Herbert-Hoover-Oberschule in Berlin herrscht seit einigen Jahren Deutschpflicht auf dem Schulhof. FDP-Generalsekretär Christian Lindner (Foto) hat nun gefordert, diese Deutschpflicht im ganzen Land einzuführen. Die Regelung soll zu einer besseren Integration der Migranten führen. Wie sinnvoll ist dieser Vorschlag? Eine Umfrage unter Lehrern und Schülern in Südbaden.



Anne Becker, Lehrerin für  Deutsch und Englisch an  der Vigeliusschule II, Haupt- und Werkrealschule Freiburg: „Bei uns an der Schule ermahnen wir die Kinder Deutsch zu sprechen, auch auf dem Schulhof. Es ist schließlich die einzige Sprache, in der sich alle verständigen können. Eine strikte Regelung wie an der Hoover-Schule in Berlin ist hier allerdings unnötig.“


Ali (Libanon), 6. Klasse, Vigeliusschule II, Haupt- und Werkrealschule Freiburg: „Ich bin fast gezwungen meine Muttersprache Arabisch zu sprechen, weil hier viele meiner Landsleute sind. Aber für die Deutschen ist das natürlich blöd. Die wollen auch etwas verstehen. Ich bin so gewohnt,   Arabisch zu reden, dass es mir schwer fällt, damit aufzuhören, auch wenn die Lehrerin mich  ermahnt. Ich kann meine Zweisprachigkeit nicht einfach in der Schule abstellen.“

Gertrud Falk-Stern, Lehrerin für Deutsch und Sport an der Staudinger-Gesamtschule Freiburg: „In meiner Klasse haben etwa zwanzig Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. Im Moment ist die Einführung einer Deutschpflicht an Schulen bei uns nicht nötig, da die Ausländer gut integriert sind und meist auch untereinander Deutsch sprechen. Das klappt prima.“

Maria de Ieso (in Deutschland geboren, italienische Eltern),  9. Klasse,  Staudinger-Gesamtschule Freiburg: „Eine Deutschpflicht auf Schulhöfen halte ich für übertrieben, schließlich kann man niemandem seine Muttersprache verbieten. Aber wenn in der Gruppe Deutsche dabei sind, sollte man auch Deutsch reden.“

Günter Ugi, Rektor der Friedrichschule Lahr: „Eine Deutschpflicht an Schulhöfen ist völliger Schwachsinn. Wir haben an unserer Schule internationale Vorbereitungsklassen und Sprachkurse. Das reicht aus. Die Schüler dürfen sich selbstverständlich in den Pausen in ihren Muttersprachen unterhalten. Aber in den Klassen wird dann Deutsch gesprochen.“



Toklir Xhoxhay (Kosovo, seit 15 Monaten in Deutschland),  9. Klasse,  Friedrichschule Lahr: „Auf dem Schulhof darf ich Albanisch reden, mache das in der Regel aber nicht. Schließlich bin ich in Deutschland. Mit einer Deutschpflicht an Schulhöfen hätte ich deshalb keine Probleme.“

Thomas Bührer, Rektor der Theodor-Heuss-Schule Lahr (Grund- und Hauptschule): „Im Unterricht muss bei uns Deutsch gesprochen werden. Aber auf dem Pausenhof dürfen sich die Kinder selbstverständlich in ihrer Muttersprache unterhalten. Bis Ende der 90er Jahre wurde bei uns in den Pausen fast nur Russisch geredet, aber das hat sich normalisiert. Kinder können in ihrer Muttersprache ihre Emotionen viel besser ausdrücken, deshalb darf man es ihnen nicht verbieten. Außerdem ist es gewinnbringend für die Kinder, mehrere Sprachen zu sprechen. Strikte Sprachverbote, wie an der Hoover-Schule, sind mir zu drakonisch.“

Birgit Schmolinske, Rektorin der Schlossbergschule in Lörrach: „Grundsätzlich bin ich schon dafür, dass die Schüler auch in den Pausen Deutsch reden. Schließlich bildet es die Grundlage für eine erfolgreiche Verständigung aller. Aber so etwas kann und darf man nicht gesetzlich verankern.“

Jess Haberer, Rektor der Georg-Monsch-Grund- und Werkrealschule Offenburg: „Wir haben an unserer Schule  viele ausländische Schüler. In Spezialklassen fördern wir diejenigen Schüler aus aller Welt, momentan vor allem Flüchtlinge aus dem Irak, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind. Auch in der Pause sollen die Kinder Deutsch sprechen und werden von den Lehrern ermahnt, dies zu tun. Und alle ziehen mit. Aber der Appell reicht, eine Deutschpflicht muss nicht sein.“

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