Umfrage: Wie lebt's sich in der Notunterkunft?

Franziska Kiedaisch

Vor einer Woche war die Notunterkunft des Studentenwerks für wohnungssuchende Studenten noch leer, seit ein paar Tagen aber ist es rappelvoll. Wir haben bei fünf Studierenden, die in dieser Woche dort untergekommen sind, nachgefragt: Wie lebt es sich in der Notunterkunft?

  



Marcel, 20, aus Stuttgart
1. Semester Soziologie und Kognitionswissenschaften


„Ich habe erst im zweiten Nachrückverfahren die Zusage von der Uni bekommen und hatte deshalb nur wenig Zeit, ein Zimmer zu finden. Außerdem würde ich gerne in einer WG leben, das erschwert die Suche. Ich hätte auch schon einige Zimmer haben können, aber leider hat das bisher noch nicht gepasst. Irgendwo einziehen, wo es mir nicht zu 100 Prozent gefällt, das will ich nicht.

Seit gestern bin ich nun in der Notunterkunft und ich find es hier echt witzig. Mir gefällt es vor allem deshalb, weil so viele verschiedene Nationalitäten auf engstem Raum zusammenleben und man dadurch viele interessante Leute kennenlernt.

Meine Tage gestalten sich momentan leider etwas einseitig: Morgens aufstehen, zum Studentenwerk rennen, Adressen abgreifen, rumtelefonieren, ins Internetcafé um dort nach Annoncen zu suchen, durch die Stadt laufen. Und das den ganzen Tag lang. Eine gute Sache hat das Ganze aber: Inzwischen kenn ich mich in Freiburg echt gut aus!



Jingnan, 25, aus China
2. Semester Phänomenologie

„Ich habe bereits in Jena studiert, wechsle jetzt aber nach Freiburg. Leider stoße ich momentan immer wieder auf bürokratische Hürden. Das nervt und ist zeitaufwändig. Trotzdem freue ich mich auf Freiburg. Die Stadt gefällt mir sehr, besonders der Schwarzwald.

Ich finde es gut, dass es so etwas wie diese Notunterkunft gibt. Schließlich gibt es nicht genügend Wohnungen und irgendwo muss man ja schlafen. Außerdem kann man auf diese Weise gleich Leute kennenlernen. Gestern Abend haben wir zum Beispiel zusammen UNO gespielt und Bier getrunken.

Aber ehrlich gesagt war es für mich eine Überraschung, dass es so wenige Wohnheime in Freiburg gibt, vor allem wenn man bedenkt, dass man hier Studiengebühren bezahlen muss. Ich habe aber immerhin über das Studentenwerk eine Einzimmerwohnung in Gundelfingen gefunden. Ich freue mich sehr, morgen dort einziehen zu können.“



Dilay, 20, aus Mainz
1. Semester Lehramt Mathematik


„Als die Zusage von der Uni kam, war ich für zwei Monate im Urlaub. Deshalb hatte ich nicht viel Zeit, um ein Zimmer zu suchen. Ich war zwar zwei Mal in Freiburg um ein Zimmer zu finden, schlafe nun aber seit zwei Tagen hier in der Notunterkunft. Eigentlich gefällt es mir hier ganz gut. Hier zu wohnen schweißt jedenfalls zusammen. Heute morgen sind wir zum Beispiel alle zusammen zum Studentenwerk gegangen und heute Abend gehen wir noch einen Kaffee trinken.

Heute ist mir übrigens etwas Lustiges passiert: Ich hatte mich vor einigen Wochen im Internet für einen Wohnheimsplatz beworben, habe aber keine Rückmeldung bekommen. Also dachte ich, es klappt nicht und habe weiter gesucht. Heute war ich bei der Zimmervermittlung vom Studentenwerk und habe nach meiner Bewerbung gefragt. Meine Sachbearbeiterin hat mich daraufhin auch tatsächlich in ihrer Kartei gefunden und morgen darf ich nun ins Wohnheim einziehen. Jetzt bin ich erstmal erleichtert, weitersuchen werde ich aber wahrscheinlich trotzdem, um eine WG zu finden.“

 



Dascha, 23, aus der Ukraine
5. Semester Medizin


„Ich bin eigentlich total froh, dass es so etwas wie diese Notunterkunft gibt. Es ist zwar keine Luxus-Wohnung, aber als Überbrückung für die erste Zeit ist es in Ordnung.

Weil ich in der Ukraine ein Visum beantragen musste, konnte ich leider nicht früher nach Wohnungen in Freiburg suchen. Über das Internet habe ich versucht, mich für ein Wohnheim zu bewerben, aber da gab es schon keine verfügbaren Plätze mehr. Ich suche inzwischen nicht mehr nach meiner Traumwohnung, Hauptsache, ich finde etwas.

Ich gerate nämlich langsam unter Zeitdruck: Als Staatsbürgerin eines Nicht-EU-Landes muss ich bis zum Semesterbeginn am 16. Oktober einen festen Wohnsitz vorweisen, um mich immatrikulieren zu können. Ein WG-Zimmer wäre zwar schön, ich würde aber auch bei 'Wohnen für Hilfe' mitmachen oder in eine Einzimmerwohnung ziehen.“



Judith, 19, aus Marsberg (Sauerland)
1. Semester Ethnologie und Psychologie


„Ich bin erst heute angekommen. Mein erster Eindruck ist erstaunlich gut. Ich dachte nämlich zuerst, dass ich gar nichts bekomme. Deshalb habe ich die letzte Nacht auch im Hostel geschlafen.

Ich bin in Psychologie erst im Nachrückverfahren angenommen worden und konnte mich, nachdem ich Zusagen mehrer Unis hatte, nur schwer für eine Uni entscheiden. Bisher habe ich mir noch gar keine Wohnungen hier angeschaut, weil ich erst seit gestern in Freiburg bin.

Von zu Hause aus habe ich mich auf einen Wohnheimsplatz beworben, aber das ist leider nichts geworden. Von 'Wohnen für Hilfe' habe ich nun eine Adresse bekommen und ich hoffe, dass das klappt.

Heute bin ich aber erstmal total erleichtert, dass ich hier einen Schlafplatz gefunden habe. Auch wenn es etwas deprimierend ist, mit Freunden zu telefonieren, die auch gerade anfangen zu studieren und mir von ihren neuen Wohnungen und WGs erzählen.“

Mehr dazu: