Umfrage: Werben mit Adolf Hitler - darf man das?

Till Neumann

Der aktuelle Werbefilm des Vereins Regenbogen zum Weltaidstag wird sehr kontrovers diskutiert. Adolf Hitler, zu sehen im Liebesakt, wird zur Metapher für den HIV-Virus. Darf man mit Adolf Hitler Werbung machen? Hier sind fünf Statements von Werbeagenturen aus der Region.



Daniel Bin Johari
Werbeagentur Quint - Freiburg

"Aus der Sicht einer Werbeagentur ist der Einsatz der Person Adolf Hitler interessant, da der Spot so provoziert, Aufsehen erregt. Für mich persönlich ist das aber eher grenzwertig. Natürlich ist das Ziel eines Spots, immer Leute zu erreichen. Es stellt sich dennoch die Frage nach dem Mittel."


Sebastian Kompp
dn.p Marketing und Werbeagentur - Lörrach

"Durch die Verknüpfung Hitlers mit dem HI Virus polarisiert die Werbung sehr stark, was an sich nichts Schlechtes ist. Handwerklich und dramaturgisch ist der Clip absolut einwandfrei. Was mir jedoch fehlt, ist die Leichtigkeit anderer Anti-AIDS-Kampagnen. Bei derart viel Symbolik besteht die Gefahr, dass beim Betrachter der eigentliche Inhalt des Clips („Schütz‘ dich!“) im Kopf schnell vom zusammenhanglosen Bild Hitlers beim Sex verdrängt wird."

Tino Schneider
srp. Werbeagentur

"Da hat sich ein so genannter Kreativer mal wieder ein Denkmal setzen wollen. Das geht aus meiner Sicht gar nicht. Und es besteht auch kein Sinnzusammenhang zwischen AIDS und Diktatoren und Massenmördern. Einfach plump-kreativ.

Generell würde ich eine “Werbung” im absolut passenden Kontext mit Hitler nicht ausschließen. Das verlangt aber ein ganz anderes Fingerspitzengefühl."

Alexander Waldmann
bmu agency - Freiburg

"Ich verstehe den Gedankengang der Agentur, finde es aber persönlich nicht vertretbar, mit Adolf Hitler zu werben. Das Aids-Virus kann nicht gleichgesetzt werden mit dem Mord an unzähligen Juden. Wie Hitler in dem Spot als schlimme Krankheit dargestellt wird, ist ekelhaft. Für einen Anti-Aids Spot gibt es bessere Lösungen."

Ralph Ihmsen
Werbeagentur Kastor und Pollux - Freiburg

Persönlich finde ich den Spot gelungen. Er rüttelt wach und im Zeitalter der überreizten Mediendarstellungen und Berichterstattungen sind (leider) krasse Aktionen ein Mittel, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Krankheit selbst ist der Massenmörder und bekommt im Spot ein Gesicht, das für ebensolch einen steht - Adlof Hitler! Der Spot ist provokant und wird garantiert noch viel diskutiert und kritisiert werden. Genau deshalb hat er schon eine wichtige Mission erfüllt - er weckt das öffentliche Interesse und AIDS wird somit hoffentlich auch wieder mehr ins Bewusstsein gerückt. Nämlich als Massenmörder.

Mehr dazu:

Adolf Hitler AIDS Awareness, Quelle: yahoo.de

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