Umfrage: Welche Alternativen seht ihr zu den Studiengebühren?

Julia Bauer

Heute nachmittag demonstrierten rund 2000 Schüler und Studierende in Freiburg gegen die Studiengebühren. Denn auch zum kommenden Semester wollen Studierende wieder einen Gebührenboykott durchführen. fudder hat Demonstranten gefragt, welche Alternativen sie zu den Studiengebühren sehen, und was sie sich von der Demo erhoffen.


Christoph, 24, Student
„Es gibt eine Alternative zur Studiengebühr, nämliche keine Gebühr, oder staatliche Finanzierung, zum Beispiel könnte die Einkommenssteuer erhöht werden.


Durch den Solidarpakt 1996 erhalten die Universitäten eine gleichbleibende Summe, durch die Inflation wurde dies aber ziemlich gekürzt. Deswegen hat sich der Staat zurückgezogen und versucht seine Defizit durch die Studiengebühren zu korrigieren, dadurch zieht er sich aus der Verantwortung. Ich würde nie Studiengebühren bezahlen, denn es geht um prinzipielle Sachen: nicht unbedingt, dass Bildung und Wissenschaft als Ware dargestellt werden, sondern, eher darum, dass der Staat freie Bildung gewährleisten muss.

Seit die Studiengebühren eingeführt wurden, habe ich schon Veränderungen bemerkt. Wir haben zum Beispiel jetzt Freikopien, aber da muss man auch wieder sehen, dass ich ca. 500 Freikopien pro Semester kriege, die normalerweise nur 50 Euro kosten. Da zahle ich lieber so 50 Euro.

Wirklich viel verbessert hat sich nichts. In Stuttgart werden sogar Professorenstellen gestrichen, die eigentlich über die Studiengebühren bestritten werden sollten.“

Fanny, 22, Nina,23, Alice, 24 & Caro, 20, Studentinnen
Fanny:“ Ich finde, es gibt eine Alternativen: einfach keine Studiengebühren. Die sind meiner Meinung nach verfassungswidrig. Im Grundgesetz steht drin, dass jeder ein Recht auf Bildung hat. Durch die Gebühren wird eine Klassengesellschaft gefördert, da es nur noch darum geht, wer Geld hat und es sich leisten kann. Deutschland meckert darüber, dass es zu wenig Akademiker gibt, fördert dies aber durch die Gebühren nicht. Das geht nicht. Keine Studiengebühren!“

Alice: “Seit es die Studiengebühren gibt, habe ich keine Verbesserungen bemerkt. Das Einzige, was ich ganz lustig fand, dass in den Büchern in der Bibliothek draufsteht “ Bezahlt aus Studiengebühren“.

Caro:.“Ich hoffe, dass die Demo heute ihr Ziel erreicht. Es ist immer schwer und es braucht immer Zeit die Leute wachzurütteln, aber das Wichtige ist auch wieder zu demonstrieren und sich nicht damit abzufinden. Ich finde einfach die Kontinuität wichtig und dahinter zu sein. Erfolg kann es auch haben, denn schließlich haben andere Bundesländer die Gebühren auch wieder abgeschafft. Also, ich denke, eine Möglichkeit ist da.“

Leonie, 24, Studentin

„ Ja, es gibt Alternativen: der Staat könnte mehr Geld zahlen, denn ich finde, es gibt genug Gelder, die für Studenten und Bildung verwendet werden können. Denn Bildung ist auch wichtig für den Staat. Ich bin der Meinung, dass Bildung generell nichts kosten sollte.“

Fabian, 23, Student
„Der Staat muss die Gelder für die Hochschulbildung beziehungsweise jegliche Bildung, garantieren, damit alle unabhängig von ihrem finanziellen Status studieren können.

Ich bin generell nicht bereit, Studiengebühren zu zahlen, denn dass der Staat die Mittel hat, man sieht es ja an der Finanzkrise. Es geht nicht darum, dass kein Geld da ist, sondern um den politischen Willen, Geld locker zu machen. Sobald irgendeine Form von Abgaben da ist, gibt es soziale Ausgrenzung.

Seit der Einführung der Studiengebühren hat sich in meinem Studienfach hat nichts verändert, ich studiere immer noch aus meinen alten Büchern.

Bei der Demo heute geht es vor allem darum, ein politisches Signal zu setzen. Wir können hier in Freiburg nicht das Landesgesetz kippen, wir sind ja nicht das Land Baden-Württemberg. Aber wenn wir den Boykott durchziehen, dann wissen die Politiker, dass es sehr viele Studierende gibt, hier in Freiburg und auch anderen Teilen des Landes, die mit dieser Studiengebühren-Politik nicht einverstanden sind. Wenn wir hier den Boykott durchziehen und ein Signal setzen, dann ist das schon mal Einiges wert.“

Albrecht, 23, U-Asta-Vorstand

„ Die Alternative zur Studiengebühr ist ein steuerfinanziertes Bildungssystem, das wir schon eh und je hatten. 1977 wurden Studiengebühren ja erst abgeschafft, das ist ja der Witz an der ganzen Geschichte.

Ich würde niemals Studiengebühren zahlen. Wir zahlen schon einen Verwaltungskostenbeitrag, der erst 2001 erhoben wurde, von 40 Euro an das Land, von diesem Geld sieht die Universität nichts, das ist für Kopierkosten, und so weiter., aber die Universität hat keine Erhöhung der Mittel dafür bekommen. Das ist eine reine Zusatzversteuerung, es gibt keinen Grund dafür zu bezahlen.

Außerdem werden die Gebühren nicht richtig eingesetzt. Es werden zwar neue Kopier- und Faxgeräte gekauft, man muss aber trotzdem sehen, was vorher passiert ist. Seit 1996 haben wir den Solidarpakt 1, damals mussten 1500 Stellen Baden-Württemberg weit eingespart werden. 10% dieser Stellen wurden an der Universität Freiburg eingespart und ich meine, dass kann nun wieder wettgemacht werden mit Studiengebühren.

Die Boykott-Kampagnen sind emotionsgeladen, es kann ganz schnell umschwingen. Wir haben jetzt zum Beispiel die Geschwisterregelung, das Land hat nachgegeben und wir hoffen, dass es bei diesem Boykott wieder nachgibt. Ich denke, die Chancen, dass wir an der derzeitigen Gebührenvergabe etwas ändern können, sind sehr hoch.“


Matthias, 23 & Volker, 24, Studenten
Volker:
„Also ich finde, es gibt Alternativen: die altbekannte Vermögenssteuer, bei der man sich nicht verschuldet aus dem Studium verabschiedet, sondern nur dann zahlt, wenn man Geld verdient. Ich bin grundsätzlich nicht bereit, Studiengebühren zu zahlen.

Nur wenn es nicht mehr zu verwehren ist, wenn Status Quo eintritt, was ja gerade der Fall ist, sollte man die Gebühren für die Verbesserung der Bildung verwenden und nicht um Finanzlöcher damit stopfen. Grundsätzlich hat sich seit der Einführung der Studiengebühren nicht viel geändert, es wurde natürlich der ein oder andere obligatorische Beamer oder Tutor mehr angestellt oder besorgt. Aber sonst, nein. Außer, dass mein Kontostand runtergeht.

Matthias: „Ja.. und ein Hörsaal wurde mal renoviert.“

Volker: „Die Wirkung der Demo heute strebt leider sicher gegen Null. Optimistisch sollte man dennoch bleiben…“


  Annette, 21, Studentin

„Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Finanzierung vom Land und Bund hochgefahren wird und nicht komplett auf die Studenten abgewälzt wird. In erster Linie bin ich dafür, dass die Studiengebühren sozialer und gerechter gestaltet werden, daher boykottiere ich.

Ich würde Studiengebühren dann zahlen, wenn ich es mir leisten kann, daher bin ich auch dafür, dass Deutsche, die sich diese Gebühr leisten können, auch zahlen. Die Studiengebühren sollen vernünftig und transparent eingesetzt werden, vor allem soll es ein Mitbestimmungsrecht geben.

Ich habe erst jetzt mit dem Studieren angefangen, daher weiß ich nicht, wie es vorher war. Aber ich habe zumindest gehört, dass es davor genauso aussah. Die positiven Effekte sind da bei mir nicht so angekommen. Ich denke, wenn dieser Boykott erfolgreich ist, kann man zumindest hoffen, dass er eine Grundlage bietet, um das Land darauf aufmerksam zu machen, dass etwas verändert werden muss, dass das so nicht machbar ist.“



Anna, 25, Studentin

„Wenn schon Studiengebühren, dann nur, wenn sie richtig verwendet werden, und man etwas davon hat. Wichtig wäre auch ein Mitbestimmungsrecht von Seiten der Studenten.

Ich würde Studiengebühren zahlen, wenn ich sehen würde, dass es etwas für mich bringt, dass ich etwas davon habe. Aber so wie es im Moment gerade läuft, sehe ich keinen Sinn darin. Das läuft schief. Bisher haben die Studiengebühren ein paar neue Bücher in der Bibliothek gebrach, und viele Tutorate, auch aus der Luft gegriffene Tutorate, bei denen ich nicht unbedingt einen Sinn dahinter sehe. Und das war's.

Ich glaube nicht, dass die Demo heute ihr Ziel erreicht, aber vielleicht werden manchen Leuten die Augen geöffnet, dass es nicht in Ordnung ist, so wie es läuft. Ich war mal optimistischer, 2005 bei den ganzen Demos dachte ich noch: Ja, wir können das verhindern! Mittlerweile bin ich auf dem Standpunkt, dass sich nichts mehr ändert, aber man muss zeigen, dass es nicht in Ordnung ist.“



Mehr dazu:


Badische Zeitung:
2000 Studierende ziehen durch Freiburg