Umfrage: Was sagen die Freiburger zur Rhino-Räumung?

Josepha Schweizer & Anna-Lena Zehendner

Am Mittwochmorgen wurde das Kommando-Rhino entgültig von der Polizei geräumt. Die Wagenburgler müssen sich jetzt eine neue Bleibe suchen. Was die Freibruger von der Rhino-Räumung halten und ob dadurch ein Stück Freiburger Kultur verloren geht, hat fudder auf der Straße nachgefragt.

Susi, 19 (Bild rechts)


„Ich verstehe nicht, warum man die Wagenburg räumen musste. Es war doch alles gut. Irgendwelche Sachen anzuzünden ist natürlich weniger cool, aber ich verstehe trotzdem nicht, warum so viel Geschiss darum gemacht wird. Natürlich ist es nicht gut, wie sie sich am Ende zur Wehr gesetzt haben. Aber wenn alles andere davor nichts geholfen hat, dann ist es doch eigentlich klar, dass es irgendwann extremer wird. Ob dem Stadtbild durch die Räumung etwas fehlen wird, weiß ich nicht. Den Leuten fehlt allerdings ein Zuhause und das sagt doch alles.“

Karl, 23 (Bild links)

„Ich hatte vorher keine Meinung zur Wagenburg, da ich sie gar nicht kannte. Aber dass man Straßenbarrikaden anzündet und Molotowcocktails schmeißt, kann ich in der Form nicht unterstützen.“

Tobias, 21

„Ich finde, dass die Stimme des Volkes in einer Demokratie immer über der des Staates stehen sollte. Und eigentlich hätte die Meinung der Rhinos einfach noch von mehr Menschen vertreten werden sollen. Dann hätte die Polizei nichts dagegen ausrichten können. Die Barrikaden der vergangenen Nacht finde ich zwar in Ordnung, aber Gewalt ist natürlich keine Lösung.

Ich stehe kritisch der Polizei gegenüber. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich etwas voreingenommen bin, da ich aus München komme und dort schon schlechte Erfahrungen mit Polizeieinsätzen gemacht habe. In München wurde oft gegen friedliche Sitzblockaden massiv vorgegangen. Freiburg fehlt auf jedenfall ein Stück Kultur, wenn Rhino weg ist. Das Vauban hat durch das Kommando Rhino einen ganz anderen Bekanntheitsgrad erlangt.“

Fritz, 27  (Bild rechts)


„Ich wohne in der Vauban, direkt am Fuß der Wagenburg und habe daher die ganze Räumung miterlebt. Man muss gleich vorweg sagen, dass hier rein gar nichts eskaliert ist, so wie es in den Freiburger Medien beschrieben wurde. Die Meinung des Polizeisprechers Schmid kann ich daher überhaupt nicht nachvollziehen.

Die Eskalation beschränkte sich auf zwei oder drei Feuern die gelegt wurden, aber es kam zu keinerlei Flaschenwürfen. Die massive Polizeipräsenz war weitaus gewalthaltiger als alles andere. Ob die Wagenburg kulturell wertvoll war, ist schwer zu sagen. Es war zumindest eine kulturelle Vielfalt für die Stadt, die jetzt mit der Räumung ein Stück abhanden gekommen ist.“

Arved, 18

„Ich bin froh, dass das Kommando Rhino weg ist. Ich finde, es war eigentlich alles nur ideologisches Geschwätz. Klar, zu Beginn wurde Rhino als angeblicher Freiraum gegründet. Aber im Endeffekt war es doch nur Wohnraum für die Mitglieder, mit denen ich persönlich nicht gerade positive Erfahrungen gemacht habe. Ich wurde dort einmal grundlos rausgeschickt. Das kann natürlich auch ein Einzelfall gewesen sein. Trotzdem finde ich, dass dem Freiburger Stadtbild mit der Räumung des Kommando Rhinos nichts fehlt. Mir kam das Kommando Rhino letzten Endes viel mehr wie eine winzige DDR vor, statt ein Ort für Freiräume.“

Sophie, 27

„Generell ist es keine korrekte Lösung, wenn man gewalttätig wird. Sobald es von einer Seite zu einer Radikalisierung kommt, kann ich weniger Verständnis aufbringen. Ich habe die ganze Rhino-Sache ein bisschen verfolgt und konnte nie ganz verstehen, warum sie dort nicht bleiben können.

Ich dachte immer, dass es ein friedliches Miteinanderleben, eigentlich fast schon ein bürgerliches Leben, war. Dass mir ohne die Wagenburg jetzt was fehlen wird, kann ich von mir nicht behaupten. Dafür habe ich das ganze Thema zu wenig verfolgt. Aber es gehört für viele Freiburger sicherlich schon zum Bild der Vauban.“



Fabian, 25 (Bild links)

„Beide Seiten haben in den letzten Tagen Fehler gemacht. Aber man muss auch sagen, dass die Wagenburgler kein Recht haben da zu sein. Ihnen wurde von einem Stadtrat angeboten, auf seiner Wiese ihr Camp aufzumachen – das wurde abgelehnt. Also wollten sie wirklich auf Konfrontationskurs gehen. Die Stadt musste Härte zeigen.

Freiburg ist zwar eine tolerante Stadt, das ist auch gut so, aber irgendwann müssen die Grenzen eben da sein. Diese waren dann überschritten, als das Angebot von Herrn von Gayling abgelehnt wurde. Ich wusste lange gar nicht, dass es diese Wagenburg in der Vauban gibt. Mir persönlich fehlt durch die Räumung gar nichts.“

[Anmerkung der Redaktion: Fabian scheint einen Sachverhalt mißverstanden zu haben. Nikolaus von Gayling hatte den Rhinos mehrere Grundstücke angeboten, darunter auch eines in Kappel, das für die Gruppe interessant war. „Doch die Stadt hat am Dienstag gleich alle Gründe vorgebracht, warum auf dem Geländeplatz keine Bauwägen stehen dürfen,“ sagt Nikolaus von Gayling. Das Gelände ist als Landschaftsschutz-Gebiet und hätte für die Wagenburg umgewidmet werden müssen, was der Gemeinderat abgelehnt hat.]

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