Umfrage: Muss ein Geschenk ins Osternest?

Rebekka Sommer

Neulich im Kaufhaus belauschte ich versehentlich eine Mutter mit Tochter im Kaufrausch. Im Zuge der Überlegungen, was noch gekauft werden könnte, fiel der Satz: "Na gut, dann schenke ich das Barbieauto eben Jessica zu Ostern!" Moment mal: Ostergeschenke? Kann der Osterhase so viel Kram überhaupt tragen? Wie groß dürfen Ostergeschenke ausfallen, ohne auszuarten, und was ist aus der guten, alten Eiersuche geworden? So viele Fragen sind ein guter Anlass, Freiburger Eltern nach ihren Osterbräuchen zu befragen. Rebekka hat's gemacht:



Anne und Hassan mit Chanelle (8)

"Chanelle kriegt überhaupt nichts!", sagt Anne. "Sie ist zu frech." "Aber von mir bekommt sie etwas Schönes", erwidert Hassan, "das ich über viele Tage hinweg selbst gemacht hab." Chanelle weiß schon Bescheid. Ihr Papa schenkt ihr ein selbst gemaltes Ölbild, eines – ein Portrait von ihr - hängt schon über ihrem Bett. "Außerdem kriege ich einen Schokohasen, viele bunte Eier, einen Schokoeierbecher, …" Ihre Aufzählung ist lang, Chanelle hat im Schrank gestöbert.


Tatsächlich hat Mama Anne ihre ersten Worte nicht ernst gemeint, findet aber, dass Ostergeschenke lediglich süße Kleinigkeiten sein sollten. Das Beste an Ostern ist, dass die Familie zusammen kommt und die Kinder im Garten Eier suchen. Danach wird Chanelle sich mit ihren drei Geschwistern darüber zanken, wem welche Eier gehören. In die Kirche geht Anne an Ostern mit den Kindern manchmal, Hassan nicht: "Ich bin kein Moslem und kein Christ, bete aber zu Gott und das reicht aus."  

 

Alexander mit Sinja (1):

"Sinja ist noch zu klein, so richtig feiern wir Ostern deswegen dieses Jahr noch nicht. Generell bin ich aber der Meinung, dass Geschenke an Ostern nicht sein müssen." Mama Petra, die hinzustößt, findet aber schon, dass ein Fahrrad mal drin sein könnte. "Da können wir ja gleich mal unseren ersten Erziehungsdissens austragen." Die beiden können sich aber schnell darauf einigen, dass "Geschenke für draußen" zu Ostern passen: Sandförmchen und so weiter.

Als Lehrer bemerkt Alexander, dass der Trend zu immer mehr und größeren Geschenken geht. Woran das wohl liegt? "Das ist sicher nicht durch die Bank so, aber ich denke, dass manche Leute mit Geschenken etwas kompensieren. Dafür werden Gelegenheiten wie Ostern dann eben genutzt." Wenn Sinja größer ist, wollen Alexander und Petra mit ihr an Ostern auf jeden Fall "irgendwas draußen machen" und zwar nicht unbedingt in die Kirche gehen, aber ihrer Tochter den Ursprung des Festes erklären.



Yaneris mit Yandra (3) und Rosalba mit Jennifer (11) und Kevin (7):

"Bei uns in der Dominikanischen Republik ist Ostern ganz anders als in Deutschland", sagt Yaneris. "Am Karfreitag kommt die ganze Familie bis spät in die Nacht zusammen. Es ist ein traditionelles, ruhiges Familienfest, wir hören keine Musik und essen viel Fisch und Obst." Bunte Eier gibt es bei Yaneris und Rosalba an Ostern nicht, aber dafür gehen die Kinder sonntags zu ihren deutschen Großeltern auf Hasenjagd. Geschenke gibt es dort auch: Süßigkeiten, Schulsachen und Spielzeug oder auch mal fünfzig Euro vom Patenonkel. Jennifer (11) findet es jedenfalls gut, zwei Osterfeste zu haben. "Aber wenn es schon Ostergeschenke gibt, dann sind das eigentlich eher Kleinigkeiten", findet Rosalba.

 

Maren mit Aaron (2):

"An Ostern kriegen wir Besuch, weil ich an Karfreitag Geburtstag habe. Deswegen wird es dieses Jahr eher ein Kaffee- und Kuchen-Fest. Auf Eiersuche gehen wir am Sonntag natürlich trotzdem, wobei Aaron für so viel Schokolade noch etwas zu klein ist. Er kann dann Kekse suchen." Zu schenken gibt es im Moment noch nicht so viel, aber weil Aaron im November Geburtstag hat, kann Maren sich vorstellen, dass Ostern später einmal zur passenden Gelegenheit für Sommergeschenke oder für besonders wichtige Wünsche wird, die sich "zwischen Weihnachten und Weihnachten" ansammeln. Mit dem Anlass "Ostern" wird dann klar, dass Geschenke etwas Besonderes sind.

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  [Bild 1: Fotolia, Rest: Rebekka Sommer]