Umfrage in Freiburg: Soll Cannabis legal sein?

Theresa Ogando & Enya Steinbrecher

Gras hat seine Gefahren: Es kann die Entwicklung behindern und in seltenen Fällen Psychosen auslösen. Doch an Gras ist noch niemand gestorben, während tausende am Alkohol zu Grunde gehen. Was denkt Freiburg über die Legalisierung?

Leo, 24:

"Ich bin definitiv pro Legalisierung: Ich müsste dann nicht mehr Freunde nach Gras fragen, weil ich mich nicht traue, selbst in den Stühlinger zu gehen und mir was zu besorgen. Ich denke auch nicht, dass die Konsumenten mehr werden würden und gesundheitliche Auswirkungen gibt es glaube ich auch nicht. Ich habe selbst ein Jahr in einem Land gelebt, in welchem der Cannabis-Konsum legal war – dort war es einfach ein ganz normaler Teil des Lebens und wurde gehandhabt wie Alkohol und Zigaretten. Vielleicht wird es ja demnächst bei uns genauso – warten wir mal auf den Koalitionsvertrag."

Video: Global Marijuana March 2017 in Freiburg



Simone, 22:

"Ich bin selbst pro Legalisierung. In meinem Heimatland Italien haben wir viele Probleme mit der Mafia, die sich über den Verkauf von Cannabis auch teilweise finanzieren. Dem könnte man einen Riegel vorschieben, indem der Verkauf legalisiert werden würde. Die Auswirkungen auf die Gesundheit kenne ich nicht genau, aber ich glaube nicht, dass es gut ist. Wenn Marihuana jedoch vom Staat auf Reinheit kontrolliert werden würde, wäre es sicher nicht mehr so schlimm. Dann könnte man es gut mit dem Konsum von Alkohol vergleichen."

Sando, 44:

"Persönlich finde ich die Legalisierung schon in Ordnung, allerdings sollte dann eine Kontrolle her. In schlechten Phasen sucht man dann doch oft Mittel, um die negativen Gefühle zu betäuben und es wäre nicht gut, wenn der Erwerb von Marihuana so einfach wäre, wie der von Alkohol – der meiner Meinung nach auch zu billig ist. Man sollte es auch nur für bestimmte Gruppen erlauben: Diese könnten dann Marken für den Erwerb von Cannabis erhalten, wie bei den Essensmarken – und müssten auch nachweisen, dass sie sie benötigen. Sauberen Stoff könnte der Körper vielleicht besser abbauen und die Nebenwirkungen wären nicht so hoch. Andere Drogen jedoch sollte man nicht legalisieren, da sie einfach zu viele gesundheitliche Nebenwirkungen haben – wir haben so schon genug Verrückte auf der Straße."

Janosch, 20:

"Ich bin voll dafür. Ich denke, wenn es legalisiert werden würde, würden erst mal mehr Leute Cannabis probieren, aber ich denke längerfristig würden es nicht mehr Menschen als jetzt gerade konsumieren. Mein eigenes Leben würde sich dadurch aber nicht ändern. Als Einstiegsdroge würde ich Cannabis nicht bezeichnen, ich finde das ist zu weit hergeholt. Wenn man härtere Drogen will, dann bekommt man die eh auch so - man kennt immer jemanden, der da rankommt. Für eine Legalisierung von härteren Drogen bin ich nicht, ich kenne Leute, die im Entzug waren, das ist etwas anderes und man muss sie schon nochmal mit mehr Vorsicht genießen."

Video: So sucht die Polizei rund um Freiburg nach Cannabis



Tobi, 27:

"Ich bin für eine Legalisierung. Es ist meiner Meinung nach keine Einstiegsdroge, denn es macht keinen Sinn, zu sagen, dass man durch den Konsum von einer Substanz von etwas anderem abhängig wird. Ich habe schon in der Drogensuchtprävention gearbeitet und Süchtige haben alle mit Alkohol und Zigaretten angefangen, nicht mit Cannabis. Ich fände es sehr gut, wenn man dann mit den Steuereinnahmen durch den Cannabisverkauf auch in die Drogenprävention investieren würde, um junge Leute aufzuklären. Ich denke in nächster Zeit wird es keine Entkriminalisierung geben, aber dass sich sogar der Bund deutscher Kriminalbeamter dafür ausspricht, zeigt mir, dass eine Veränderung notwendig ist. Deswegen rechne ich damit, dass es in den nächsten 10 Jahren zu einer Legalisierung kommen wird."

Lisa*, 25:

"Ich bin für die Legalisierung von Cannabis, weil mir Selbstbestimmung wichtig ist. Ich finde die deutsche Drogenpolitik hinkt anderen Ländern hinterher und ist doppelmoralisch. Meiner Meinung nach ist Cannabis nicht mehr oder weniger Einstiegsdroge als Zigaretten und Alkohol stellt sogar ein größeres Gesundheitsrisiko als Cannabis dar."

*Von der Redaktion verändert

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