Endingen

Umfeld: Polizei nimmt Fernfahrer im Mordfall der Joggerin Carolin G. aus Endingen fest

Im Fall Carolin G. hat es wohl eine Festnahme gegeben, das hat die BZ aus dem Umfeld der Familie erfahren. Die Polizei bestätigt die Meldung bislang nicht, lädt aber zu einer Pressekonferenz in der Stadthalle in Endingen ein. Die Endinger reagieren derweil mit Erleichterung auf die Nachricht.

Im Fall Carolin G. aus Endingen hat es eine Festnahme gegeben. Das verlautet aus dem Umfeld der Familie am Freitagnachmittag. Kurz zuvor hatte die Polizei zu einer Pressekonferenz der "Sonderkommission Erle" in der Endinger Stadthalle geladen. Laut Pressemitteilung geht es um den Fall der ermordeten 27-jährigen Carolin G. aus Endingen. Genauere Angaben wolle die Polizei aber noch nicht machen.Nach Informationen der Tiroler Tageszeitung wird auch Walter Pupp von der Landespolizeidirektion Tirol an der Pressekonferenz teilnehmen (siehe BZ-Bericht).


Erst gestern hatte die Polizei die Zahl der Ermittler auf nunmehr zehn Beamten halbiert. Die "Soko Erle" wurde organisatorisch in eine gleichnamige Ermittlungsgruppe umgewandelt.




Aus dem Umfeld der Familie der ermordeten Joggerin verlautet, dass sie über die Festnahme des mutmaßlichen Täters informiert worden seien. Es soll sich bei dem Verdächtigen demnach um einen Fernfahrer handeln. Polizeisprecher Walter Roth wollte die Festnahme gegenüber der Badischen Zeitung zunächst nicht bestätigen. Die Bild-Zeitung meldet derweil, der festgenommene Lkw-Fahrer würde im Raum Freiburg arbeiten.
Die 27-jährige Carolin G. aus Endingen wurde Opfer eines Sexualverbrechens. Alle Texte und Videos im Überblick gibt es im Dossier.

Zwischen Erleichterung und Unglauben: Reaktionen aus Endingen

Ungläubig schütteln Gäste, die vor "Die Kleine Kneipe" in Endingen sitzen, mit dem Kopf, als sie von der Nachricht erfahren. Auch die Wirtin, Barbara Ordegel, kann es kaum fassen. "Ich wünsche mir so, dass es wahr ist", sagt sie.

Ein anderer Kneipengast ist ebenfalls noch nicht in der Euphorie, mit der die Wirtin rechnet, während sich die Nachricht herumspricht. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, kenne den Mann von Carolin G. gut – und ist ausgerechnet heute auf einen Geburtstag in Endingen eingeladen. Dort seien viele, die Carolin kannten. "So gut die Nachricht ist – es macht sie nicht wieder lebendig", sagt er.

Eine Stammgästin kommt, die Wirtin fällt ihr mit den Worten "Sie haben die Drecksau" um den Hals. "Ich geh morgen joggen", sagt die junge Frau lachend. Es ist ein ungläubiges Lachen – "ich muss das erstmal lesen" – der Schock des Mordfalls sitzt noch tief im Ort.

Rückblick: Die Verbindung der Fälle Carolin G. und Lucile K.

Die Polizei hatte bislang mit einem Phantombild nach einem Verdächtigen gesucht, der womöglich Fernfahrer sei. Ein Spürhund hatte in Endingen auf Geruchsspuren von der Kleidung der 20-jährigen Lucile K., die im Januar 2014 in Kufstein ermordet worden war, angeschlagen. Die deutschen und österreichischen Ermittler gehen seit Januar aufgrund übereinstimmender DNA-Spuren mit "hoher Wahrscheinlichkeit" vom gleichen Täter aus. Ausschlaggebend waren die kriminaltechnischen Abgleiche.

Aufgrund bestimmter Tatumstände rückte für die Ermittler verstärkt die Möglichkeit in den Fokus, dass der unbekannte Täter Fernfahrer sein könnte. Die Ermittler sahen deutliche Parallelen in der Tatausführung. Hatte die Polizei bislang keine Angaben zum Tathergang im Fall Carolin G. gemacht, bestätigte sie nun, dass die junge Frau in Endingen ebenso wie das Opfer in Kufstein erschlagen wurde – laut Ergebnissen der Obduktion wohl mit einem harten Gegenstand, zum Beispiel einer Eisenstange.

Lucile K. wurde mit Eisenstange erschlagen

Die 20-jährige Wirtschaftsstudentin Lucile K. aus der Gegend von Lyon besuchte im Rahmen eines Austauschprogramms die Fachhochschule in Kufstein und war in der Nacht zum 12. Januar 2014 kurz vor Mitternacht auf dem Weg zu einer Studienkollegin. Dort kam sie nie an.

Am nächsten Tag fand die Polizei ihre Leiche am Innufer. Der Täter hatte sie erschlagen – mit einer Eisenstange, die zwei Tage später im Fluss nahe des Fundortes der Toten entdeckt wurde: Ein Eisenrohr, wie es als Hebel bei hydraulischen Wagenhebern benutzt wird – oder bei Lastwagen, um die Fahrerkabine anzuheben.

Übereinstimmende DNA zeigte: Der Täter von Endingen und Kufstein ist derselbe. Wie läuft eine DNA-Analyse ab? Mehr dazu im Video:



Carolin G. verschwand am 6. November

Die 27-jährige Carolin G. wurde am 6. November nach dem Joggen vermisst gemeldet. Am 10. November entdeckten Polizisten im Rahmen einer großangelegten Suchaktion die Leiche der jungen Frau. Wie eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, wurde sie Opfer eines Sexualverbrechens.
Die Pressekonferenz findet am Samstag, 3. Juni, 15.00 Uhr in Endingen statt. Wir berichten aktuell.

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