Um abzunehmen, will dieser Freiburger ein YouTube-Star werden! Interview mit Jens 2.0

Daniel Laufer

"Schau erst mal in den Spiegel, bevor du ein Video drehst", sagten sie zu ihm. Jens Becherer ist das egal. Er hat jetzt seine eigene YouTube-Serie - die aber eigentlich eine Werbesendung ist.



Hast du keine Angst, dass dich Leute im Internet wegen deiner Videos fertigmachen?

Jens Becherer: Ich rechne damit, dass das passiert - auch wenn dieses Interview veröffentlicht wird. Man muss sich schon gewisse Äußerungen anhören, wie: "Was will das fette Stück damit eigentlich bezwecken?" Oder: "Schau erst mal in den Spiegel, bevor du ein YouTube-Video drehst." Es gibt sehr viele Menschen, denen sehr langweilig ist. Sie haben Spaß daran, jemanden fertigzumachen und etwas kleinzureden. Das kann schon passieren. Aber Angst? Respekt habe ich. Angst nicht.

Wie lange machst du das nun schon?

Im August habe ich intensiv meinen 40. Geburtstag gefeiert, einen ganzen Monat lang. Nach dieser Zeit wurde mir bewusst, dass ich für mich etwas tun muss. Neben dem harten Arbeiten, war das Feiern mein einziges Hobby. Ende September hat das Projekt "Jens 2.0" dann begonnen. Die Medienagentur AIWare hat es initiiert. Sie hat jemanden gesucht, der seine Ernährung umstellen möchte. Von einem 105-Kilo-Fleischklops will ich zu einem figurbewussten, sportlichen neuen Menschen werden.  Seitdem habe ich ungefähr 25 Kilo abgenommen. Ich mache jetzt viel Sport, im Dezember hatte ich jede Woche neun Einheiten.

Bis zum Sommer saßst du noch für die FDP im Furtwanger Gemeinderat. Jetzt postet du im Internet Clips, in denen du quengelst, dass du keine Lust aufs Joggen hast. Ist der Schritt von der seriösen Gemeinderatsarbeit zu diesem grundalbernen Selfie-Ding nicht etwas krass?

Ich bin immer noch der Jens Becherer, der ich auch im Gemeinderat war. Schon in der Politik hat mir eine gewisse Öffentlichkeit nichts ausgemacht. Nur war das nicht die richtige Bühne, um mit Selfies aus meinem Alltag zu unterhalten. Was ich jetzt mache, ist eine andere Facette von mir. Sie ist für die Leute spannender.

Wen interessiert diese Facette?

Es gibt eine ganze Reihe von jungen Menschen, die mit Figurproblemen kämpfen. Wenn man sich Formate wie "The Biggest Loser" anschaut, merkt man schon, dass es die Leute interessiert, zu sehen, wie andere ihre Lebensgewohnheiten ändern, um ein schlankeres und fitteres Leben zu führen. Ich spüre diesen Zuspruch mehr als ich erwartet hätte.

Sprechen dich Leute auf der Straße an?

Es ist nicht so, dass ich mit dem Rad fahre und dabei drei Mal anhalten muss, um eine Frage zu beantworten. Auf der 80er-Party im Jazzhaus aber sind vor kurzem drei Mädels zu mir gekommen und haben gefragt: Du bist doch der "Jens 2.0" - trinkst du jetzt wirklich den ganzen Abend nur Wasser?

Man hört, du willst mit dem Trinken aufhören?

Das ist richtig. Ich habe mir gesagt: Es kann nicht sein, dass ich diese Phase mit Alkohol in Verbindung bringe. Das wirft einen zurück. Ich war an den Wochenenden viel unterwegs und kräftig feiern. Da wurde auch der Alkoholkonsum zu einer gewissen Routine. Deshalb schadet es nicht, darauf zu verzichten. Am Anfang war es zwar etwas schmerzhafter und ungewohnt, in Clubs nichts zu trinken, aber es tut mir nicht weh.

Ein Stückweit kehrst du mit "Jens 2.0" dein Innerstes nach außen - warum hast du dich dafür bereiterklärt? Immerhin handelt es sich dabei ja um Werbung.

Ich brauche den öffentlichen Druck. Ich habe kein Problem damit, mich zu outen, dass ich ein gesünderes Leben führen möchte - das wird einigen Leuten so gehen. Wenn es dann spannend genug ist, was diese Medienagentur berichtet, interessiert sich die Öffentlichkeit auch dafür, wie jemand seinen Lebensstil ändert. Ich habe kein Problem damit, mich da als Litfaßsäule herzugeben.

Was erhältst du bei dieser Werbekampagne?

Diese ganzen Partnerschaften - ob das jetzt mit Rückgrat oder der Ernährungsberaterin ist. Ich trainiere umsonst und werde umsonst betreut. Außerdem kommen dabei kleine Werbeverträge raus. Ein kleines Klamottenlabel hat zum Beispiel gesagt: Mensch, wäre doch toll, wenn du in deinen Videos unsere T-Shirts oder Pullover anziehst. Aber Kohle verdiene ich damit nicht.

Wie funktioniert bei deinem Format denn der Werbeaspekt? Musst du in jedem Video drei Mal Rückgrat loben, oder...?

Ich habe keine Vorgaben und muss nichts Positives über den Trainingszirkel oder so sagen... Ich bekomme bei Rückgrat aber wirklich eine sehr gute Betreuung. Nicht nur, weil ich "Jens 2.0" bin. Das ist jetzt keine Werbeaussage - wenn ich solche Dinge sage, sind sie schon authentisch.

Es gibt ja einen regelrechten Hype um YouTuber wie Dagi Bee, Sami Slimani oder auch Simon Unge. Findest du so etwas nicht übertrieben?

Dass da jetzt solche Karrieren entstehen, ist ein Phänomen der heutigen Zeit. Es ist bequemer sich das anzuschauen, als lesen zu müssen. Ich glaube auch nicht, dass das nur Trend ist - das Phänomen wird standhaft bleiben. YouTube hat sich Gedanken gemacht, wie es ein Möchtegern-Fernsehen kreieren kann.

Denkt euch einfach ein YouTube-Format aus - ist das ein Tipp, den du anderen Menschen geben könntest, die abnehmen wollen?

Man kann das so pauschal sagen, ja. Ich weiß nicht, ob jeder der Typ dafür ist. Auch nicht, ob YouTube oder Freiburg es verkraften würden, wenn es 50 Menschen gäbe, die das Gleiche tun. Hat man das Gefühl, ein wenig öffentlichen Druck zu brauchen, sollte man sich vielleicht auch Gedanken machen, wie man sich vermarkten kann. Wenn das einem gut tut, ist das sicherlich keine schlechte Sache.



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[Foto: Promo]