Geschäftsübergabe

Ulrich Pröfrock gibt seinen Comicladen "X für U" weiter

Julia Littmann

Er ist Freiburgs Experte für gezeichnete Bildergeschichten: Ulrich Pröfrock. Nach 33 Jahren gibt er seinen Comicladen "X für U" an Michael Schumann weiter.

Ulrich Pröfrock war schon in sehr jungen Jahren Fachmann für alles rund um die gezeichnete Bildergeschichte. Dass er dann später 33 Jahre lang den Freiburger Comic-Laden "X für U" betrieb, war nur konsequent.


Jetzt will Pröfrock sich aufs Übersetzen konzentrieren

Längst hat er auch sein zweites Standbein als – inzwischen gar preisgekrönter – Comic-Übersetzer gefestigt. Insofern ist die Übergabe des Ladens an seinen langjährigen Mitarbeiter Michael Schumann ebenfalls sehr konsequent. Er wolle seine anspruchsvollen Übersetzungen eben nicht noch weitere Jahre lang in Nachtarbeit erdenken, so der 62-Jährige.

Den Laden weiterzugeben wie einen Staffelstab, das sei ihm nicht nur wegen der gewonnenen Zeit leicht gefallen, sagt Ulrich Pröfrock: "Es ist immer eine gute Idee, wenn Mitarbeiter mit so einer Unternehmung über Jahrzehnte vertraut sind – und den Laden dann mit ihrer eigenen Handschrift weiterführen." Michael Schumann hat vor 25 Jahren seine Buchhändlerlehre bei "X für U" gemacht – damals war das Geschäft auf winzigen zwölf Quadratmetern in einem der Behelfsläden an der unteren Bertoldstraße zu Hause. Von dort ging’s weiter an die Franziskanerstraße – und vor zehn Jahren an die Rempartstraße.

"1965 ließ Lothar Späth in Bietigheim-Bissingen noch Comics als missliebige Druckerzeugnisse verbrennen." Ulrich Pröfrock
Das Sortiment der Anfangsjahre setzte mit erstaunlichem Erfolg auf drei Genres: Comics, Science Fiction und Fantasy, jeweils neu oder gebraucht. Geblieben ist als wichtigster Bereich der Comic. "Anfang der 80er-Jahre begann der Comic auch in Deutschland über den Status einer Randerscheinung hinauszuwachsen", erklärt Pröfrock. Als er mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren nach Paris zog, war er von einer völlig anderen Comic-Kultur umgeben. Eine befreundete und sehr gebildete Familie stattete ihn zur Ankunft sogar mit einem Comic-Abo aus. Der Junge sollte doch möglichst flink Französisch lernen. In Deutschland waren Comics da noch verpönt unter ernsthaft Bildungsbeflissenen, so Pröfrock. "Just zur selben Zeit, nämlich 1965, ließ Lothar Späth in Bietigheim-Bissingen noch Comics als missliebige Druckerzeugnisse verbrennen." Derweil er selbst mit Tim und Struppi und anderen Figuren geschmeidig Französisch lernte. Seine Eltern standen den bunten Bildergeschichten aufgeschlossen gegenüber. Und ganz allmählich sickerte ein, zwei Jahrzehnte später dann auch in Deutschland das Bewusstsein durch, dass Comics ganz viel können und keineswegs nur lustige kleine Bildgeschichten sein müssen.

Heute boomt der Graphic-Novel-Markt

Einer der Auslöser für eine neue Haltung sei wohl der Comic "Maus" von Art Spiegelman 1986 gewesen, vermutet Ulrich Pröfrock. Im Buchformat hatte der die Geschichte seines Vaters, eines Auschwitzüberlebenden, erzählt: als Bildgeschichte. Mit "Maus" war klar, dass Comic alles kann, erinnert sich Pröfrock. Auch ernst und dunkel. Und waren bis in die 80er-Jahre keine hundert buchladentauglichen Comics pro Jahr auf den Markt gekommen, so steigerten sich die Zahlen von da an merklich. Heute gibt der Comic- und Graphic-Novel-Markt 3000 bis 4000 Neuerscheinungen im Jahr her.

In dieser Flut von ständig Neuem sind zwei Comic-Autoren für Ulrich Pröfrock uneinholbar großartige Klassiker. In einer ihrer Welten würde er gerne mal einen Tag zubringen: im Entenhausen von Carl Barks oder in einer Moebius-Welt, wie zum Beispiel der "Hermetischen Garage". Ulrich Pröfrocks Expertise verdankt sich vor allem seiner frühen und anhaltenden Liebe zum französischen Comic, ganz oben – ohne Frage – der große Künstler Jean Giraud mit dem Pseudonym Moebius. Pröfrocks Fundus an Wissen rund um höchst vielfältige Comics und deren "Langformat" Graphic Novel wächst beständig weiter. Und dass etliche aus dem Französischen ins Deutsche transportiert wurden, dafür hat er mit seinen bislang etwa 150 Übersetzungen gesorgt. Als Mitarbeiter mit wenigen Stunden taucht er vorläufig weiter im Comic-Laden auf. So er nicht – bei Tageslicht – übersetzt.

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