Ufos über Südbaden? Bürger rufen wegen Sternschnuppe die Polizei

Alexandra Sillgitt

Es waren wohl keine Außerirdischen, die den Nachthimmel über Südbaden und der Nordschweiz am Montagabend erhellt haben. Trotzdem gingen viele Notrufe bei der Polizei ein.



"Blaugrün und superschnell", ein "leuchtender Feuerball" – "Was ist denn da los?": Am Montag gegen 22.30 Uhr hat eine Schneeschnuppe für mehrere Sekunden den klaren Nachthimmel über Südbaden erhellt. Viele Bürger meldeten sich besorgt beim Polizeipräsidium Freiburg, berichteten von dem leuchtenden Objekt.


Meteorit-Asteroid 31-03-14 Time 22:30h Herrenberg 71083 Germany

Quelle: YouTube


"Es handelte sich wohl um eine sehr helle Sternschnuppe, die über den Südwesten geflogen ist", erläutert Astrophysiker Martin Federspiel vom Planetarium Freiburg. Er selbst habe das Schauspiel zwar nicht verfolgt, sich aber gleich am Dienstagmorgen die Berichte dazu angeschaut. "Normale Sternschnuppen sind etwa sandkorngroß. In diesem Fall dürfte es sich um einen besonders hellen Boliden gehandelt haben, womöglich faustgroß", erläutert Federspiel.

Ein solches Schauspiel würde von kleinen Meteoren erzeugt, die in die Erdatmosphäre eindringen und verglühen. "Als Meteorit bezeichnet man das, was unten ankommt, was man in der Hand halten kann", so Federspiel. Dass es im aktuellen Fall etwas bis nach unten auf die Erde geschafft haben könnte, schließt der Astrophysiker aus. Dafür sei das Objekt zu klein gewesen – nicht vergleichbar mit dem Meteor von Tscheljabinsk, der am 15. Februar 2013 über den russischen Himmel zog und dessen Druckwelle zahlreiche Fenster zerbrach. Ein Bruchstück schlug durch die Eisdecke eines zugefrorenen Sees und bildete ein Loch von sechs Metern Durchmesser (Badische Zeitung: Nasa: Meteorit zerbarst 20 Kilometer über der Erde).

Die Sternschnuppe vom Montag zog ihre Bahn von Norden her kommend in Richtung Schweizer Grenze. "Gelblich bis weißer Kopf, leichter orangefarbener Rand. Dann zerbricht das Teil in drei Stücke", beschreibt eine versierte Sternen-Beobachterin aus Ludwigsburg das Leuchten am Himmel in einer Mail an Federspiel. "Mir steht der Mund offen. Wow, so ein heller Brocken." Sie habe beobachtet, wie er etwa acht bis zehn Grad am Jupiter vorbeigeflogen sei. "Jedes Teil sprüht leicht Funken. Ich werfe im Licht des Boliden einen Schatten!"

@MMV_BN blau, riesig, hell #meteorit #komet ca 22:38 aus Richtung Würzburg Richtung Nürnberg (West nach Ost) über Unterfranken (Nordbayern) — Annette Schmidt (@weinaugenblicke) March 31, 2014


Die Sternschnuppe war auch im Raum Basel sichtbar. Der Meteor war in etwa 100 Kilometer Höhe über zehn bis zwölf Sekunden lautlos am Himmel zu beobachten und leuchtete in unterschiedlichen Farben auf.

Grün leuchtender Feuerball gesehen um 22:30 von Baden Schweiz aus. War etwa 10 Sekunden sichtbar, eindrücklich! #meteorit — Sandro Blum (@sanblu_ch) March 31, 2014


Bei der Meldung handelt es sich übrigens nicht um einen Aprilscherz – auch wenn viele Nutzer auf Twitter an eine großangelegte Verschwörung glaubten. "So etwas kommt schon häufiger vor, allerdings sind wir es nicht mehr so gewohnt, nach oben zu schauen", meint Federspiel. Auch überstrahlten die Lichter der Stadt meist das Leuchten am Himmel. "Daher empfinden das viele Menschen schon als etwas besonderes."

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  [Bild: dpa]