Ufos über Gundelfingen

Adrian Hoffmann

In den vergangenen Monaten wurden über Deutschlands Nachthimmel viele ungewöhnliche Leuchtkörper gesichtet. Regelmäßig melden sich verdutzte Leute, die Ufo-Flotten gesehen haben wollen. Auch am vergangenen Samstag in Gundelfingen. Das Phänomen lässt sich recht einfach erklären.



Marion und Detlev K. aus Gundelfingen meldeten am Samstag, sie hätten über dem Gewerbegebiet gegen 20 Uhr bis zu 20 rote Leuchtkörper dahinziehen sehen – in einer Art „Vogelschwarm oder doch nicht“. Sie seien gerade aus einem China-Schnellimbiss gegangen und zum Parkplatz zurückgelaufen. Die Geräuschlosigkeit in der Zeit des Beobachtens hätten sie dabei als „das Unheimliche“ empfunden, notieren die Ufo-Forscher.


Roland Gehardt aus Heilbronn, einer der CENAP-Aktiven in Baden-Württemberg, würde ja selbst gerne einmal mit Außerirdischen zusammentreffen. Aber die merkwürdigen, grellrot leuchtenden Lichtkörper, die so viele Leute bei ihm und seinen Mannheimer Kollegen melden, erweisen sich immer wieder als harmlose Mini-Heißluftballons. Ein Trendprodukt, das auf Partys gut ankommt – und Menschen, denen es unbekannt ist, erschrecken kann. „Manchen hört man das Zittern in der Stimme an“, sagt Gehardt, 48.



Eigentlich könnte das Phänomen durch Medienberichte (Süddeutsche Zeitung, Spiegel), die bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, schon hinreichend bekannt sein. Die Partyballons werden gerne bei Geburtstagen in die Luft gelassen, bei Hochzeitsfeiern und Familienfesten. Aber nicht jeder hat das offenbar mitbekommen. Und in der Nacht sehen die Ballons wohl nochmal anders aus.

Die große Mehrheit der Meldungen, die zurzeit bei den Ufo-Forschern eingehen, sind auf diese Partyballons zurückzuführen, auch bekannt als asiatische Himmelslaternen oder Skylaternen. Allein in diesem Jahr haben sich im deutschsprachigen Raum Gehardts Angaben zufolge bereits 130 Menschen wegen der schwebenden Lichtkörper bei ihm und seinen Kollegen gemeldet. Immer mehr kämen auch aus Baden-Württemberg.



„Das ist die erste Ufo-Sichtungswelle seit 1947, die wir in Deutschland erleben“, sagt Gehardt. Für ihn ist es zwar ein wenig lästig, wenn die Leute an Wochenenden um zwei Uhr nachts anrufen, aber er hat dafür Verständnis. „Wer das nicht kennt und zum ersten Mal sieht, der zweifelt an seinem Verstand.“

In Gehardts Meldeliste finden sich spannende Auszüge:

- Ein Ehepaar aus Walldorf sah im Februar vom SAP-Gelände her eine Art flammende Kugel herbeischweben, über das Haus ziehen, und auf der anderen Seite hervorkommen. Das „Ding“ schwebte weiter gen Nordosten und zog als kleiner, orange-roter Lichtpunkt gegen Osten hoch und weg.

- Aus Weil am Rhein meldete sich im Februar eine Frau, die an einem Samstagabend gegen 18:30 Uhr eine Flotte von fünf gelb-orangefarbenen Lichtern drei bis vier Minuten lang eben über dem Rhein in einer „Würfel-5er-Formation“ ziehen sah, die dann außer Sicht geriet.

- Aus Obrigheim meldete sich kürzlich ein Mann, weil er rot glühende Lichtgestalten – drei Mal so groß und hell wie Sterne – geräuschlos am Himmel vorbeifliegen sah.



„Seitdem die Dinger so billig sind, fliegen ganze Flotten davon herum“, sagt Roland Gehardt und lacht. „Es sieht aber auch fantastisch aus.“ Für die Hersteller stellt sich der Ufo-Vergleich als unerwartet gutes Marketinginstrument heraus: Er vertreibe diesen Nischenartikel seit 20 Jahren, vor allem übers Internet, sagt Patrick Christopher, einer von mittlerweile mehreren Produzenten in Deutschland. Seit den in der Nachrichtenwelt thematisierten Ufo-Sichtungen entwickle sich das Geschäft explosionsartig. Es sei aber nie die Intention gewesen, dass Menschen die Ballons am Nachthimmel so verdutzen, dass sie sich an Ufo-Meldestellen wenden.

Über Ostern erwartet Roland Gehardt die nächste Ufo-Welle. Ein weiterer Hersteller hatte zuletzt Partyballons für zwei Euro verkauft.

Mehr dazu:

  • Info Himmellaterne: Sie sind bis zu 120 Zentimeter hoch und funktionieren nach dem Ballonprinzip. In der Reispapierhülle befindet sich ein Drahtgestell mit Kerze. Diese heizt die Luft so auf, dass sie in der Nachtluft angeblich in bis zu 500 Meter Höhe aufsteigt. Wenn es kalt ist, fliegen sie laut Herstellerangaben besonders gut.
  • Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene: Website CENAP