UFO landet im Jazzhaus

David Weigend

Die alten Herren kehren zurück: Bevor im November Deep Purple in der Rothausarena auftreten, haben gestern Abend die Haudegen von UFO im Jazzhaus ihre leicht angestaubte, aber immer noch gut lesbare Visitenkarte hinterlassen. Einer Band mit 40 Jahren Liveerfahrung muss eben niemand erklären, wie das Wort Rock buchstabiert wird.



UFO ohne Michael Schenker sei doch eigentlich einen Dreck wert, meint ein 55-jähriger Zuschauer im Auditorium, der modetechnisch der Formel folgt: Vokuhila, solange Voku noch geht. Der Grantler fährt fort: "Jetzt haben sie diesen Vinnie Moore als Schenkerersatz an Bord geholt. 1986 galt der als kommender Metalgott in Warteposition. Gefeierter Ausnahmegitarrist. Aber dann verletzte er sich an der Hand und jetzt reitet er bei UFO die Bluesrocknummer mit leichten Shreddereinlagen. Na ja, mal schauen. Vielleicht bringt er's ja doch."


Nach zwei Stunden Boogie, Blues- und Hardrock wird klar: UFO rockt, 2010 noch immer. Der besagte Vinnie Moore pickt auf seiner pinken Dean Winman zwar nicht mehr so flink wie früher, sondern fuddelt mehr legato, aber er bringt den Knödel definitiv ins Rollen. Sänger Phil Mogg, 62, hat zwar ein paar Becks zuviel intus, was er mit seinen kruden Gagansagen unmissverständlich zum Ausdruck bringt, aber der alte Herr hat immer noch mehr Power in den Stimmbändern als Thomas Schaaf bei der Halbzeitstandpauke.

Keyboarder und Rhythmusgitarrist Paul Raymond, mit Emerson Lake & Palmer-Gedächtnishelm (Foto unten), dudelt manierlich auf seinem Roland VK-8, während Bassist Barry Sparks in bester Steve Harris-Trooper-Manier abrechnet. Schlagzeuger Andy Parker hat nicht gerade den anspruchsvollsten Job, aber er erledigt ihn mit der Grandezza eines britischen Werftarbeiters.



Unterm Strich bekommen die Fans die oft gebotene Mischung aus eher mauen Songs des aktuellen, gefühlten 100. Studioalbums "The Visitor" und unvergänglichen Hits. Zum Beispiel "Try me" (von Lights Out, 1977), verträumter Schmuser mit Endlosbendings; "Too hot to handle" (auch Lights Out), erdiger, ehrlicher Rock, klingt wie ein Herrengedeck im Alpirsbacher Dartstüble; "Rock Bottom" (von Phenomenon, 1974), diese Sprache verstehen sowohl Steppenwölfe, als auch hängengebliebene Lederjackenträger, die alles verteufeln, was nach 1980 auf den Markt kam und KISS als "Schwuchteln" bezeichnen.

Zum Schlusspunkt "Doctor Doctor" (1974) tanzen auch die anwesenden Damen. Das Parfum, das dabei zu Tage tritt, hat schon eine etwas schwerere Duftnote. Genauso wie die Musik von UFO. Herrlich, dass es das noch gibt.

[Fotos: Paul Bossenmaier]

Mehr dazu: