Auf der Bühne

Ü-90-Party im Freiburger E-Werk – Das Musiktheater "Die Schönen" spielt "Ewig Jung"

Theresa Steudel

"Die Schönen" verwandeln sich im Songdrama "Ewig Jung" in 90-Jährige, das Freiburger E-Werk in ein Altenheim. Eine fröhlich-tragische Party voller Pophymnen, die auch zum Nachdenken anregen soll.

Vor der Bühne stehen drei Rollatoren, auf der Bühne sind Leopold Kern und sein Theaterkollege Herbert Wolfgang gerade dabei, sich gegenseitig eins reinzuwürgen. Einer zieht dem anderen den Gehstock weg. Dafür spritzt der Andere seinem Gegner mit einer Sprühflasche Wasser in den Schritt, sodass dieser aussieht, als er hätte er sich eingenässt. Wie bei einem uralten Schwarzweißfilm begleitet Pianist Mihai Grigoriu diese Slapstick-Szene auf dem Klavier. Die Kollegen Stefanie Verkerk, Manuel Buchmüller und Nicole Haas, die mit auf der Bühne sitzen, können sich nicht mehr halten und lachen los. Kern läuft auf Wolfgang zu, bereit für den nächsten Angriff – und stolpert plötzlich über Stefanie Verkerks Bein, das über die Bühne fliegt und zwischen den Kontrahenten liegen bleibt.


Alle halten inne, auch das Klaviergeklimper, und realisieren zum ersten Mal, dass ihre Kollegin eine Prothese trägt. Und Verkerk beginnt mit leiser, kindlicher Stimme "I’m a barbie girl, in a Barbie world / Life in plastic, it's fantastic" zu singen.

In den morschen Knochen steckt noch Lebenslust

Kern, Wolfgang, Verkerk – sie alle spielen sich selber. Wenn auch ziemlich in die Jahre gekommen. Denn das Songdrama "Ewig Jung", das das Musiktheaterensemble "Die Schönen" an diesem Tag gerade probt, spielt in einer Zukunft, in der alle Darsteller über 90 Jahre alt sind. Das Stück verwandelt das E-Werk in ein Altenheim, in dem die Bühnenstars noch immer hausen, betreut von einer strengen Krankenschwester. Wenn die nicht hinschaut, schwelgen sie in Erinnerungen an damals, schwingen auf der Bühne die steifen Hüften, und zeigen bei Liedern wie "Buona sera", "I will survive" oder "Born to be wild", dass noch Leben in ihren Knochen steckt. Herbert Wolfgang, verantwortlich für das Bühnenbild, hat den Eisernen Vorhang, vor dem im Original von 1963 getanzt wird, in eine "Hall of Fame" abgewandelt – an den Wänden der kleinsten E-Werk-Bühne hängen Fotos der Ensemblemitglieder, unter anderem als Teenager.

Regisseur Martin Schurr beschreibt das Stück von Autor Erik Gedeon als "eine Gratwanderung zwischen Humor und Tiefe". Mit einem Augenzwinkern stellen Stefanie Verkerk, Nicole Haas, Herbert Wolfgang, Manuel Buchmüller, Leopold Kerk und seine Zweitbesetzung Nick Bisognano typische Altersanwandlungen dar – den alten Mann, der seine Sätze nie zu Ende bringt, die Seniorin, die immer etwas langsamer ist als ihr Umfeld, den Greis, der sich hemmungslos gehen lässt. Das sorgt für einige Lachanfälle – aber genauso schnell hinterlässt das Geschehen auf der Bühne ein enges Gefühl in der Brust, wenn Verkerk ihr Plastikbein wieder anschraubt und eindringlich "I want to be forever young" vom Rand der Bühne singt.

"Es geht um die Würde im Alter." Leopold Kern (Leitung)
"Sie ist verhärtet und verbittert vom Leben, von der Endgültigkeit dieser Situation", beschreibt Verkerk ihre Rolle, für die sie sich von ihren über 90-jährigen Verwandten hat inspirieren lassen. Beide seien viel allein, würden aber aus Angst vor Veränderung an diesem Zustand nichts ändern. "Das betrifft auch meine Rolle. Ich beklage mich über alles, schaffe aber nicht, da rauszukommen." Und auch wenn die Tragikkomödie die Zuschauer am Ende versöhnt, bleibe etwas hängen, das zum Nachdenken anregt. "Es geht um die Würde im Alter und wie man das Alter spielt", sagt Leopold Kern, der mit einigen Altenpflegern gesprochen hat und feststellen musste, dass die Szenen auf der Bühne gar nicht so weit entfernt seien von der Realität. Wie er haben sich auch seine Kollegen vorbereitet – Herbert Wolfgang zum Beispiel hat seine Bewegungen von Parkinson-Patienten abgeschaut.

Die Krankenschwester versaut die Stimmung – mit Hymnen über Krankheit, Alter und Tod

Und dann wäre da noch die Krankenschwester, dargestellt von Katrin Mayer, in Zweitbesetzung von Kathryn Magestro. "Wir spielen zwei sehr unterschiedliche Rollen", sagt Magestro, "weil wir auch zwei sehr unterschiedliche Menschen sind". Mayer komme als junge, frische Frau auf die Bühne, Magestro sieht sich in ihrer Rolle als etwas trockenere, strenge Schwester. Einig sind sie sich aber, dass die Rolle nicht einfach ist. Während die Senioren alle eine Geschichte haben, hat die Schwester kaum eigene Charakterzüge und ist hauptsächlich dazu da, ihre Schützlinge mit Arien wie "Sterben, verrecken, krepieren" wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Auch musikalisch bildet sie mit ihrer sehr klassischen Stimme einen Kontrast zu den Rock- und Pophymnen der Senioren.

Gesanglich kann das Musiktheaterensemble bei diesem Stück also ganz schön was bieten. Seit sechs Wochen proben "Die Schönen", noch sitzt manche Choreographien nicht ganz, gibt es ein paar Unstimmigkeiten zur Musik, funktionieren manche Ideen noch nicht. Aber trotzdem macht eine Stunde Probe große Lust, sich diese Tragikkomödie anzuschauen. Die Premiere am 27. September ist schon ausverkauft.
  • Was: Tragikkomödie "Ewig Jung", gespielt von "Die Schönen"
  • Wann: Premiere am 27. September, weitere Vorstellungen bis zum 2. November und vom 22. November bis 21. Dezember, jeweils Freitag und Samstag, 20 Uhr
  • Wo: E-Werk
  • Eintritt: Normalpreis 24,50 Euro, ermäßigt 15 Euro

Verlosung

fudder, das Jugendportal der Badischen Zeitung, verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde jeweils zwei Tickets für die Vorstellungen am 28. September, 4. Oktober und 5. Oktober 2019.

Mitglied in fudders Club der Freunde kann man hier werden. Für die Teilnahme eine E-Mail mit Namen, Adresse und dem Betreff "Ewig Jung" an gewinnen@fudder.de senden.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Donnerstag, 26. September, um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.