Udo Jürgens in der Rothaus-Arena: Einfach er, einfach gut

Carolin Buchheim

Udo Jürgens ist 74 Jahre alt, sieht keinen Tag älter aus als 66 und schreibt seit fünfzig Jahren beständig Songs, die man sofort mitsingen kann. fudder-Redakteurin Caro ist ihr ganzes Leben schon Udo-Fangirl. Und war deshalb natürlich auch am Sonntagabend bei seinem Programm "Einfach ich" in der Rothaus-Arena.



Und am Ende des Abends nimmt Udo Jürgens, im flauschigen weißen Frotteebademantel auf seinem Klavierschemel sitzend, die Hände von den Tasten seines Flügels und dirgiert. Nein, nicht das Orchester Pepe Lienhart, das ihn – wie seit mehr als 30 Jahren – auch am Sonntagabend bei seinem Konzert in der Rothaus-Arena begleitet hat.


Auf seine typische Art weit lächelnd dirigiert der mittlerweile 74-Jährige einen 3.900 Stimmen starken Publikums-Chor. „Du-du-du-du-du-du“, singt die Menge den Refrain von Jürgens-Hit ’Liebe ohne Leiden’ und schunkelt dazu im Takt. „Du-du-du-du-du-du-du.“ Und Udo Jürgens – ein Mann mit mehr als fünfzig Jahren Bühnenerfahrung, mit tausenden Konzerten – lächelt nicht nur, sondern ist tatsächlich auch sichtlich gerührt.

Die Konzerte des legendären Entertainers sind – fast so, als hätten sich der Künstler und sein Publikum vor Jahren oder gar Jahrzehnten einmal auf einen Ablauf geeinigt – von einer angenehmen Verlässlichkeit durchzogen. Die erste Hälfte eines jeden Konzerts präsentiert Jürgens die Lieder seines aktuellen Albums im Wechsel mit einigen weniger bekannten Liedern des vergangenen Jahrzehnts.

Erst in der zweiten Hälfte des Abends spielt er die richtigen Hits; die, bei denen im Publikum geschunkelt, gesungen, gelacht, geweint und geknutscht wird. Und stets springen die jungen und alten Fans irgendwann, wie auf ein geheimes Zeichen, von ihren Plätzen auf und laufen vor die Bühne. Und jedes Konzert endet mit dem Chansonnier am Flügel, im weißen Bademantel.

Bei so geregelten Abläufen droht natürlich die Routine – für Publikum und Künstler gleichermaßen. Vielleicht schlug Jürgens deshalb mit dem Titel-Song seines aktuellen Album „Einfach ich“ zu Beginn des Konzerts erst einmal bescheidene Töne an. „D’rum erwarte nicht zu viel von mir, denn ich bin doch nur einfach ich.“



Doch „Einfach er“, das war ohnehin genau das, was das Publikum in der Rothaus Arena wollte. Denn ’Einfach er’, das war ein gut gelaunter Entertainer in stimmlicher und musikalischer Bestform, der bei aller Routine eine leichte Wehmut bei diesem letzten Konzert der aktuellen Tour nicht unterdrücken konnte. „Es ist etwas ganz besonderes, dass ich nach all’ diesen Jahren immer noch und immer wieder Konzerte für sie spielen und meine Lieder singen darf“, sagte Jürgens in seiner Begrüßung. „Das ist etwas Außergewöhnliches und Bewegendes, und um mich hierfür bei ihnen zu bedanken, dafür bin ich hier.“

Außergewöhnlich und bewegend war dann auch das, was Udo Jürgens und das Orchester Pepe Lienhardt in rund zweieinhalb Stunden auf der Bühne der Rothaus-Arena präsentierten. Darunter ausdrucksstarke Liebeslieder („Stärker als wir“), Gesellschaftskritik („Tanz auf dem Vulkan“) und Finanzkrisen-Kommentar nach Udo-Manier („Fehlbilanz“). „Aber Krisen sind dazu da, bewältigt zu werden“, verkündete Udo und beendete die erste Hälfte des Konzerts mit dem bezaubernden „Die Schwalben fliegen hoch“, einer Ode an die Hoffnung auf die Rückkehr des Sommers.

Nach der Pause dann die Hits, endlich, wie gewohnt zu virtuosen Medleys und in schmissige Arrangements verpackt, bei denen fast jeder Musiker des Orchesters ein Solo präsentieren darf. Auch die Background-Sängerinnen und -Sänger erhalten die Gelegenheit, ihr Können mit Jazz-Standards wie „Smile“ und „Autumn in New York“ zu zeigen. Bei „Ich war noch niemals in New York“, dem „Griechischen Wein“ und dem „Jetzt oder nie“ der vorhergegangenen Tour ist kein Platz in der Halle mehr besetzt: Standing Ovations. Zum Bademantel-Finale gibt es „Mit Dir“, „Cottonfields“ und auf Zuruf „Gabi wartet im Park“. Dabei verhaspelt sich der routinierte Entertainer. Und lacht. „Ich hab’ den Text vergessen. Ihr auch, oder?“

Und dann „Liebe ohne Leiden“ und der 3.900 Stimmen starke Chor. Nach dem  letzten „Du-du-du-du-du“ des Publikums lässt Jürgens die Arme sinken, steht von der Klavierbank auf, rafft die vielen in glänzendes Cellophan gehüllten Fan-Blumensträuße vom Flügel und verbeugt sich ein letztes Mal, lange.

Er war einfach er. Und einfach gut.

Mehr dazu:

Am Freitag, 30. Oktober 2009, kommt Udo Jürgens mit „Einfach ich“ ins Le Zénith nach Straßburg.

[Dieser Text erschien heute ebenfalls im Kulturteil der Badischen Zeitung.]