Two Gallants: Die Country-Punk-Geschichtenerzähler

Carolin Buchheim

Two Gallants: Eine Band die man, wenn man es sich ganz leicht machen wollte, einfach als 'The Bright Stripes' ankündigen könnte. Wie The White Stripes machen Adam Stephens und Tyson Vogel 'nur' mit Gitarre und Drums Musik, und wie Bright Eyes pflegen sie Emo-Attitude, sind verdammt gute Songwriter und beim Saddle Creek Label aus Omaha, Nebraska zuhause. Aber bei einer Band, die es sich mit ihren Songs so gar nicht leicht macht, sollte man es sich bei einer Konzertankündigung auch nicht allzu leicht machen. Am Dienstag sind Two Gallants in der Laiterie in Straßburg.



Musikalisch sozialisiert wurden die Herren Stephens und Vogel, die übrigens aus San Francisco stammen, in der Hardcore & Punkszene, und das hört man immer noch, Country oder nicht Country. Ihre Rotzigkeit, ihre Spielfreude und die Schreierei, die haben sie sich bewahrt, auch wenn sie mit ihren Songs jetzt, in feinster Country-Tradition, Geschichten erzählen.


Im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Saddle Creek Bands kreisen die Two Gallants in diesen ihren Geschichten allerdings nicht um sich selbst und ihr Herzeleid während sie im Kapuzenpulli zwischen Plattenladen und Kneipe und verschiedenen Mädels hin- und herschlurfen, nein, hier ist ein fiktiver Erzähler am Werk, der behände zwischen den Jahrhunderten (!), den verschiedenen Phasen des Lebens, den ethnischen Hintergründen und ihren entsprechenden Sprachstilen wandelt.

Auf dem im Februar erschienenen zweiten Two Gallants Album What the toll tells finden sich gesungene Geschichten aus der Sicht eines im Knast sitzenden Mörders, über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts realexistierende Rassentrennung in den amerikanischen Südstaaten und auch über Junkies in den Großstadtstrassen der Gegenwart.
Mit derartigen Songs riskiert man es als Band natürlich, total daneben zu liegen, klar, gerade wenn man sie als Punk-sozialisierter Mann Mitte 20 im Jahr 2006 singt und sich die Art des Erzählens ausgerechnet anhand von Johnny Cash und Bob Dylan beigebracht hat. Diese Band liegt damit aber, glücklicherweise, sowas von gar nicht daneben.

Bei den Two Gallants passt alles, weil eben nichts passt, sondern alles Widerspruch ist, die Geschichten die sie erzählen und die Männer die sind, und dass die Musik dazu nicht Klarheit bringt, sondern eine elegische, sich immer weiter steigernde Kakophonie aus Gitarre, Mundharmonika und Geschrei ist, die nur noch mehr Verwirrung hinterlässt, das passt auch.



Letztendlich ist eine gute Geschichte in einem Song, auch wenn sie von der Person des Sängers und seiner Erlebniswelt losgelöst ist, einfach eine gute Geschichte, die einen als Zuhörer im Idealfall berührt und verändert. Man vergisst das so oft, aber wirklich gute erfundene Geschichten können auch 'wahr' sein, wenn es dem Autor nur gelingt, eine allgemeingültige Wahrheit über die Menschen an sich auszudrücken.
Genau das gelingt den Two Gallants in ihren Songs über Hass und Liebe und Tod und Himmel und Hölle und Vergänglichkeit. Mittendrin in all diesen seltsamen, altmodischen und gewalttätigen Geschichten über all die großen Themen finden sich Songzeilen, die man nicht nur unterschreiben, sondern sich gleich tätowieren lassen möchte. Okay, zugegeben, das wär' ein bisschen wild, aber da sind Sätze, die sind so gut, dass man sie sich zumindest mal für einen Liebes- oder Abschiedsbrief ausborgen will, weil sie so wahr sind, so treffend. 'I'll keep you in my collection of regrets.' Oh ja!

Man muss die Welt der Two Gallants wohl einfach als eine Literarische annehmen; das täte gut dazu passen, dass sie sich den Bandnamen einst aus einer Geschichte aus dem 'Dubliners' Zyklus von James Joyce borgten.



Sieht man die Two Gallants live, dann fragt man sich zu Beginn des Konzerts schon mal, selbst wenn die Herren gerade auf einer großen Festivalbühne stehen, ob man die beiden eigentlich gerade stört, beim Proben vielleicht, denn Adam Stephens singt meist mit geschlossenen Augen und redet nicht viel zwischen den Songs, und Tyson Vogel sitzt hinter den Drums mit so tief ins Gesicht hängenden langen braunen Haare, dass es den Eindruck erweckt, er wolle die Welt am besten gleich ganz ausschließen.

Aber dann sind da aber, nach dreivier ihrer gerne auch mal zehnminütigen Songs, mittendrin diese Momente, in denen Adam sich vom Publikum abwendet und die beiden Kumpels, die schon zusammen Musik gemacht haben, als sie noch nicht mal Teenager waren, sich angucken und allein mit Blicken gegenseitig antreiben, in ihren gemeinsamen Songs neue Wege einschlagen und im entfesselten Spiel die Leidenschaft rauslassen, und zwar vollkommen. Und dann kommt genau diese Leidenschaft im Publikum an und wird mit Johlen und Tanzen und Singen auf die Bühne zurückgeschleudert, und dann wendet der schüchterne Adam Stephens sich doch mal dem Publikum zu.

Und lächelt.

Mehr dazu:

Two Gallants: Website& MySpace& Mp3 (legal):
 
 

Eric Bachmann: Website& MySpace& Mp3 (legal):
 
&
 

Chapel Hill: MySpace

Was: Two Gallants & Eric Bachmann & Chapel Hill (Local Support)
Wann: Dienstag, 28.November 2006, 20 Uhr
Wo: Laiterie, Strasbourg (Website)
Eintritt: €15