TVnoir-Konzerte, Runde zwei: Yasmine Tourist und Wolfgang Müller im Jazzhaus

Gina Kutkat

Gleich zwei Mal schickt die Berliner Musiktalkshow TVNoir assoziierte Künstler auf Deutschland-Tour: Mitte Oktober waren Tex und September Leaves im Jazzhaus zu Gast, am Mittwochabend kamen nun Wolfgang Müller und Yasmine Tourist. Gina war für fudder dabei.



Keine Show, keine Spiele, keine Interviews. Es geht nur um die Musik. Die Ansage von Sänger Wolfgang Müller könnte deutlicher nicht sein. Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt er auf einem Hocker auf der Bühne, die Gitarre auf dem Schoß. Umgeben ist der Hamburger Liedermacher von einer gemütlichen Wohnzimmer-Deko mit altmodischer Lampe und einem abgewetzten Sofa. Darauf sitzen drei Musiker der Band Yasmine Tourist, die zusammen mit Solokünstler Müller in der Reihe “TVnoir-Konzerte” das bestuhlte Jazzhaus bespielen.


TVnoir-Konzerte sind eine Erweiterung der Musiktalkshow von Erfinder und Moderator Tex, der die Show vor drei Jahren ins Leben rief und unter Zuhörern mit einer Vorliebe für Liedermacher oder feine Indie-Bands eine Welle der Begeisterung startete. Markenzeichen der TVnoir-Reihe: ein Wohnzimmer-Setting, schöne und bestuhlte Veranstaltungsorte, als Gäste bedächtig ausgewählte, oft unbekannte Musiker, Spiele, Interviews, Interaktion mit dem Publikum und natürlich Musik - meist akustisch.

Auch wenn Wolfgang Müller gleich am Anfang klarmacht, dass der Abend keine Talkshow wird, so musste das Freiburger Publikum am Mittwochabend  trotzdem nicht enttäuscht sein. Die Kommunikation passiert bei dem Hamburger über seine Texte. Müller ist ein begnadeter Gitarrist und Songschreiber und spricht mit seinen klugen, reduzierten Songs so ziemlich jeden an. Drei davon spielt er, bevor er von den Jungs von Yasmine Tourist abgelöst wird. “Mein Beziehungsset - in umgekehrter Reihenfolge.” Von Abschied, Zweifel und sinnlosem Warten handeln die Texte. “Du sagst, dass du mich magst / Was immer das heißt / Klingt ein bißchen wie der Trostpreis” heißt es etwa in “Godot”. Müller singt klar und konzentriert, sein Fingerpicking ist elegant und sowieso wirkt dieser Musiker so mühelos, als würde er in seinem eigenen Wohnzimmer vor Bekannten und Freunden spielen.



Vier mal drei Songs spielen der Solist und die Frontleute von Yasmine Tourist abwechselnd, eine 20-minütige Pause ist dazwischen. Die Atmosphäre im Jazzhaus - alle Stühle sind besetzt -  ist andächtig und ruhig, das wissen auch die Jungs von Yasmine Tourist zu schätzen. “Ihr seid ein sehr dankbares und aufmerksames  Publikum, das ist wirklich toll”, sagt Sänger Dominik Gerwald. Seine Band, die nur zur Hälfte bei den TVnoir-Konzerten dabei ist, kommt zwar ursprünglich aus Backnang, klingt aber wie eine amerikanische Folkrockband. Das liegt vielleicht an der seufzenden Pedal-Steel-Gitarre, die von Max Steinert gespielt wird wie von Musikern aus den Südstaaten. Im schwermütigen “All Night Long” schleift sich das zehn-saitige Instrument durch die Strophen wie ein Durstiger in der Wüste.

Verwirrend und genial aber auch die klare und zarte Stimme von Gerwald, die man aus diesem kräftigen Körper nicht erwartet. Beim Fingerpicking ist er so konzentriert, dass er seinen Kiefer im Rhythmus bewegt. Blues, Rock, Folk oder Indie? “Give all up” ist vielfältig wie die Band selbst und laut Dominik das optimistischste Stück, dass er je geschrieben hat. “You may not / Give Up, Give Up/ You Will Not Ever Give Up/ Cause The Moment That You Do / I Will Give Up Too.” Kurze Anekdoten über ein kurioses Zusammentreffen mit der Band Die Prinzen sowie penibles Gitarrenstimmen und zahlreiche Entschuldigungen sind zwar keine Talkshow, aber sympathischer könnte ein Konzertabend kaum sein.

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[Fotos: Promo]