Einwanderung

Trumps Dekret stoppt Hochzeit von Freiburger Student

Fabian Vögtle

Reza Rafi kommt aus dem Iran, studiert in Freiburg und ist direkt von Trumps Einwanderungsstop betroffen. Sein Visum für die USA rückt in weite Ferne – und damit die geplante Hochzeit mit seiner Verlobten.

Reza Rafi hatte sich schon so gefreut. Nach seinem abgeschlossenen Englisch-Studium an der Universität Freiburg wollte der 31-Jährige dieses Jahr in die USA reisen. Dort lebt seine Freundin, die er vor drei Jahren in Freiburg kennenlernte. Sie arbeitet als Projektmanagerin in einem Übersetzungsbüro. "Wir wollten im Herbst dort heiraten", erzählt Rafi und ergänzt: "Das können wir nun erstmal verschieben."


Grund ist das Einwanderungsdekret von US-Präsident Donald Trump. Zwar haben die Gerichte den Einreisestopp bereits kassiert. Doch Bürger aus sieben muslimischen Staaten – darunter dem Iran –, die derzeit noch gar nicht im Besitz eines gültigen Visums sind, dürften jetzt kaum Vorrang haben, vermutet Rafi. "Auch ich werde jetzt noch länger darauf warten müssen und womöglich wird es in Zukunft härter, überhaupt an ein Visum zu kommen", sagt Rafi, der bereits im vergangenen Jahr ein 90-Tage-Visum für die USA beantragte. Denn Trump werde trotz der Gerichtsurteile als Präsident alles versuchen, um es den nicht erwünschten Menschen noch schwieriger zu machen, ist sich der Iraner sicher. "Ich war überrascht und geschockt zugleich", erzählt er von der Entscheidung aus dem Weißen Haus.

Englisches Seminar der Uni unterstützt den Iraner

Denn er hätte nicht gedacht, dass Trump seine Versprechen so schnell umsetze. Was ihn wirklich enttäusche, sei, dass so etwas ausgerechnet in den USA möglich sei. Gerade ist Rafi im Iran und plant die nächsten Monate – so gut es geht. Bei seiner Familie in Mashhad im Nordosten des Landes kommt er etwas zur Ruhe.

Da seine US-Pläne nun in weite Ferne gerückt sind, hat ihm das Englische Seminar der Uni Freiburg eine befristete Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter angeboten. "Sie wollen mir helfen. Es fühlt sich sehr gut an, wenn sich die Leute so engagieren und sich um dich kümmern", zeigt sich Rafi dankbar. Das Institut um Professor Christian Mair ist für den Master-Absolventen wie eine zweite Heimat. "Hier fühle ich mich wohl, wie auch in der Stadt. Meine drei Jahre in Freiburg waren sehr schön", sagt er. Seit 2013 studierte er an der Uni Freiburg und freut sich jetzt auf eine Verlängerung. Bis Ende Juli geht der Vertrag zunächst.

Ende Februar kommt Rafi wieder zurück nach Freiburg. Auch seine Freundin kommt dann aus den USA zu Besuch. "In Deutschland dürfen wir uns ja immerhin treffen", freut sich Rafi auf das Wiedersehen nach einigen Monaten. Sollte sein Visum für die USA nicht doch noch kommen, könnten sich die beiden auch vorstellen, erst einmal gemeinsam in Freiburg zu bleiben. Rafi möchte gerne als Englisch-Lehrer unterrichten.

Für Mair vom Englischen Seminar ist Rafis Situation ein drastisches Beispiel für ein allgemeines Problem: "Wir haben mehr internationale Studierende als je zuvor, und das ist gut so. Wenn es aber um Praktika oder Exkursionen nach Großbritannien oder in die USA geht, merken wir öfter, dass Studierende aus dem post-sowjetischen Raum, aus China und dem Nahen Osten enorme Probleme haben, ein Visum zu bekommen", sagt Mair. In diesen Fällen würde man mit Unterstützungsschreiben an Botschaften zumindest versuchen zu helfen.

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