Trocken und sicher

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum vielen neugekauften Lederwaren oder Elektrogeräten kleine Tütchen beigelegt sind? In diesen durchscheinenden Papierbeuteln sind kleine Kügelchen aus einem besonderen Glas, dem Silicagel. Diese können besonders effektiv Feuchtigkeit in sich aufnehmen.

Das Silicagel ist nichts anderes als Siliziumdioxid, also Glas. Es kommt bei seiner Herstellung unter hoher Temperatur und hohem Duck dazu, dass es zum Gel wird. Dabei fügen sich lange Silica-Ketten erst zu kleinen Tropfen zusammen. Das Ganze wird dann in Öl abgekühlt, wodurch sich aus den Tröpfchen die kleinen Kügelchen bilden. Mit bloßem Auge sehen die zwar glatt aus, sind aber in Wirklichkeit sehr porös.


Zwischen diesen Ketten sind viele mikroskopische Falten und Ritzen, die auf Wasser sehr anziehend wirken und dieses in sich aufnehmen. Dabei kann jedes Silica-Kügelchen, dessen innere Oberfläche bis zu 50 Quadratmeter betragen kann, bis zur Hälfte des eigenen Gewichts an Wasser aufsaugen. Das kann zwar jede Windel oder jedes Haushaltstuch besser, doch das Silicagel hat zwei entscheidende Vorteile. Der erste ist, dass das Wasser darin wirklich nur schwer wieder austritt und so die zu schützende Elektronik nicht bekleckert oder dem Leder Flecken beibringt.

Der zweite ist die Wiederverwertbarkeit: Bei einer Temperatur von 80°C kann es getrocknet werden und ohne Qualitätsverlust immer und immer wieder benutzt werden. Dabei zeigt eine blaue oder orange Indikatorchemikalie an, ob das Silicagel noch aufnahmefähig ist: Ist es voll, wird es blass.

Dass auf diesen Beutelchen steht, dass man sie nicht essen soll, liegt nicht daran, dass Silicagel giftig ist, sondern an der Saugfähigkeit. Ab einer gewissen Portion kann es zu starken Flüssigkeitsmangelerscheinungen kommen. Die Kügelchen aber purzeln nach gewisser Zeit auf natürlichem Weg ins Porzellan.