Trickski - von geschmackvoll bis in die Fresse

David Weigend

Yannick Labbé (27) aus Lörrach und Daniel Becker (29) aus Freiburg haben es geschafft. Von Südbaden nach Berlin, dort "Trickski" gegründet, aufgelegt, Lieder gemacht, Akrobatik auf der Tanzfläche ausgelöst. Am Samstag kehren die beiden heim - zu root down, wo sie sich einst kennenlernten. Ein Gespräch über das erste Mal und Berlin als Hauptstadt der Armen und Kreativen.



"Wenn wir bei root down gespielt haben, können wir auch aufhören. Dann haben wir alles erreicht", sagt Yannick. Fehlanzeige, jetzt geht's für die beiden Jungs von Trickski erst richtig los. Vor ihrem weihnachtlichen Heimkehrerset im Waldsee reden Yannick und Daniel bei fudder Klartext.


1. Das erste Mal

Daniel: "Das war bei der Fahrradkurierweltmeisterschaft in Freiburg. Ein miefiger Keller in der Innenstadt. Ich war 17, tierisch aufgeregt und hatte 50 Platten. Irgendwann habe ich Fela Kuti gespielt, da sind die Kuriere total ausgekreist und haben sich wahnsinnig gefreut."

2.Taste of Honey

Daniel: "So hieß eine Partyreihe im Waldsee, bei der ich mitgemacht habe. Auf die Flyer haben wir immer geschrieben, von welchem obskuren, vergessenen Sportler die jeweilige Party angeblich präsentiert wird: Norbert Nachtweih, Walter Röhrl, Dr. Reiner Klimke. War natürlich totaler Unfug. Zur Musik haben wir dann über einen Overheadprojektor meine Autogrammkarten von diesen Leuten projeziert. Lutz von der Lazer Posse hat HipHop aufgelegt und ich meine Musik. Da war ich 18, 19.



3.Berlin als DJ-Stadt

Daniel: "Nach dem Zivildienst bin ich nach Berlin gezogen. Ich habe Grafikdesign studiert, gerade mache ich mein Diplom. Über Rainer Trüby habe ich die  Mitglieder von Jazzanova kennengelernt. In diesem offenen Musikfeld gab es damals, 1998, noch nicht so viele. Erst habe ich mich aus Spaß mit Auflegen über Wasser gehalten. Richtig los ging es, als Yannick und ich mit Trickski Sachen produziert haben. Seit einem knappen Jahr haben wir bei Sonar Kollektiv ein eigenes Sublabel, es heißt Member of the Trick. In Berlin sind wir eigentlich gar nicht so gefragt. Eher international. Wir haben eine Zeitlang in Bars und kleinen Berliner Clubs aufgelegt. Darauf haben wir aber keinen Bock mehr."

Yannick: "Inzwischen ist es sicherlich hirnrissig, mit dem Vorsatz, DJ zu werden, nach Berlin zu gehen. Aber noch hirnrissiger wäre es gewesen, wenn ich es in Lörrach versucht hätte, mit Plattenauflegen Geld zu verdienen. Daniel und ich haben früh genug angefangen. Damals, Ende der Neunziger, war in Berlin noch nicht jeder DJ."

4. (Arme) Kreative als Trendsetter

Yannick: "Es gibt kaum eine andere Stadt, die in Sachen Clubkultur so stark ausstrahlt. Als in Berlin minimal in war, war es auf einmal überall in. Bei Elektroclash genauso. Und jetzt dasselbe mit Deep House. Die Stadt war schon immer anziehend für Arme und Kreative. Weil man hier günstiger leben kann, als im übrigen Deutschland. Und weil du hier ein unheimlich offenes Publikum hast für Musik und auch für Bildende Kunst. Berlin, Stadt der Armen und Kreativen, das ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Die armen Kreativen wollen kreative Superstars werden. Das spornt an."



5. Jobs

Yannick: "Ich habe in Berlin einen Europastudiengang gemacht, der heißt Frankreichstudien. Als Nebenjob mache ich Sounddesign, Vertonung von Werbefilmen. Daniel ist bei einer Grafikagentur. So langsam können wir aber vom Auflegen leben. Wenn es so weitergeht, in zwei, drei Monaten."

6.Gute Orte

Daniel: "Gute Orte sind für mich Clubs, in denen die Leute feiern und die Musik eine Rolle spielt. Es darf dort nicht so sein, als ob man irgend eine Mix-CD laufen lassen würde."

7. Einflüsse

Daniel: "Am Anfang der Berliner Zeit sicherlich der Sound des Sonar Kollektivs. Dann wurden House und Techno interessant. Und Queen. Als Kinder waren Yannick und ich dicke Queenfans. Bei Arrangement und Songaufbau sind Queen Top of the Pops. Wir lieben vor allem ihre absurden, unerwarteten Wechsel."



8. Trickski bei root down

Yannick: "Daniel und ich haben uns 1998 bei root down kennengelernt. Jetzt dürfen wir da auflegen. Danach steht uns wohl die Welt offen. Euch erwartet ein wilder Mix aus allen Spielarten des House, von ganz langsam bis tierisch schnell. Von geschmackvoll bis in die Fresse. Hauptsächlich elektronische Sachen, durchmischt mit ein paar obskuren 80er Sachen. Gegen drei oder vier werden die guten alten Platten ausgepackt, die einem am Herzen liegen. Dann geht die intime Party erst richtig los. Gemäß der heiligen Trickski-Dreifaltigkeit: Buckelpiste (auf die Fresse), Kür (Tanzen auf Schnee) und hohe Sprünge (Akrobatik). Die Akrobatik zeigt sich auf dem Floor, in Freiburg hoffentlich auch barfuß.



9. Aussichten

Yannick: "Silvester legen wir in Amsterdam auf. 2007 spielen wir in London und Bulgarien. Außerdem haben wir eine monatliche Residency in Mailand, sie wird "Member of the Trick" heißen. Aber wie gesagt, eigentlich haben wir mit root down schon alles erreicht."

Mehr dazu:

Was: root down mit Rainer Trüby und Trickski
Wann:
Samstag, 23. Dezember, 22 Uhr
Wo:
Waldsee, Freiburg

Hörprobe

movementz: 29calls (trickski remix)