TRAVIC: Das Freiburger Flightradar für Bus und Bahn

Konstantin Görlich

TRAVIC zeigt die Positionen von Bussen und Bahnen in aller Welt an. Und zwar live. Das sind sehr, sehr viele Busse und Bahnen. Gebaut hat das Tool Patrick Brosi aus Freiburg. Was das soll und was das ganze mit freien Daten zu tun hat:



Fudder-Leser kennen Patrick Brosi (27) bereits. Er steckt als Programmierer hinter dem Stadtbahntracker, der die Positionen der Freiburger Straßenbahnen und Busse live auf einer Karte anzeigt. Das ganze geht aber auch größer. Viel größer. Weltweit. Dann heißt es TRAVIC und ist ursprünglich als praktischer Teil seiner Masterarbeit zum Thema “Echtzeitvisualisierung von Fahrplandaten” entstanden.


Seit einem Jahr wird das Projekt bei geOps weiterentwickelt. Das Freiburger IT-Unternehmen stellt professionelle Karten und Apps für den öffentlichen Nahverkehr her, zum Beispiel die Karten auf sbb.ch. “TRAVIC ist das erste Tool, das Fahrplandaten in diesem Umfang darstellen kann, und nicht nur auf ein Unternehmen beschränkt ist”, sagt Patrick stolz.



240 Feeds von Verkehrsunternehmen aus Europa, den USA und etlichen weiteren Ländern sind es zur Zeit. In der größten Ansicht sind sie als bunte Punkte auf der Weltkarte verteilt. Zoomt man herein, tauchen erst die Fernverkehrszüge auf, und in der höchsten Stufe werden selbst Busse samt Linien und Haltestellen angezeigt. Und zwar in Tel Aviv genauso wie am Tuniberg. Beeindruckend.



Nicht alle Positionen sind live, sondern basieren “nur” auf den Fahrplandaten. Bei den Live-Daten übermittelt das Fahrzeug zusätzlich seine aktuelle Verspätung (oder Verfrühung), die dann in die Positionsberechnung mit einfließt. GPS-Positionsdaten wären zu datenintensiv und werden meist ohnehin nicht erfasst. Na klar, die meisten Züge können ihr Gleis ja eh nicht verlassen.

Es ist faszinierend, mit TRAVIC herumzuspielen, von Freiburg ausgehend verschiedene Städte anzuschauen. Wohin fährt der ICE, der gerade durch den Freiburger Süden donnert? Ein Klick verrät die Details: ICE 376 nach Frankfurt am Main. Etwas spät heute, was? Grand Central Terminal in New York? Grad nix los, mitten in der Nacht. In Paris hingegen munteres Gewusel von Bussen und Bahnen um Gare du Nord und de l’Est. Am unvollendeten BER-Flughafen in Berlin funktioniert immerhin schon die Bushaltestelle:



geOps-Chef Uli Müller (47) gibt zu: “Das hat etwas von Sim City. Neben dem kommerziellen Hintergrund macht mir der Tracker immer noch Spaß. Auch das Feedback auf Twitter, das wir aus aller Welt bekommen, ist toll. Das motiviert uns.” Dabei ist das ganze viel mehr als eine Spielerei, die zeigt, dass es möglich ist. TRAVIC ist ein hervorragendes Beispiel für das, was mit Open Data möglich ist.



Fast alle Daten, die das Tool anzeigt, sind frei verfügbar. Frei bedeutet hier nicht nur kostenlos, sondern offen: für die Allgemeinheit, die sie finanziert hat. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. “Viele Verkehrsbetriebe wehren sich erstmal, meist mit dem Argument, dass das alles viel zu komplex sei und sie die einzigen seien, die diese Daten verstehen und fehlerfrei interpretieren könnten”, sagt Uli Müller. Mit TRAVIC kann er den Gegenbeweis antreten.

Mehr dazu:

[Foto und Screenshots: Autor. Kartengrundlage: OpenStreetMap.org in TRAVIC]