Traum und Wirklichkeit: So spannend ist die Südsee-Ausstellung im Museum Natur und Mensch

Julia Stulberg

Urlaub in der Südsee – für viele ein Lebenstraum. Doch Südsee bedeutet nicht nur Paradies. Die Ausstellung "Südsee – Traum und Wirklichkeit" zeigt die Realität und welche Auswirkungen Globalisierung auf das Paradies hat.

Schon das Treppenhaus des Museums Natur und Mensch in der Gerberau 32 lässt vermuten, was die Besucher im zweiten Stock erwartet: eine Wand mit paradiesischem Ausblick auf die weiten des azurblauen Pazifik lenkt die Gedanken direkt in Richtung Traumurlaub. Doch der Tagtraum am Strand verblasst schon einige Treppenstufen später. Eine weitere Wand bildet Kinder im Müll ab. Eine subtile Einführung in die Thematik der Ausstellung – und ihren Zwiespalt: Südsee – Traum und Wirklichkeit.


Auf rund 200 Quadratmetern werden 57 ethnologische und 76 naturkundliche Objekte rund um das Thema Ozeanien ausgestellt. Sie beleuchten nicht nur die Geschichten und Kulturen Ozeaniens, die Bedeutung der Seefahrt und des Fischfangs, sondern auch Aspekte mit globalem Zusammenhang: Die Auswirkungen von Kolonialismus und Globalisierung, sowie Klimawandel und Vermüllung.

Meeresrauschen im Hintergrund. Eine Bootsfigur, ähnlicher eine Galionsfigur, begrüßt die Gäste im ersten Raum. Sie diente als Schutzpatron bei den Schiffsreisen der Völker Ozeaniens. Stabkarte, Schneckentrompete, ein Schiffsmodell. Vor azurblauen Wänden stehen Glasvitrinen mit Objekten zum Thema Schifffahrt und Fischfang – die Lebensgrundlage der Bewohner Ozeaniens.
Ozeanien

Ozeanien – oder auch Südsee – bezeichnet die perlschnurartig aneinander gereihten Inseln und Atolle von Mikronesien, Polynesien und Melanesien im Pazifischen Ozean. Die zahllosen Vulkaninseln nördlich und südlich von Australien werden oft auch als Pazifischer Feuerring bezeichnet und verfügen über eine hohe vulkanische Aktivitäten. Im 19. Jahrhundert waren große Teile des Gebiets Kolonien. Die letzten westliche Besitzungen bestehen noch bis heute.

Eine knapp zwei Meter hohe Müllskulptur steht Mitten im Raum. "Die große Faust" stellt die Faust des Meeres da, die sich gegen die Vermüllung des Ozeans erhebt. Dahinter: Flaschenpost aus der Südsee. Zwischen den Steinchen der Strandprobe verstecken sich unzählige bunte Plastikstückchen. Der paradiesische Traum ist nun vollends aus den Gedanken verschwunden. Das verursacht der eigene Konsum?

"Von Freiburg aus, ist es ein weiter Weg in die Südsee, doch unser Verhalten hier beeinflusst auch das Leben in Ozeanien." Leah Houy
Die Ausstellung wurde von der Museumsdirektorin Silke Stoll und den Ausstellungskuratorinnen Nicole Langmann-Burghart und Leah Houy konzipiert. Das ganze Museum deckt verschiedene Themenfelder ab. Die Hauptausstellung befindet sich im zweiten Stock des Museums – zwei Jahre Arbeit verteilt auf drei Räume. Kuratorin Leah Houy ist vor allem der Bezug zur Umwelt wichtig: "Von Freiburg aus, ist es ein weiter Weg in die Südsee, doch unser Verhalten hier beeinflusst auch das Leben in Ozeanien."

Das Erbe des Kolonialismus

Ein Großteil der ethnologischen Objekte kam schon nach Freiburg, als einige der Inseln noch eine deutsche Kolonie waren: Zwischen 1884 und 1914 unterhielt das Deutsche Reich pazifische Schutzgebiete. Der zweite Raum greift die Problematik des Kolonialismus auf. Die ausgestellten Objekte zeigen die ungleichen Machtverhältnisse. Rituelle Masken sind stumme Zeugen der Unterdrückung. Den richtigen Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus zu finden, ist problematisch. Steckbriefe von vier Sammlern hängen an den Wänden, hinterlassen ein mulmiges Gefühl. Die eigentlichen Eigentümer gaben die ausgestellten Objekte nicht immer freiwillig weiter.

Das Highlight: Palau Stempel

Die Inselnation Palau in Ozeanien reagiert ausgefallen auf den wachsenden Tourismus – mit einem Ökoschwur. Einreisende müssen eine Art Gelöbnis zum umweltfreundlichen Umgang unterzeichnen: in Form eines Passstempels. Als das Land diese Regel 2017 einführte, leistete es damit Pionierarbeit. Untermalt wird die Einreise mit einem Erklärvideo und einer Bitte wie die Touristen sich verhalten sollten. Das Video ist aus Sicht von Kindern gedreht worden. Im dritten Raum der Ausstellung können beide eingesehen werden.

Ein riesiges Thema auf kleinem Raum

Die Ausstellung Südsee trifft den Nerv der Zeit, verknüpft die koloniale Vergangenheit mit dem Hier und Jetzt. Das Leben in Freiburg mit dem Leben in Ozeanien. Unseren Plastikkonsum mit seinen Auswirkungen auf das Leben anderer. Stunden-, tage-, wochenlang könnten thematische Gespräche dauern, würde man in die Tiefe gehen. Doch das Museum Natur und Mensch bietet nicht genug Platz, um alles ausführlich darzustellen. "Die Themen rund um Ozeanien sind so vielfältig und zahlreich, dass wir nur einige von ihnen aufgreifen konnten", sagt Leah Houy.

Die Infotafeln neben den ausgestellten Objekten kratzen oft an der Oberfläche. Allerdings besuchen vor allem Familien und Schulklassen das Museum. Es soll nicht nur für die Großen, sondern auch für die Kleinen lehrreich sein. "Wir möchten Interesse an Kultur und Natur wecken, sodass sich unsere Gäste auch nach dem Ausstellungsbesuch weiter mit den Inhalten beschäftigen", erklärt Leah Houy. Zusätzlich werden einige Themen während der Ausstellung auf Facebook thematisiert.

Aktion: "Plastikfasten" im August

Unser Alltag ist derzeit geprägt von Umweltthemen: Vermeidung von Plastik, Umweltschutz und Naturschutz sind nicht mehr nur Gedanken weniger, sondern der breiten Masse. Auch das Museum Natur und Mensch greift das Thema auf: Über Facebook rufen sie zur Aktion Plastikfasten auf.

"Niemand muss perfekt sein. Aber jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, Plastikmüll zu vermeiden." Julia Habermann
Den ganzen August kann man so auf der Facebook-Seite des Naturkundemuseums seine persönlichen Strategien zur Vermeidung von Plastik in Bild-, Text- oder Videoform mit anderen teilen. Für Julia Habermann, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und das Thema Plastikfasten, bietet Facebook eine Plattform zum Austauschen: "Niemand muss perfekt sein. Aber jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, Plastikmüll zu vermeiden."

Es wirkt zwar anfänglich wie eine Marketingstrategie. Doch das Ziel macht den Unterschied: Das Thema Plastikfasten und der Austausch via Facebook regen Leser zum Nachdenken, gar Umdenken an. Und wenn das nicht das Team rund um die Ausstellung Südsee machen kann, wer sonst?


  • Was: Ausstellung Südsee – Traum und Wirklichkeit
  • Wo: Museum Natur und Mensch, Gerberau 32, 79098 Freiburg
  • Wann: 8. Juni 2019 – 2. Februar 2020
  • Öffnungszeiten: Di - So 10-17 Uhr
  • Eintritt: 5 Euro, 3 Euro ermäßigt, unter 18 Jahre und mit Museumspass frei