Totes Metall

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was mit den unbrennbaren Resten von Feuerbestattungen passiert? Das Verbrennen der Toten ist seit mehreren Jahrtausenden bekannt und heutzutage eine recht preiswerte Art der Bestattung. Doch in den hocheffektiven Öfen der Krematorien bleibt nicht immer nur Asche zurück, denn der Mensch legt sich meist im Laufe seines Lebens mehrere nichtorganische Ersatzteile zu.

Die Feuerbestattung ist in Deutschland sehr genau geregelt; so muss vor der Kremation noch eine extra Leichenschau durchgeführt werden, da eine spätere Exhumierung nicht möglich ist. Dabei wird meist schon das erste Ersatzteil entfernt: Die in manchen Herzschrittmachern enthaltenen Batterien wären beim Verbrennen eine zu hohe Explosionsgefahr und müssen getrennt entsorgt werden.


Der Sarg selber darf keine Schrauben, Nägel oder Griffe enthalten, sondern muss geleimt oder geklammert sein. In ihm ist außer der Leiche noch der unbrennbarer Schamottestein, dessen aufgeprägte Nummer später eine eindeutige Zuordnung zulässt. Im Ofen selber herrscht eine Hitze von 900-1000 °C, die nur durch die Zufuhr von heißer Luft aufrechterhalten wird.

Was dann am Ende der ungefähr 90-minütigen Verbrennungsprozedur und nach dem Abkühlen übrig bleibt, muss nochmal sortiert werden. Mit Magneten werden die Sargklammern, Nägel und Schrauben herausgefischt, der Rest wird gesiebt und, soweit möglich, zerkleinert. Das Zahngold, das bei diesen Temperaturen geschmolzen ist, wird ebenfalls aussortiert und von den meisten Krematorien für wohltätige Zwecke gespendet.

Die größeren Ersatzteile sind die Gelenkimplantate, meist von Hüften und Knien, und in der Regel aus Titan. Dessen Schmelzpunkt liegt deutlich über der Ofentemperatur, weshalb diese Metallteile den Verbrennungsvorgang mit einer leichten Rußschicht überstehen. Doch nimmt aus Pietätsgründen nicht jeder Schrotthändler die Implantate an, weshalb sie erst als Sondermüll behandelt und dann eingeschmolzen werden. Sondermüll nicht, weil sie irgendwie giftig wären, sondern weil sie mit Leichen in Berührung waren.