Tote-Hosen-Konzert: Koko entschuldigt sich für Chaos bei Bierverkauf

Simone Lutz & bz

"Absolute Frechheit", "unzumutbar" – so das Urteil vieler Fans der Toten Hosen zum Getränkeverkauf beim Konzert in Freiburg. Vor allem an den Zapfhähnen gab es Stress. Jetzt entschuldigte sich der Veranstalter für das Chaos.



"Eine absolute Frechheit", "unzumutbar", "extrem ineffektiv", "völlig überfordertes, dilettantisches Personal" – das sind verärgerte Reaktionen vieler Besucher auf das Chaos beim Getränkeverkauf während des Tote-Hosen-Konzertes am Samstag. Gäste mussten teilweise bis zu zwei Stunden anstehen, um sich ein Bier kaufen zu können. Marc Oßwald, Chef des Veranstalters Koko Entertainment, kündigte Konsequenzen an.


Vieles Organisatorische klappte bei diesem Großkonzert gut, aber eines ging gründlich daneben: der Getränkeausschank. Viel zu lange Wartezeiten und ahnungsloses Personal, so die Vorwürfe, vor allem auf Twitter und Facebook entlud sich der Frust. So schrieb etwa Stephan Nebelung auf der Hosen-Fanseite: "Super geiles Konzert. Danke an euch. Jetzt kommt das große ABER!!!!! 1 Stunde für Getränke anzustehen ist echt ein Armutszeugnis vom Veranstalter. Die Leute an der Getränkeausgabe hatten auf mich den Eindruck gemacht: Was ich heute kann besorgen, das verschiebe ich auf morgen...."

Und Veronika Gerspach schrieb auf Facebook: "Die Organisatoren sollten lieber die finger von so großen, tollen Konzerten lassen, wenn sie nicht fähig sind, diese auch zu bewirten! Oder wussten die vielleicht gar nicht, dass 50.000 durstige Mäuler bei 30 Grad was trinken wollen?

Nicht nur, dass alle Deckel auf Sprudel- und Colaflaschen entfernt werden mussten (eine Auflage der Tourneeproduktion), an den Bierzapfhähnen lief es aus 50-Liter-Fässern statt aus Biertanks viel zu langsam – nicht nur in den sozialen Medien entlud sich danach der Ärger vieler Besucher.

"Sie haben alle Recht", sagt Marc Oßwald, Chef von Koko Entertainment. "Wir als Veranstalter sind verantwortlich und können uns nur entschuldigen." Woran lag’s? "Ganz klar am Personal", so Oßwald. "Diese Leute hatten keine Erfahrung und waren nicht geeignet."

Besucher hatten moniert, dass Bedienungen die Zapfhähnen nicht laufen ließen, sondern immer wieder zudrehten, was die Bierausgabe extrem verzögerte. Auch nach Stunden hätten manche Kassierer die Preise noch nicht gewusst.

Es sei, sagt Oßwald, generell schwierig, für Veranstaltungen Personal zu finden. "Viele erfahrene Kräfte sind abgesprungen, weil sie inzwischen angemeldet werden müssen und keine Rechnungen mehr schreiben können." Deshalb habe Koko die Suche nach geeigneten Leuten an einen Personaldienstleister, die Freiburger Agentur Mehrpunkt, abgegeben. Doch schon während des Konzertes sei ihm klar geworden, dass der Getränkeverkauf aus dem Ruder lief – "aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen".

Nach seinen Angaben waren auf dem ganzen Gelände zehn große Bier- und Getränkezelte und fünf Außenanlagen mit insgesamt 138 Zapfstellen verteilt; 190 Leute seien als Bedienungen eingeteilt gewesen. "Logistisch hätte das reichen müssen", sagt Oßwald. "Aber wenn das Personal keine Erfahrung hat, geht es schief." Man habe dann irgendwann auf das Gedränge reagiert und die Tore aufgemacht, "damit sich die Leute wenigstens bei den Supermärkten und Tankstellen in der Nachbarschaft etwas kaufen können". Marc Oßwald: "Ich habe mich selbst sehr über dieses Chaos geärgert."

In Zukunft, kündigte Oßwald an, wolle man die komplette Logistik an einen Großcaterer abgeben. Es wäre theoretisch auch denkbar, Vereine mit dem Bierverkauf zu beauftragen, allerdings gebe es eine rechtliche Grauzone wegen der Sozialversicherungspflicht: "Bei Vereinsfesten schaut da niemand hin, bei kommerziellen Veranstaltungen schon."

Zu wenig Leute bei hohem Druck

Die Agentur Mehrpunkt bedauerte am Montag in einer Stellungnahme, dass "Konzertbesucher und Auftraggeber den Konzertabend im Bezug auf die Gastronomie nicht so genießen konnten, wie sie sich das wohl vorgestellt haben". Allerdings hat es nach Meinung der Geschäftsführer Petra Reutlinger, Nicolas Häbel sowie von Olaf Maier, der auch Chef der Gaststätte "Waldsee" ist, nicht am Personal gelegen: "Wir hatten erfahrene Kräfte aus unserem Jobberpool hinter den Theken. Allerdings hatten wir zu wenige Leute am Start, es hätten mehr sein müssen", so Petra Reutlinger.

Es habe von Anfang an enormer Druck auf dem Personal gelastet, den man am Abend nicht mehr habe abfangen können: "Die Leute sind reingestürmt und an die Theken." Die Agentur Mehrpunkt bekommt nach Oßwalds Angaben für jede Mannstunde von Koko 16,50 Euro. Laut Petra Reutlinger zahlt Mehrpunkt den Jobbern die in der Gastronomie üblichen Stundensätze.

Über die Jobbörse des Freiburger Studentenwerks wurden Mitte Juni und Anfang Juli noch Helfer und Thekenkräfte für das Hosen-Konzert gesucht. Als Stundenlohn wurde in dieser Stellenanzeige, die auch in der Nebenjob-Gruppe von fudder veröffentlicht wurde, 8 Euro pro Stunde angeboten.

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