Torten, Trauringe und Traumkleider: Auf der Hochzeitsmesse

Anna-Lena Zehendner

Wenn schon heiraten, dann richtig: Die Braut in weiß, die Ringe selbst gestaltet, ein Rudel Brautjungfern, schicke Gäste, ein Hochzeitsfotograf der alles festhält und Miettauben, die nach der Trauung eine Runde über den Rathausplatz fliegen. Heiraten ist in. Am vergangenen Wochenende fand in der Messe Freiburg die Hochzeitsmesse "Trau" statt. Der Veranstalter verspricht: "Ein Paradies für Brautleute." Anna-Lena war auf Kontrollbesuch.

Der Parkplatz vor dem Messegelände ist gut gefüllt. Trotz oder gerade wegen dem Regenwetter scheint es viele Hochzeitswütige am Sonntag auf die „Trau“-Messe in die Messe Freiburg zu ziehen. Vom Regen in die Traufe?


Auf insgesamt 4.000 Quadratmetern warten 130 Aussteller darauf, das passende Kleid, die richtige Deko und das perfekte Essen für "den unvergesslichsten Tag im Leben" an die Frau und ein bisschen auch an den Mann zu bringen.

Yvonne und Thomas (Bild rechts), beide 30 Jahre alt, wollen hier vor allem Inspirationen für ihre Hochzeit finden.  „Wir haben uns schon informiert, welche Örtlichkeiten im Markgräflerland schön sind, um eine Hochzeit zu feiern“, sagt Thomas. „Und dazu wollen wir auf der Messe noch etwas mehr Inspirationen und Informationen bekommen.“

Heiraten wollen die beiden dieses Jahr im Herbst. Einen romantischen Antrag habe es jedoch nicht gegeben.  „Das war alles sehr sachlich“, sagt Yvonne.

Für pragmatische Menschen ist eine Hochzeitsmesse - zumindest auf den ersten Blick - nicht der richtige Ort. Schon im Eingangsbereich spielt und singt ein Alleinunterhalter zu eindringlichem Synthesizer-Sound und bedient  alle Klischees seines Metiers. Nur wenige Meter weiter stehen mehrstöckige und herzförmige Hochzeitstorten und wieder ein paar Schritte weiter gibt die nächste Band ihr Party-Repertoire zum Besten. Augen zu und durch - ist schließlich erst die Vorhalle.

In der Haupthalle wird es weiß. Satin, Seide und Chiffon, wohin man schaut. Die Hochzeitskleider warten sorgfältig sortiert auf ihre Braut. Einige auserlesene Stücke sind an Puppen ausgestellt und wieder andere werden von Models an schlanken Körpern präsentiert. Die Bald-Ehefrauen lassen ihre Männer nicht aus den Augen. Am besten feste einhaken. Oder selbst gleich einen Traum in Weiß überziehen. Sabine, 28 Jahre, hat genau das vor.

Zusammen mit ihrer besten Freundin hat sie einige Kleider ausgewählt, die sie hier und jetzt anprobieren möchte. „Ich mag es, wenn der obere Teil des Kleides mit Pailletten bestickt ist“, sagt sie und strahlt.  Auf die Frage, wo denn ihr Mann sei, sagt Sabine: „Der schaut sich hier mit seinem Freund nach einem passenden Outfit um. Schließlich darf er nicht sehen, wie mein Hochzeitskleid aussehen wird.“

Richtig entspannt wirken die meisten Männer nur an einem der Catering-Stände: Passende Weine zu probieren macht schließlich mehr Spaß als Anzüge.

Das üppige Angebot an Brautkleidern wird dicht gefolgt von den Juwelier-Ständen. Silber, Gold oder Weißgold? Mit Stein oder ohne? Vielleicht sogar eigene, extravagante Trauringe anfertigen lassen? Nichts scheint unmöglich, solange der Geldbeutel mitspielt.

Dass eine Hochzeit eine recht kostspielige Angelegenheit ist, müssen auch Sabrina, 21 Jahre, und Sascha, 23 Jahre, feststellen. Seit zwei Monaten sind die beiden verlobt, geheiratet wird 2012. „Der Antrag war für mich ziemlich spannend“, erinnert sich Sascha. „Denn sie hat ihn mir gemacht und ich hatte es überhaupt nicht erwartet.“ Die frisch Verlobten wollen auf der Hochzeitsmesse herausfinden, was man für eine Hochzeit überhaupt alles braucht.

Und das ist - suggeriert die Veranstaltung - eine ganze Menge. Neben Outfits, Ringen, Location und Essen gibt es tausend weitere Kleinigkeiten" Blumenschmuck, Einladungen, Geschenkelisten, Fotos und natürlich die anschließende Hochzeitsreise. Für alles gibt es passende Anbieter, logisch.

Frank Roskam ist seit 10 Jahren Kameramann. Er ist Gründer und Firmeninhaber von Trau TV. „Wir begleiten die Feier komplett oder wahlweise auch nur in der Kirche, auf dem Standesamt oder der anschließenden Feier." An seinem Stand werden den potentiellen Hauptdarstellern auf vier Apple-Monitoren einige Filmausschnitte von Hochzeiten vorgeführt. 

„Der Film wird von uns so zusammengestellt, dass er am Ende etwa Spielfilmlänge hat, also zwischen 60 und 90 Minuten. Das Brautpaar bekommt aber auch Fotos und das komplette Rohmaterial.“ So kann man sich den schönsten Tag im Leben immer wieder ansehen und sicher gehen, dass man alles richtig gemacht hat. Immerhin eine Investition, von der man noch lange etwas hat.

Heute ist die Hochzeitsmesse schon wieder vorbei. Das Überangebot mag ein Paradies für motivierte Brautleute sein, die schon seit ihrer Kindheit von einer Märchenhochzeit träumen. Frauen haben vielleicht ein passendes Kleid gefunden, Männer möglicherweise den richtigen Wein zur Hauptspeise. Andere haben sich wohl nur inspirieren lassen und sind mit einer Tüte voller Flyer wieder nach Hause gefahren.

Wieder anderen mag die Lust am Heiraten vergangen sein.

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