Torfiger Hochgenuß: Whisky-Tasting im Schlappen

David Harnasch

Im Schlappen wurde in dieser Woche harter Alkohol mit profundem Wissen gemischt: Beim Whisky-Tasting lernen Anfänger wie Leberzirrhotiker Neues über den schottischen Exportschlager.

   Man darf sich Walter Schobert (Bild unten) als glücklichen Menschen vorstellen. Schon als Teenager entdeckte er seine Liebe zum Whisky und ist nun, mittlerweile emeritiert, in der beneidenswerten Situation, sein Leben komplett um dieses Hobby zu orientieren. Drei Monate verbringt er jährlich auf Reisen und hält Vorträge, das restliche Dreivierteljahr lebt er in Schottland, wo er für die eigene Zeitschrift schreibt und seine kleine Hausbrauereibetreibt.


Sein Publikum in Freiburg besteht am ersten Abend aus etwa 30 Mann, ganze drei Frauen haben sich ebenfalls in den hinteren Raum des Schlappen verirrt. Zu trinken gab es „Woodford Reserve“, achtzehnjährigen „Dewar’s Blended“, fünfzehnjährigen „Dewar’s Blended Malt“, zwölfjährigen „Aberfeldy“, zehnjährigen „Isle of Jura“ und als Krönung einen fünfzehnjährigen „Laphroaigh“. Kennern läuft das Wasser im Mund zusammen, Anfänger freuen sich über den Hinweis, dass man diese Namen – abgesehen vom amerikanischen Woodford – einfach so ausspricht, als wären sie deutsch.

Am Woodford erklärt Schobert seinem noch nüchternen Publikum, wieso amerikanischer Whiskey für Kenner – natürlich – indiskutabel ist (zu „sauberer“ Brennvorgang, Mais als Ausgangsmaterial) und erzählt von seinen Reisen. „Die Jack-Daniels-Destillerie ist wunderschön, sieht genau so aus wie in der Werbung. Die haben auch im weiten Umkreis alles aufgekauft, die Leute, die da so malerisch auf ihrer Veranda im Schaukelstuhl sitzen, werden natürlich fürs schaukeln bezahlt. Ein Scheißjob übrigens, denn wegen der Prohibition, die am Ort noch gilt, dürfen sie derweil ja keinen Whisk(e)y trinken!“ Ansonsten sei US-Whiskey bestenfalls für die vielgeschmähte Whiskey-Cola („Die arme Cola!“) akezptabel.



Im lockeren Vortrag und mit vielen unterhaltsamen Anekdoten erfährt das Publikum, was es mit „Blended“ (gemischt aus verschiedenen Grund-Whiskys aus Malz und Getreide, konstanter Geschmack), „Blended Malt“ (gemischt aus verschiedenen reinen Malz-Whiskys) und zuletzt „Single Malt“ auf sich hat. Zur Halbzeit gibt es Pizza und Flammkuchen, zwischen den einzelnen Marken Wasser und Baguette als „Löschpapier“.

Wer bei Whisky die beschriebenen Aromen nicht herauszuriechen vermag, erfährt Absolution vom Professor: Über 40% Alkoholgehalt erschlagen die Nase, wer das Getränk olfaktorisch würdigen möchte, muss verdünnen! Für den „torfigsten“ der Test-Whiskys gilt das allerdings nicht, der „Laphroaig“ riecht auch unverdünnt schon gruselig nach nassem Küchenlappen – für den Banausen widerlich, dem Experten angeblich ein Hochgenuss! Wer wissen möchte, wieso eine Leiche im Fass den Geschmack optimiert, wie genau der erste Werbespot der Filmgeschichte aussah und wie man seinen höchstpersönlichen, eigenen „Blend“ macht, muss sich beeilen: Die Veranstaltungen am Mittwoch und Donnerstag waren bereits ausverkauft, für den Samstagabend im Hotel Rheingold kann man noch Karten beim Zigarrenhaus Freytag in der Rathausgasse erwerben.



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