Topmodel Fiona Erdmann: Germany's next Udo Lattek

Christoph Ries

Was kommt dabei heraus, wenn eine Teilnehmerin von Germany's Next Topmodel über Fußball spricht? Fiona Erdmann, selbsternannte Model-Zicke, hat ihren eigenen Bundesliga-Podcast gestartet. Einmal Fremdschämen mit Christoph, bitte.



Zwei Fragen stellen sich. Erstens: Darf das verhinderte Topmodel Fiona Erdmann einen Videopodcast über die Bundesliga moderieren? Eindeutige Antwort: Ja! Was die digitale Weiterverbreitung von Videos angeht, gilt für Fiona dasselbe, wie für jeden anderen: Jeder darf alles, was nicht verleumdet, andere erbrechen lässt oder Kriege auslöst.


Die zweite Frage ist schon etwas diffiziler: Hat Fiona auch die journalistische Kompetenz, zwei Minuten vierzig über das Geschäft Fußball zu berichten? Gleich zu Beginn ihrer neuen Videokolumne „Das kickt!“ auf dem Newsportal zoomer.de fragt sie die Unterlippe klummig verziehend: „Was macht Fiona denn bitteschön als Fußballkolumnistin? Die hat doch davon überhaupt keine Ahnung!“ Wir erfahren: Das ist ein Irrtum. Fiona verfolgt die Bundesliga, hat sogar eine Mädchenmannschaft trainiert. Sie macht den Eindruck, als könne sie Abseits und Tofiq Bakhramov fehlerfrei aussprechen.

Dann aber folgt, was Fußballfans den Fanschal enger um die Luftröhre schnallen lässt. Mit einer grinsend-affektierten Überleitung „Und-damit-fange-ich-direkt-mal-an“ schlittert die katastrophal in Szene gesetzte Ballexpertin in die „neusten News der Bundesliga“.

Top 1: Der Bänderriss von HSV-Spieler van der Vaart vom HSV. Der, der sich „jetzt ganz ganz arg verletzt hat“ und vom den sich Fiona wünscht, dass er „ganz ganz schnell wieder gesund wird“, damit er für das „ganz ganz wichtige Spiel gegen Bochum“ (sic!) wieder fit ist. Schon hier will man aufschreien, das eigene Haar auf Kragenhöhe scheiteln und wimmernd Ernst Huberty fordern.



Dann verrät die glucksende Analysefee: Auch Ronaldo hat sich verletzt! Eine Meldung, die die Mädchentrainerin mit Lattek’scher Genialität als „Is ja nix Neues“ enttarnt. Aber – Oh, Wunder der Medizin – jetzt hat er sich "irgendwie ganz neu verletzt!" Was Fiona dann sagt, sollte man einfach mal so wirken lassen: „Und das ist nicht sehr gut, weil sich der Ronaldo gerade neu beweisen wollte und jetzt kann er dat nicht!“

Für einen winzigen Augenblick ist das Model sarkastisch, als sie über den Rauswurf von Timothee Atouba („ganz ganz böser Schlawiner“) spricht. Da sagt sie: „Da sieht man mal, dass alle Bösen bestraft werden. Also bleibt lieb da draußen!“ Dann lacht sie, wirft die Strähnchen nach hinten, und alles klingt wieder so doof, dass man schreien möchte.

Wie großartig wäre wohl der Kommentar eines ironischen Models, das die affige Bundesligawelt aus Sicht der affigen Modewelt persifliert? So großartig wie der Weltpokal wahrscheinlich. Stattdessen schlawinert Fiona so grauenhaft durch den Fußballticker, dass man die Macher von Zoomer fragen muss, ob sie es ernst meinen mit der bedauernswerten Frau. Andererseits: In einer Welt, in der Udo Lattek keinen exklusiven Modelvertrag besitzt, muss wohl auch erlaubt sein, dass sich eine Fiona zum Spieltag äußert.

Top 5 der User-Kommentare zu Fiona

  • Frau Beckham: Nein Fiona, die Frage " warum du Fusballsachen kommentierst", stellt sich für mich überhaupt nicht! Ich stelle mir eher die Frage, ob die Macher von Zoomer, dich für sooo wichtig halten, dass sie dir direkt eine Videokolumne gegeben haben!
  • neuling: Was nicht ist, kann ja noch werden. Aber für eine junge Zielgruppe muss man nicht reden wie ein Kleinkind.
  • blockbuster: (Fiona) sieht auf jeden Fall besser aus als Beckmann und Kerner zusammen (...) und wenn man mal hinhört, was sie sagt, isses auch nicht ganz dummes Zeug.
  • benson: Es hat schon seinen Sinn, dass "Supermodels" abgelichtet werden und nicht reden sollen, aber sie hier auch noch mit so vielen technischen Unzulänglichkeiten vorzuführen ist fast schon unfair. (...) Und selbst wenn es Satire sein sollte, horizontale Tapetenstreifen machen noch lange keinen Ehrensenf.
  • Mini: Ich kann die Herren Beckmann und Co. einfach nicht mehr sehen und ich freue mich über mutigen, motivierten Nachwuchs. Fiona, das packst Du!

Mehr dazu:


Web: Das kickt! -
Fionas Kolumne auf zoomer.de