Tischmanieren im Handumdrehen

Lucas von Bothmer

Nach Sebastian Deislers WM-Aus sahen sich zwei seiner Lörracher F-Jugend-Kameraden in der Pflicht, zu Ehrenrettung ihres kleinen Ortes beizutragen. Was aber tun, wenn nicht einmal mehr Filigrantechniker Mehmet Scholl in Klinsis Kader berücksichtigt wird? Ganz einfach, nix wie hin zu den Freiburger Kicker-Meisterschaften. Quasi "im Handumdrehen" brachten Kai Huber und Jonas Baumann heute Teilnehmern aus ganz Baden-Würtemberg "Tischmanieren" bei.



Das Reglement dabei war denkbar einfach: Fünfzehn Teams, bestehend aus je zwei Athleten, wurden in drei Gruppen unterteilt. Dort hatten jeweils die ersten beiden jeder Gruppe, sowie die beiden besten Gruppendritten, die Chance in der K.O.-Runde anzutreten. Cheforganisator Dirk König, der bei der Zeitschrift "UNICUM" arbeitet, hatte eigens dafür gesorgt, dass neben den von einer Bielefelder Tiefkühlkostfirma gesponserten Schinkenbaguettes auch einige weibliche Grazien den zumeist männlichen Teilnehmern den Hochleistungssport erleichterten. Besonders stolz war König, durch und durch professioneller Chef-Administrator des Championats, auf seine "Boxenluder", wie er uns wissen ließ.Sage und schreibe vier Schiedsrichter leiteten das Sportereignis, an dem "Kickerer" - so nennen sich die Athleten vorzugsweise selbst - aus Karlsruhe, München, Konstanz und natürlich der Breisgau-Metropole teilnahmen. Dem Sieger der lokalen Vorausscheidung heute wank eine Reise zum Finale am achten Juni in Berlin, nebst Spesenvergütung sowie nicht weniger als vierzig Tiefkühlbaguettes besagter Bielefelder Feinkost-Manufaktur.




Genug Gründe also für alle Kombattanten, sich richtig ins Zeug zu legen. Und überhaupt kein Grund also für Baumann, den 23-jährigen Grundschullehrer in Spe, sowie seinen kampferprobten Partner Huber, den es mittlerweile zum Maschinenbaustudium nach Karlsruhe verschlagen hat, hier heute irgendetwas anbrennen zu lassen. Nur eine Niederlage in der Vorrunde haben die beiden in der Vorrunde hinnehmen müssen. Warum, das erfahrt ihr hier. Denn wir haben die Möglichkeit erhalten, die Rächer des Sebastian Deisler, die privat eigentlich gar nicht so allürenhaft auftreten, wie es einen dieser enorm souveräne Erfolg glauben macht, im Exklusivinterview nach den Geheimnissen wahrer Lässigkeit zu befragen.

Was geht in euch vor, nach diesem Triumph?

Jonas Baumann: Ich muss ehrlich sagen, das kam alles sehr überraschend, ich hab mich nicht einmal selbst angemeldet, bin unvorbereitet in das Turnier gegangen. Dann haben wir das erste Spiel zwar gewonnen, das zweite jedoch verloren, so dass ich mich beim Ehrgeiz gepackt fühlte. Als wir die Mannschaft, die uns diese empfindliche Niederlage beigebracht hat, dann im Halbfinale geschlagen hatten, wussten wir, hier ist heute was drin für uns. Dass es am Ende knapp gereicht hat, erfüllt uns aber auf jeden Fall mit großem Stolz.

Was war heute entscheidend, technische Finesse, oder mannschaftliche Geschlossenheit?

Kai Huber: Definitiv beides. Als Team sind wir natürlich unschlagbar, aber auch als Einzelspieler herausragend, technisch versiert. Aber entscheidend war, dass wir eine echte Einheit waren, im Gegensatz zu unseren Gegnern, die einfach nicht gut miteinander harmoniert haben.

Ist Tischfußball, wie sein großer Bruder der Fußball ein roter Faden durch alle Schichten der Gesellschaft, oder handelt es sich, wie der Name "Tischfußball" schon sagt, um einen Elitensport?

Baumann: Jeder, der Tischfußball spielt, ist auch an Fußball interessiert. Er ist ganz sicher ein gesellschaftsschichten-übergreifendes Phänomen, ich habe schon unendlich oft gemeinsam mit Leuten meinen Mann gestanden, die kein Abi hatten, oder aus sozial schwierigen Verhältnissen stammen.

Oliver Kahn hat kürzlich verlautbaren lassen, dass es viel schwieriger sei, sich an der Spitze zu halten, als dorthin zu gelangen. Was gedenkt ihr nach diesem Triumph gegen das Dilemma des Titanen auszurichten?

Huber: Der Sieg heute war unerwartet, wir versuchen aber auch in Berlin nach oben zu gelangen, was ein hartes Stück werden wird. Wir haben es dort mit den Besten der Besten zu tun, exzellente Kickerer, die nur darauf warten, sich die WM-Karten, die der Sieger bekommt, unter den Nagel zu reißen. Das heißt wir schauen zunächst, wie wir nach ganz oben kommen, um diese Frage dann zu beantworten, wenn sie sich tatsächlich stellt.

In Zeiten, in denen Laktat-Test und Halbmarathon gewissermaßen zum guten Ton gehören, werdet ihr als Leistungssportler es heute Abend dennoch richtig krachen lassen?

Baumann: Da wir uns heute so verausgabt- und alles gegeben haben, die Erleichterung grenzenlos ist, werden wir heute Abend richtig einen drauf machen, gar keine Frage!