Tischfußball: Die Südbadische Meisterschaft in Müllheim

Konstantin Görlich

Randsport? Kneipenvergnügen? Nicht ganz: Tischfußball wird als echter Sport betrieben. Kürzlich fand die Südbadische Meisterschaft in Müllheim statt - unter reger Beteiligung aus Freiburg. fudder-Autor Konstantin Görlich war da:



Ein Septemberwochenende in der Mehrzweckhalle in Müllheim-Vögisheim: An 18 Kickertischen spielen über 150 Spielerinnen und Spieler spielen Tischkicker. Die meisten Spieler tragen Sportbekleidung, oft auch Team-Trikots. Sie sind in der Mehrheit männlich, um die dreißig, einige haben Tattoos.

Sie sind aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland angereist - und aus Freiburg, wo es eine lebendige Tischfußballszene gibt. Dazu gehört Sarah Schwarzkopf (links). Sie spielt nicht nur mit, sondern hat das ganze auch mitorganisiert, denn die 30-jährige Doktorandin ist im Vorstand vom TFVS - dem Tischfußballverein Südbaden mit um die 150 Mitgliedern und 10 Kreisligamannschaften.



Ebenfalls aus Freiburg da: Etliche Bundesligaspieler und ein leibhaftiger Weltmeister. Und dazwischen Sarah mit ihrem Team 'Planlos im Eimer' - benannt nach der Kneipe in der Belfortstraße, in der sich das Team zusammenfand. Obwohl sie in der Kreisliga spielen, treten sie als Neulinge an. "Amateur sein heißt schon was."

5000 Euro Preisgeld sind bei der südbadischen Tischfußball-Meisterschaft garantiert gewesen, verteilt über 14 Disziplinen. Es war die erste Südbadische Meisterschaft, die als offizielles Players 4 Players-Turnier ausgetragen wurde. Damit fließenden die hier gemachten Punkte in die bundesweite Rangliste ein.



In der Halle herrscht gespannte Turnieratmosphäre, fast wie bei einer LAN-Party. Spannung liegt in der Luft - und Schweißgeruch. Immer wieder gibt es einen lauten Knall, gefolgt von einem kernigen 'YESSS' - Tor! Über Lautsprecher ruft die Turnierleitung ständig Teams oder Einzelspieler an die Tische. Viele Disziplinen - Einzel und Doppel, Mixed, Neulinge, Pro-Am und dergleichen - werden parallel ausgetragen. An zwei Notebooks können die Spieler schauen, wann sie wieder dran sind, und ob Zeit für eine Grillwurst bleibt.

Über einem der Tische ist eine Kamera angebracht, ihr Livebild läuft auf einem Großbildschirm. Hier finden die Finalspiele statt, um die sich eine Zuschauertraube bildet. Alkohol trinkt im Turnier fast keiner der Spieler - und natürlich gibt es eine Anti-Doping-Kommission, die es vorwiegend auf Amphetamine und Koks abgesehen hat. Adrenalin ist jedoch völlig legal und reichlich vorhanden. Zum Streit kommt es allerdings fast nie.



Viele Spieler sind in Kneipen oder Jugendräumen zum Kickern gekommen sind - und hatten irgendwann die Erkenntnis, mit etwas Überlegung und Übung einzelner Abläufe ihr Spiel merklich verbessern zu können. "Bei mir war das erste Erfolgserlebnis das Spiel über die Bande", sagt Sarah. "Und der Pin-Shot!" Das ist eine Abroll-Technik aus der Hand, die sehr schnelle, aber auch präzise Schüsse ermöglicht. "Es gibt noch schnellere Techniken, die sind aber nicht so präzise."

So schnell ist die Grenze vom Kneipenvergnügen zum Kneipensport überschritten. "Gerade zu Beginn macht man schnell Fortschritte, das motiviert und spornt an. Für die Kreisliga reichen schon zehn Minuten Training pro Tag," sagt Teamkollege Simon Querfurth (im Bild oben rechts). Der 26-jährige Restaurantfachmann-Azubi rät Interessierten, auch in der Kneipe einfach zu fragen, ob man mitspielen kann. "Die meisten Spieler zeigen gerne ein paar Tricks."

Bis zum Turniersport ist es dann aber noch ein weiter Weg. Was ein guter Spieler braucht? "Es gibt Leute, die sind technisch gut und es gibt Leute, die haben Spielintelligenz. Wenige haben beides", sagt Sarah. "Die Technik kann man lernen. Das kann sehr viel Zeit alleine am Tisch bedeuten. Und mit der Zeit sieht man auch, wo Lücken sind, in die man spielen kann und kann antizipieren, wie der Gegner sich bewegen wird."

Sie spielt meistens in der Verteidigung. Wie verhindert man Tore? "Indem man sich bewegt. Das Tor ist so breit wie fünf Spielfiguren. Also kann man versuchen, zwei dieser 'Spuren' abzudecken. Dann muss der Gegner schon sehr präzise schießen."

Die 'Jet' genannte Technik, bei der der Griff erst mit dem Unterarm geführt und dann mit einer ruckartigen Bewegung nach oben der Ball mit Urgewalt nach vorne abgefeuert wird, beherrschen beide noch nicht. Sie ist bei einigen Spielern zu sehen - wegen der Geschwindigkeit eigentlich nur zu erahnen - die sich dazu ein spezielles Band nicht nur um den Griff sondern auch um den eigenen Unterarm wickeln. Die spielen buchstäblich in einer ganz anderen Liga.



Mit Kneipenkickerei hat das nichts mehr zu tun, denn da ist Alltag, was hier als Foul geahndet wird: Den Tisch mit der Stange seitlich anstoßen und vor allem das Überdrehen. 360 Grad vor und nach dem Schuss sind erlaubt, mehr nicht. Außerdem darf der Ball nur wenige Sekunden in einer Reihe gehalten werden, vor einem Pass in eine andere Reihe muss er innerhalb der Reihe abgegeben werden. Außerdem darf man nicht reden - außerhalb der zwei Timeouts - und natürlich nicht den Gegner ablenken. Dennoch geht es fair zu: Ein Schiri wird im Turnier erst an den Tisch beordert, wenn es Streitigkeiten gibt.

Als Sarah auch noch aus der letzten Disziplin ausscheidet, hat sie trotzdem den einen oder anderen Achtungserfolg vorzuweisen: Etliche gewonnene Sätze gegen viel viel bessere Spieler.

"Schade, dass das in keiner Statistik auftaucht." Eine Pause vom Kickern gönnt sie sich trotz eines anstrengenden Wochenendes nicht. Schon am Montag danach startete mit großem Erfolg ihre Kicker-Kneipen-Tour: Ein Kickerturnier für jederman und -frau in fünf Freiburger Kneipen (am heutigen Montag im Puzzles) nach dem Modus "Monster-DYP", bei dem man in jedem Spiel einen neuen Partner zugelost bekommt. Startgeld: Ein Euro. Qualifikationen: Keine.

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Fotos: Konstantin Görlich


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