Tipps für den Frühjahrsputz

Claudia Füßler

Seit drei Jahren finanziert sich Anna Blattner ihr Studium mit Putzjobs in privaten Haushalten. Während sie anfangs noch Mamas Rat per Telefon einholte, kann die 24-jährige Germanistik- und Geschichtsstudentin inzwischen Staubsaugermarken nach Qualität unterscheiden und kokettiert damit, dass sie sich "Putze" nennt. Claudia Füßler hat sie Kniffe für den Frühjahrsputz verraten.



"Nachteile? Hmm.“ Anna  nippt an ihrer Cola und überlegt. „Ich kann in Jogginghosen  zur Arbeit kommen und laut Musik hören – das ist ganz klar ein Vorteil. Ich kann Urlaub machen, wann ich will –  find’ ich prima. Ich hab keinen Chef, der mir sagt, was ich wie tun soll –  ein Pluspunkt. Das Geld stimmt auch. Also ganz ehrlich, ich kann da keinen Nachteil erkennen.“ Hier ihre Tipps für eine blitzsaubere Wohnung.


Küche

Grundregel Nummer eins, die nicht nur für die Küche gilt: Immer von oben nach unten putzen. Sonst fliegt der Dreck auf den bereits sauberen Boden. Grundregel Nummer zwei: In das Handwerkszeug investieren. Gerade schmal budgetierte Studentenhaushalte schrecken nach dem Motto „Lappen ist Lappen“ vor der Anschaffung hochwertiger Putzutensilien zurück. Doch es lohnt sich.

„Ich war selber ganz erstaunt, was es für einen Unterschied macht, ob ich mit einem Microfasertuch putze oder eben nicht“, sagt Putzfee Anna. Die seien zwar ein bisschen teurer als einfache Reinigungstücher, „aber damit geht der Dreck viel leichter ab“. Bedeutet also einen Zeitgewinn für den armen Tropf, der  Küchendienst hat.

Microfasertücher  eignen sich prima für die Fronten der Schränke und Fliesen.  „In der Küche verwende ich außerdem einen speziellen Fettlöser. Dann schmiert es nicht so“, erklärt Anna. Und den gibt es auch in der Variante „billig und wirkungsvoll“. Für den Rest der Küche empfiehlt Anna, nicht nullachtfuffzehn alles mit einem Reiniger zu putzen, sondern die entsprechenden Mittel  zu kaufen: Backofenreiniger für den Ofen, Ceranfeldreiniger für die Herdplatte, Fugenreiniger für die Fliesenzwischenräume. „Das macht  Sinn, weil die eigens für diesen Zweck hergestellt sind, alles andere kostet viel zu viel Zeit“, sagt Anna.

Bad

Hier wird Grundregel Nummer eins gleich mal gebrochen: Anna saugt zuerst einmal quer durch. „Im Bad liegen auf dem Boden besonders viel Haare und Staub. Wenn man das nicht vorab beseitigt, gibt das später beim Putzen einen ekligen Matsch.“

Durch die mehr oder weniger großen Nasszellen arbeitet man sich am besten mit einem ganz normalen Badreiniger und dem Microfasertuch, nicht jedoch, ohne bestimmten Örtlichkeiten besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Da wäre, richtig, das Klo. Anna rät zur klassischen Variante: Reiniger rein, einwirken lassen, mit der Klobürste  durchschrubben. „Das beherrscht  jeder.

Viel stiefmütterlicher aber wird zum Beispiel der Klofuß behandelt“, sagt Anna.  Das ist dieses monströse Teil, das die Toilettenschüssel mit dem Boden verbindet.  Die meist fies kleinen Ecken zwischen Klofuß und Wand sind  Wollmausparadiese. Auch der Klofuß selber nimmt ein feuchtes Abwischen nicht übel. Gleiches gilt für das Überlaufloch im Waschbecken, an dem sich mit der Zeit ein herrlich schwarzer Rand absetzt. Erfolgsgefühl beim Drüberwischen!

Ebenfalls was für Könner: Abflussreiniger prophylaktisch verwenden, nicht erst dann, wenn eh nichts mehr fließt.

Zur Grundausstattung einer Putzfee, auch der männlichen, gehört unbedingt ein Fensterleder. Das ist nämlich nicht nur bei  Spiegel und  Fenstern –„Das mach’ ich wie meine Omi: Die Scheiben mit heißem Spüliwasser ordentlich einseifen und dann mit einem Fenstertuch oder -leder putzen“ –, sondern auch   bei Armaturen eine große Hilfe.

Werden die nach dem Reinigen mit einem Fensterleder poliert, halten sich die hässlichen Kalk- und Wasserflecken noch eine Weile zurück. „Und bloß keinen groben Schwamm nehmen für Wasserhahn und Dusche, am besten ein Tuch oder die weiche Schwammseite“, rät Anna.

Vom  sogenannten Wannenhandschuh ist sie nicht überzeugt. „Der hat sich nicht bewährt, weil er Fasern verliert.“ Annas Tipp für angekündigte Mamabesuche: Mit dem Glasreiniger einmal komplett über alle Fliesen  wischen. Strahlkraft pur.

Wohn- und Schlafzimmer

Zuerst Geld ausgeben. Und zwar für Staubtücher. „Die gibt es schon ab 1 Euro für 20 Stück, und sie sind wahnsinnig praktisch“, schwärmt Anna. Ganz bequem kann man damit Bücherregale, Porzellanschweinchensammlungen und Computertastaturen von  Staubschichten befreien.

Ist oben alles sauber, ran an die Böden. Teppichboden ist schnell gesaugt,  für  alle anderen gilt: Teppiche  ausschütteln, den Boden saugen (auch unterm Bett!), feucht wischen, Teppiche wieder hinlegen und drübersaugen. „Das klingt aufwendig, aber das Ausschütteln macht sich wirklich bemerkbar“, sagt Anna.

Vom Wischmob rät sie ab, „der fasst den Dreck nicht wirklich“. Ein Schrubber leistet bessere Dienste. Ins Putzwasser kommt Allzweckreiniger, bei Parkett entsprechend Parkettreiniger. Das ist übrigens ideal für Faule: „Holzböden sollte man höchstens alle drei bis vier Wochen feucht wischen“, sagt Anna.  Noch was vergessen? Ach ja: die gelben Putzhandschuhe. „Ich benutze immer welche. Damit ist es nämlich nur halb so eklig, und  die Hände werden geschont.“

Wie werde ich Putzfee?

Die Jobvermittlung im Studentenwerk der Universität bietet auch Arbeit für Putzfrauen und -männer. „Obwohl das Angebot an Putzjobs da ist, ist die Nachfrage nicht so groß“, sagt die zuständige Mitarbeiterin Elke Martin.

Dabei  würden die Studierenden, die privat putzen gehen, ihren Nebenjob durchaus sehr schätzen. „Sie wissen genau, dass sie jede Woche drei Stunden da und dort sind und diese und jene Aufgaben zu erledigen haben – also eine Regelmäßigkeit, mit der man  als Student gut planen kann“, sagt Martin.

Der Verdienst liegt zwischen acht und zehn Euro pro Stunde. Wer regelmäßig putzt, muss von seinem Arbeitgeber bei der Minijobzentrale angemeldet werden. Damit ist der oder die Putzende unfallversichert.

Mehr dazu:


Jobvermittlung des Studentenwerks Freiburg
Elke Martin
Telefon 0761.2101325
martin@studentenwerk.uni-freiburg.de

[Dieser Text erscheint heute ebenfalls auf der "Frisch gepresst"-Seite der Lokalausgabe Freiburg der Badischen Zeitung.]