Tiger-Rag-Macher Paul Technau: "Und ich dachte: Wieso nicht?"

Christine Duttlinger

Beim Tiger Rag Club am kommenden Freitag darf im Schmitz Katze wild zu Electroswing und Techhouse getanzt werden - am allerbesten hübsch zurecht gemacht. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe vom Tiger Rag-Kollektiv. Tiger-Rag-Macher Paul Technau, selbst als Paavo hinter den Turntables, über den richtigen Look bei der Elektroswing-Party und wie es war, mit 17 die ersten Partys zu veranstalten:



fudder: Paul, muss man sich für eine Elektroswing-Party die Haare schön machen?


Paul Technau
: Muss man nicht, aber wir freuen uns immer, wenn die Leute im zwanziger/dreißiger Jahre-Stil kommen. Sie ziehen Hosenträger und weiße Hemden an, tragen Melonen oder Zylinderhüte auf dem Kopf und die Frauen oftmals lange Kleider - und wir freuen uns natürlich auch, wenn sie sich die Haare schön machen, ja.

Was für eine Veranstaltung ist der Tiger Rag Club?


Letztes Jahr im Sommer haben Kim-Sven Briddigkeit, Max Rieger und ich das Tiger Rag Festival organisiert, ein Balkan Beats und Elektroswing-Festival in Schmitz Katze. Jetzt wollten wir nicht ein Jahr warten, sondern weiter Veranstaltungen organisieren.

Der Tiger Rag Club dauernd allerdings nur einen Abend lang. Mitte November hatten wir die erste Tiger Rag Club-Veranstaltung nach dem Festival, da hatten wir Shemian da. Der Tiger Rag Club ist zwar eine Veranstaltungsreihe, aber auch eine Art Gemeinschaft. Wir haben mit vielen Leuten aus der Elektroswing-Szene Kontakt und haben gerade unsere Podcastreihe gestartet.

Wer ist denn 'wir'?


Kim, Max, der aber gerade im Ausland ist, und ich. Bei der Organisation der Events hat jeder seine Stärken. Kim hat viel Erfahrung beim organisatorischen Teil, ich bin für das Design zuständig und beim Künstlerbooking schauen wir beide, wen wir gerne mal da haben würden. Außerdem legen wir bei den Veranstaltungen auch selbst auf.



Was für ein Programm habt ihr beim Tiger Rag Club im März?


Ein Kontrastprogramm. Auf dem Barfloor wird Elektroswing, Swinghouse und ein bisschen Balkan Beats gespielt werden, im Auditorium geht es mehr in Richtung Techhouse.

Dort werden Umami spielen. Die beiden, Robert und Sam, haben früher in verschiedenen Jazz-, Rock- und Elektrobands gespielt, bevor sie anfingen, zusammen Songs zu produzieren. Sie sind auf Aka Akas Label 'Burlesque Musique' und werden ihre Songs live performen. Vor den beiden wird Jonalisa das Auditorium einheizen, und KimSka und ich - Paavo - werden am Ende auflegen. An der Bar spielen The Carlson Two. Die zwei Jungs sind Resident-DJs bei den Electro-Swing-Revolution Veranstaltungen, der größsten Electroswing-Veranstaltungsreihe in Berlin.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Tiger Rag Club zu veranstalten?


Kim und ich haben vor drei Jahren zusammen mit Max alias Maxwing die 'Balkan Beats & Electro Swing'-Veranstaltungen im Kamikaze ins Leben gerufen. Es waren immer jede Menge feierwütige Leute da, und wir hatten ziemlich viel Spaß.

Nachdem dann bekannt wurde, dass das Kamikaze schließen wird, wollten wir weitermachen, und so kam es gelegen, dass Jan und Emmes Schmitz Katze eröffneten und uns die Chance gaben, das Ganze weiterzuführen.

Damals warst du erst 17.


Kim hat mich dazu gebracht; er legt schon seit 14 Jahren auf. Er ist der Freund meiner ehemaligen Nachbarin Vicky, die hat damals öfter auf meine kleine Schwester aufgepasst. Kennengelernt habe ich ihn bei einem Filmdreh in Staufen. Da wurden noch Komparsen gesucht, und meine Schwester und ich wollten mitmachen, waren aber noch nicht 18.

Meine Eltern waren nicht da, Vicky hatte auch keine Zeit und dann meinte sie aber, der Kim könnte doch unsere Begleitperson sein. Der hat das dann gemacht. Kim hat damals schon Veranstaltungen organisiert und gemeint, dass er Bock hätte, wieder was zu machen. Da ich mich für Photoshop und Grafikdesign interessiere, hat er mich gefragt, wieso wir nicht mal eine T-Shirt-Kollektion zusammen machen.

Kim kommt ursprünglich aus dem Textil- und Modevertrieb, hat aber auch schon immer viel Musik gemacht. Und dann dachten wir: Okay, wieso machen wir nicht einfach mal was im Kamikaze? Unsere erste 'Rude & Restless'-Veranstaltung war dann am 1. Januar 2010, einen Tag nach Silvester. Zu der Zeit haben wir auf den Veranstaltungen auch noch unsere T-Shirts verkauft. Es lief echt ganz gut. Damals habe ich noch nicht auf aufgelegt, sondern nur mitgeholfen, zu planen und Werbung zu machen.

Wann hast du dann angefangen aufzulegen?


Das fing ziemlich spontan an. Ich bin da so ein bisschen durch den Kim reingerutscht, der hat mich immer gepusht. Ich fand schon immer interessant, wie Kim das macht. Ich habe auch bei Veranstaltungen, wenn er kurz auf Toilette war, übernommen. Dann haben wir unsere nächste Veranstaltung geplant, und Kim kam ein paar Tage vorher zu mir, und hat mir so einen CD-Sampler mitgebracht. Das war dann Elektroswing.

Damals gab es noch nicht wirklich viel Elektroswing, und ich fand die Musik sofort ziemlich geil. Kim hat mich dann gefragt, ob ich nicht Bock hätte, selbst mal aufzulegen und ich dachte: Wieso nicht? Ich hatte zu der Zeit einen 2-Kanal-Controller zum auflegen, hatte bis dato aber nur zuhause aufgelegt. Im Kamikaze habe ich dann mit CDs augelegt. Gerade mal eine dreiviertel Stunde lang, aber die Leute haben die Musik gefeiert, und so bin ich dann dran geblieben.



Willst du hauptberuflich Partys veranstalten und als DJ arbeiten?


Am Anfang war das schon mehr Hobby. Wir haben nie gesagt, dass wir das jetzt ganz groß machen wollen - und wir machen das ja immer noch hobbymäßig.

Früher wollte ich einfach nur Grafikdesign oder Kommunikationsdesign studieren. Jetzt mache ich gerade ein Praktikum bei tape.tv, einem Musikfernsehsender. Da schaue ich in alle Bereiche mal rein, teilweise in die Redaktion, aber auch bei der der Produktion bin ich dabei.

Das Organisieren der Veranstaltung macht mir immer mehr Spaß, und jetzt weiß ich noch nicht genau, was ich studieren oder was für eine Ausbildung ich mache werde - aber so was in der Richtung.

Du wohnst mittlerweile in Berlin. Trotzdem organisierst du in Freiburg in Schmitz Katze Veranstaltungen. Warum?


Es ist leichter, in Freiburg aufzulegen, als in Berlin. In Berlin ist fast jeder Zweite DJ oder macht Musik. In Freiburg kennt man sich gegenseitig, und wenn man dann wieder in Schmitz Katze kommt, ist es immer ganz schön, alle wieder zusehen, die ganze Katzenfamilie. Außerdem wohnt meine Freundin in Freiburg, und dann ist es auch noch ganz gut, dass ich das mit dem Auflegen in Freiburg verbinden kann.  

Zur Person


Paul Technau
organisiert seit Anfang 2010 Veranstaltungen im Freiburger Nachtleben und steht als Paavo selbst hinter dem Mischpult. Paul ist in Freiburg aufgewachsen, hat am Faust-Gymnasium in Staufen Abitur gemacht und wohnt mittlerweile in Berlin.

Mehr dazu:

Was: Tiger Rag Club mit Umami, The Carlson Two, KimSka, Paavo und Jonalisa
Wann
: Freitag, 15. März 2013 ab 23 Uhr
Wo:
Schmitz Katze
Eintritt:
bis 0 Uhr 8 Euro, ab 0 Uhr 11 Euro

  [Fotos: MHSNS, Sandra Meyndt, Benni De Malentendu ]