Tierfriedhof Freiburg: Letzte Ruhe für Mieze und Bello

Hannah Allgaier

"Ich verstehe den Friedhof nicht als Begräbnisanlage, sondern als einen Ort der Begegnung", sagt Patrick Groß. Er ist der Inhaber des Tierfriedhofes Eschaton im Stadtteil Littenweiler. Am 1.Oktober feiert der Friedhof dreijähriges Bestehen. Hannah hat sich die Ruhestätte angeschaut und ein paar Eindrücke mitgebracht.



Auf die Idee, einen Tierfriedhof zu eröffnen, kam Patrick Groß (Bild unten) schon vor zehn Jahren. Damals starb sein Hund Joey, der ihn viele Jahre begleitet hatte. Ein Schock für Groß und seine Frau. „Plötzlich waren wir vor das Problem gestellt, dass wir nicht wussten, was wir mit dem Tier machen sollten. Es war uns beiden klar, dass wir Joey nicht in eine Abdeckerei geben wollten.“


Patrick Groß hatte Glück, denn sie durften Joey auf einem Privatgelände bestatten. Nach dieser Erfahrung arbeitete Groß an Konzepten für den Tierfriedhof. Es mussten Gemeinden und Städte von der Idee überzeugt werden. Noch heute stehen viele Menschen dem Tierfriedhof skeptisch gegenüber. Oft wird von einer Vermenschlichung gesprochen.



Doch Patrick Groß ließ sich nicht entmutigen und glaubte an seine Idee. Vor vier Jahren schrieb die Stadt Freiburg ein Gelände neben dem Bergäckerfriedhof in Littenweiler aus. 22 Unternehmen und Einzelpersonen bewarben sich um das 5000m² große Gelände. Groß und seine Frau bekamen den Zuschlag. Sie gründeten den Friedhof Eschaton. Seit Beginn hat der Tierfriedhof 165 Erdbestattungen durchgeführt. Viele Menschen wollen ihre Tiere auch einäschern lassen und in Urnen wieder mit nach Hause nehmen.

Der Tierfriedhof kooperiert mit einem Krematorium im Elsass. Patrick Groß fährt einmal die Woche ins Krematorium und lässt die Tiere dort einäschern. „Wenn Menschen ihre Tiere bis zu diesem Punkt begleiten wollen, nehme ich sie gerne mit ins Krematorium. Ich begleite Menschen auch zum Tierarzt, wenn ihre Tiere eingeschläfert werden müssen. Dann wissen die Menschen, dass sie nicht alleine sind“, sagt Groß.



Doch warum wählen Menschen den Weg zu einem Tierfriedhof?
Groß sagt dazu: “Es muss ihnen klar sein, dass jemand so eine Art von Begräbnis nur in Anspruch nimmt, wenn er ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem Tier hat. Ich könnte ein Buch mit Geschichten füllen. Oft sind es sehr traurige Geschichten. Zum Beispiel bei älteren Menschen. Wenn ein Tier stirbt, bricht eine Welt für den Besitzer zusammen. Es ruft die eigene Endlichkeit ins Bewusstsein."



Jeden Tag kommen viele Menschen auf den Tierfriedhof. Egal wann und egal wer. Die Türen sind immer geöffnet. „Wenn man viele Jahre mit einem Hund zusammenlebt, dann entstehen Bindungen zwischen Mensch und Tier, die oft stärker sind als die von Mensch zu Mensch“, erklärt Groß.



Eine Frau steht beim Grab ihres Hundes Wuschel. Sie kommt jeden Tag auf den Friedhof und trauert um ihren Hund. Schon seit drei Jahren. Sie hat zwar wieder einen neuen vierbeinigen Freund, aber den alten will sie nicht vergessen.
„Hier haben die Menschen die Möglichkeit ihrer Trauer freien Lauf zu lassen. Hier werden sie mit dem Tod ihres Tieres konfrontiert“, sagt Groß.
Wenn ein Tier stirbt oder beim Tierarzt eingeschläfert wird, kommt es schließlich in die Verwertung. Das heißt, dass der Kadaver zerkleinert und getrocknet wird. Anschließend wird er zu Leim, Schmieröl oder Seife weiter verwertet.



„Früher wurde aus den Leichen Tierfutter hergestellt. Das muss man sich vorstellen. Eine vegetarische Kuh bekommt Mehl gefüttert, das aus ihren eigenen Artgenossen besteht. Eine Perversität ist das. Zum Glück ist es nach BSE verboten worden“, sagt Groß.

Auf dem Tierfriedhof soll jeder Mensch die Möglichkeit haben, sein Tier bestatten zu können. Wer kein Grab für das Tier will, aber trotzdem eine würdige Verabschiedung, kann auch die anonyme Form der Bestattung wählen. Hierbei wird das Tier auf einer großen Rasenfläche begraben. Die Besitzer können bei dem Begräbnis dabei sein. Die Grabstelle wird der Vegetation überlassen. So wissen die Besitzer ungefähr, wo ihr Tier begraben ist, aber das Grab verschwindet mit der Zeit unter dem Gras.

Ab 2010 findet auf dem Friedhof eine Ausstellung von verschiedenen Künstlern statt. Für Groß ist es wichtig, dass der Friedhof nicht nur als Todesstätte betrachtet wird, sondern auch als Kulturprojekt.





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