Tibet-Protest: Olympia hinter Stacheldraht?

Filipp Piatov

Ein kleines, süß lächelndes gelbes Stofftier, in Stracheldraht gewickelt ist der Blickfang am Infostand, der heute Mittag am Bertoldsbrunnen steht: Mitglieder verschiedener Freiburger Menschenrechtsorganisationen informieren über die Menschenrechtslage in Tibet. Heute vor 49 Jahren wurde in Lhasa ein Volksaufstand blutig niedergeschlagen.



Bei starkem Wind stehen Sebastian Schreck und Renate Tritschler heute Mittag am Bertoldsbrunnen neben ihren Tischen mit Kalendern, Flugblättern und Bröschuren und passen auf, dass sie nicht davon fliegen. Sie sind Mitglieder des Tibet Förderkreis e.V. aus Freiburg und wollen heute Passanten über die Lage in Tibet informieren und zu Spenden bewegen.


Heute ist der 49. Jahrestag des tibetischen Aufstandes. Am 10 März 1959 versuchten tibetische Männer und Frauen den Dalai Lama, ihr geistiges Oberhaupt, durch ihre Präsenz vor der chinesischen Volksarmee zu schützen. Doch es gelang ihnen nicht: Der Dalai Lama floh wenig Tage darauf ins Exil nach Indien und der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Zehntausende Tibeter starben, seitdem hält China Tibet besetzt.

Zwischen Verfolgung und Menschenrechtsverletzung erleben die Tibeter das 50. Jahr der Besatzung, in dem in China die Olympischen Spiele stattfinden.  Sebastian macht gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Auf die „Sache mit Tibet“ ist er durch Meditationskurse gekommen. Er kann es nicht fassen, dass das IOC (International Olympic Committee) China erlaubt hat, die Spiele veranstalten zu lassen. Im Gegenzug dazu hatten die Chinesen versprochen, die Lebensumstände zu verbessern. „Aber was kann kam von einer Diktatur schon erwarten?“, meint Renate Tritschler. Sie reist jedes Jahr nach Tibet, um bei einer tibetischen Familie zu leben.



Auch sie findet es unglaublich, dass ein diktatorisches Regime die Spiele veranstalten darf. „Schon vor ein paar Jahren musste man aufpassen, was man in Tibet macht.“

Die Situation der Menschen, die dort leben, haben die Aktivisten heute mit den Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 2008 dargestellt. Das Besondere daran: Das gelbe Maskottchen Yingying, ein Bärchen-artiges Tier, das ausgerechnet eine Tibet-Antilope darstellen soll, ist in Stacheldraht eingewickelt. Das weckt die Neugier der Passanten mehr als alles andere. Sie bleibt stehen, fragen nach, nehmen sich Broschüren. Der ein oder andere spendet etwas. „Mit fünf Euro kann ein Kind eine Zeit lang ernährt werden und zur Schule gehen“, sagt Sebastian.

Die heutige Aktion beschränkt sich jedoch nicht nur auf Freiburg. 921 Städte, Gemeinden und Landkreise zeigen Flagge und veranstalten Info-Aktionen zum Thema Tibet. Höhepunkt der Freiburger Aktivitäten wird der Freiburger Marathon, bei dem Läufer als Teil des Team Tibet an den Start gehen können und während des Laufs die tibetische Flagge tragen.



 

Mehr dazu:

Informationen zum "Team Tibet" beim Freiburg Marathon per eMail an marathon@tibetinitiative-freiburg.de