Thomas Godoj im Jazzhaus Freiburg

Hannah Allgaier

550 Zuschauer haben gestern Abend im Jazzhaus beobachtet, ob der 28-jährige DSDS-Gewinner Thomas Godoj auch außerhalb des RTL-Casting-Wettbewerbs überzeugen kann. Zwei Stunden spielte er. Genug Zeit für Hannah, sich ein Urteil zu bilden.



„Und was machst du heute Abend?"
„Ich gehe aufs Thomas-Godoj-Konzert.“
„Äh, was? Gehts noch? Von dem Typen hört man doch in höchstens einem Jahr nichts mehr. Und überhaupt, Castingshows sind doch kompletter Müll. Erfolgsgeile Medienfressen, talentfrei, ohne Persönlichkeit."


Mit solchen Reaktionen musste man als Besucher des gestrigen Godojgigs schon rechnen. Und die Veranstalter verlegten das Konzert von der Güterbahnhofshalle ins Jazzhaus, weil der Vorverkauf eher mäßig verlief. Eigentlich erwartet man bei einem Konzert wie diesem junge, kreischende Fanmädchen. Doch ein Blick ins Auditorium macht Staunen: Das Durchschnittsalter liegt eher bei 40 Jahren. Nur ganz vorn stehen die Zwölfjährigen. Godoj, Einer der Generationen?



Nachdem Didgeridooklänge das Publikum eingestimmt haben, eröffnen Godoj und seine Band den Gig mit einer rockigen Nummer des Albums "Plan A". Dann folgt die rührselige Ansage: „Ich hab zwar total Angst, dass gleich die Decke runterkommt, aber es ist der totale Hammer hier. Wir hatten noch nie ein Konzert, bei dem wir so nah bei den Fans standen.“



In der erste Hälfte des Konzerts präsentiert sich der 28-Jährige als Rocker. Nach einer Stunde ein kurzer Bühnenumbau. Es geht weiter mit Akustikgitarren und einem Mini-Schlagzeug. Godoj setzt sich auf einen Barhocker und stimmt den "Autopilot" an, einen Song, der durch überdimensionierte RTL-Werbung gepusht werden sollte. Immerhin, das Publikum scheint ihn zu kennen und singt mit. Godoj erhebt sich vom Hocker, berührt die Hände in der ersten Reihe. Es gelingt ihm, Stimmung zu entfachen.



Die wird gegen Ende immer besser. Godoj covert Snow Patrols "Chasing Cars". Mit diesem Song wurde Godoj, wir erinnern uns, in den Top 15 Shows mit 47,5 Prozent in die Mottoshows gewählt. Damals ein Höhepunkt bei DSDS, heute ein Konzerthit. Bei den ruhigen Stellen mögen manche das Kreischen nicht lassen.

Als sich Godoj vom Publikum verabschiedet, wirkt er gerührt. Als die Band die Bühne verlässt, geschieht etwas Außergewöhnliches: Einige Fans singen "Let it be", frei nach den Beatles. Die restlichen Zuschauer stimmen ein. Warum dieses Lied?

Als Godoj wieder auf die Bühne kommt, sagt er: „Ihr nehmt mir ja alles vorweg. Jetzt ist es gar keine Überraschung mehr.“ Es folgt "Let it be" in einer verrockten Version. Den Leuten gefällts.



Love is you“, der Song, mit dem Godoj zum Superstar der fünften DSDS-Staffel gekrönt wurde, beschließt das Konzert. Auch als Kritiker verlässt man das Jazzhaus positiv überrascht: klare Stimme, gute Songs und natürliches Auftreten sprechen letztlich für Godoj.

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