Theater-Wochenende Migration: Wer entscheidet, wer hier leben darf?

Konstantin Görlich

Nicht erst seit der Abschiebung der Familie Ametovic aus Freiburg ist das Thema Bleiberecht hier wieder in aller Munde. Jetzt veranstaltet das Theater ein ganzes Wochenende unter der Fragestellung "Wer entscheidet, wer hier leben darf?" Was alles geplant ist:



Bereits das Rahmenprogramm ist umfangreich: Performances, Premieren, Gastspiele, Installationen, Konzerte und Aufführungen, wie zum Beispiel Elfriede Jelineks »Die Schutzbefohlenen«, Peter Handkes »Immer noch Sturm« oder Yael Ronens »Common Ground« vom Maxim Gorki Theater in Berlin.


Im Mittelpunkt stehen jedoch Begegnungen zwischen Flüchtlingen, Aktivisten, Bürgern und Künstlern, die ihre Ideen zu gesellschaftlicher und politischer Einflussnahme und ihre persönlichen Erfahrungen miteinander teilen. Das Theater will in Gesprächsrunden, Diskussionspodien und Workshops - gemeinsam mit Besuchern und Gästen - die heutigen Bedingungen und Perspektiven von Migration, Flucht und Integration untersuchen. Das Theater blickt dabei über Epochen und Kontinente hinweg:

Ob freiwillig oder nicht – die Menschen bewiesen schon immer einen hohen Drang zur Mobilität. Sie reisten, flohen, zogen, migrierten, wanderten, siedelten oder wurden vertrieben. Schon das älteste bekannte Bühnenstück »Die Schutzflehenden« von Aischylos zeugt von dem uralten Topos: der Bitte um Aufnahme in eine fremde Gemeinschaft – der Grundlage des späteren Asylgedankens also.

Die Akzeptanz Ansässiger gegenüber Ankommenden ist essenziell für das Funktionieren traditioneller und moderner Gesellschaften. Auch die Stadt Freiburg im Breisgau mit ihrer kulturellen und geographischen Nähe zu Frankreich und der Schweiz ist geprägt durch ein ständiges Kommen und Gehen. Die gegenwärtigen Fragen zu Flucht und Asyl in Europa und Freiburg verbinden sich mit der historischen Perspektive auf Migration als anthropologischer Konstante, die jede historische Epoche und Region begleitet und beschrieben hat.

Das Programm beginnt bereits am heutigen Donnerstag um 18 Uhr auf dem Theatervorplatz. Das Projekt "Völkerwanderung" von Turbo Pascal, Element 3 und dem Theater Freiburg will ein lebendiges Archiv für Geschichten vom Aufbrechen, Unterwegssein und Sesshaftwerden sein. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag um 17 Uhr ist das "Zentrum für Politische Schönheit" im Winterer-Foyer zu Gast. Das Künstlerkollektiv, bekannt unter anderem durch seine Aktion "Erster Europäischer Mauerfall",  steht für eine radikal neue Form des Theaters – eingesetzt gegen politische Teilnahmslosigkeit oder Feigheit. Es berichtet über seine Entdeckungen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik. Rein kommt man mit dem Tagesticket für das Rahmenprogramm.

Mehr dazu: