Theater- und Wissenschaftsprojekt "Wunschkinder": Wie wollen wir morgen auf die Welt kommen?

Martin Jost

Morgen starten das Theater Freiburg und das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Uni das Theater- und Wissenschaftsprojekt "Wunschkinder". Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Laien, Theatermachern und Wissenschaftlern zur "Optimierung des menschlichen Gehirns" wird diesmal mit allen Interessierten zum brandaktuelle Thema der Fortpflanzungstechnologie recherchiert, debattiert und inszeniert. Wie man sich beteiligen kann:

Während die Bundeskanzlerin laut gegen Präimplantationsdiagnostik (das heißt: künstlich befruchtete Eizellen erst untersuchen und nur dann in die Gebärmutter der Frau seinsetzen, wenn er gesund ist) wettert, ist die Realität oft schon viel weiter, zumal weltweit.


Diskutiert und gearbeitet wird zu Problemstellungen aus vier Themengebieten. Die Fragen an Ethiker und Künstler, mit denen die Mitmacher ins Theater kommen können, sind unendlich. Gibt es ein Recht auf Fortpflanzung? Oder müssen Unfruchtbare, Singles und homosexuelle Paare auf eigene Kinder verzichten, weil die Natur es eben „so will“? – Als Frau in aller Ruhe Karriere machen und Kinderkriegen dann auf nach den Wechseljahren verschieben? Technisch kein Problem. Aber gibt es dann bald keine Großeltern mehr? – Vor dem Austragen eines Kindes entscheiden, ob es blond oder brünett wird; ob Lyriker oder naturwissenschaftlich begabt. Steuern wir auf eine Gesellschaft wie in „Gattaca“ zu? – Und aus der Sicht der Kinder, die dank neuer Fortpflanzungstechnologien auf die Welt kommen, stellen sich Fragen wie: Wenn ich auf drei genetische Eltern plus eine biologische Mutter sowie ein Paar soziale Eltern komme, wen meine ich dann, wenn ich sage: „Ich will nicht wie meine Eltern werden!“?

Jeder Freiburger „zwischen 20 und 80+“ ist eingeladen, seine neugierigen Finger zusammen mit Theatermachern und Medizinethikern in verschiedene Themen zu krallen. In Gruppen wird gelesen, diskutiert, und: geprobt. Denn zum internationalen Kongress vom 20. bis 22. Mai 2011 bringen die Mitmacher selbst-erarbeitete Theateraufführungen auf die Bühne.

Am Samstag ab 15 Uhr läuft das Projekt mit einem „Kick-Off“ vom Stapel. Dann kann jeder ins Winterer-Foyer im Stadttheater kommen, der Neugier, Meinung oder persönliche Erfahrung mitbringt und verbindlich in dem bis Mai laufenden Projekt mitarbeiten will. In einer Art Parcours kann man die für sich richtige Themengruppe finden.

Mehr dazu:

Was: Wunschkinder. Ein Theater- und Wissenschaftsprojekt.
Wann: Samstag, 20. November 2010, 15 Uhr Kick-Off. Danach regelmäßige Treffen für die Projektteilnehmer bis Mai. Ab 13. Dezember 2010 Ringvorlesung „Ethische, rechtliche und theologische Aspekte der technisierten menschlichen Fortpflanzung“. 20. bis 22. Mai 2011 internationaler Kongress mit Theateraufführungen.
Wo: Das Kick-Off-Treffen Samstag und die meisten folgenden Veranstaltungen finden im Winterer-Foyer des Stadttheaters statt.
Anmeldung: Wer im Projekt mitarbeiten will, kann einfach zum Kick-Off-Treffen kommen. Wer an der Veranstaltung am Samstag nicht teilnehmen kann, kann auch über die Wunschkinder-Website Kontakt aufnehmen.