Laientheater

Theater Powse: Von der Chaostruppe zum engagierten Ensemble

Bettina Gröber

Freiburg hat eine reiche Szene an Laien-Theatergruppen. Eine noch relativ junge Gemeinschaft Schauspielbegeisterter ist das "Theater Powse", das seinen Namen dem Entstehungs-und Spielort der Gruppe verdankt.

Gegründet haben das "Theater Powse" Sebastian Heinricht und Lena Schuler vor knapp zwei Jahren. Die Studentin und der damalige Mitarbeiter im Café "Pow" hat Schauspiel und Theater schon immer fasziniert: Die 24-jährige Studentin hat in ihrer Schulzeit eine Theater-AG geleitet, Heinricht (26), der mittlerweile Grundschullehrer ist, hat unter anderem bei einem Praktikum am Maxim-Gorki-Theater in Berlin Bühnenluft geschnuppert.


Kreatives Chaos

Am Anfang des "Theaters Powse" stand kreatives Chaos: "Wir waren um die 40 Leute, und das Ganze lief sehr unorganisiert ab", erinnert sich Sebastian Heinricht. Schnell "haben wir gemerkt, dass wir professioneller arbeiten und als Schauspieler etwas dazulernen wollen". Über den Grünhof, in dem auch das "Pow" angesiedelt ist, ergab sich der Kontakt zu Anke Stocker: Die 43-Jährige ist Schauspielerin und Pädagogin und erklärte sich bereit, die Truppe zu leiten.

Und drückte dem Ganzen gleich ihren eigenen Stempel auf, auf dem bestimmte Grundanforderungen stehen: Pünktlichkeit bei den Proben, Disziplin bei den Vorbereitungen, Ernsthaftigkeit – diese Dinge sind Anke Stocker wichtig: "Da bin ich schon sehr fordernd und klar." Und es sind auch Werte, die Lena Schuler und Sebastian Heinricht hochhalten: "Es braucht eine klare Struktur und Organisation, wir wollen auf ein festes Ziel hinarbeiten", sagt Heinricht.

Emotionen empfinden und darstellen

Mittlerweile hat sich eine Kerngruppe von zehn bis 15 Mitwirkenden gebildet. Zwischen 20 und 35 Jahre sind sie alt und kommen aus ganz unterschiedlichen Lebens-und Arbeitsbereichen – manche studieren, andere haben schon einen "richtigen" Job, wieder andere stecken in der Ausbildung. In der Truppe muss neben dem Schauspielern jede und jeder weitere Verantwortung übernehmen – etwa in der Maske, bei der Verpflegung oder beim Gestalten der Aufführungsplakate.Jeden Dienstag wird abends zwei Stunden im Grünhof geprobt. Nachdem das letzte Stück, "Haltestelle Geister", nach sechs Aufführungen im vergangenen Jahr ausgelaufen war, begann gleich die Suche nach einer neuen Vorlage für die Sommersaison. Bislang dauert diese Suche noch an. Das bedeutet aber nicht, dass die "Theater Powse"-Truppe in der Zwischenzeit untätig ist: Der Dienstagstermin bleibt, momentan geht es um Stimmbildung und Körperarbeit.

Zuerst einmal steht Aufwärmen auf dem Programm: Klatschzeichen werden im Kreis herum weitergegeben, dabei sollen die jungen Menschen untereinander Augenkontakt halten. Später wird dann improvisiert, zu verschiedenen Themen miteinander agiert. Anke Stocker hilft dabei, "in ein Gefühl und in eine Handlung zu kommen". Als Schauspielerin wisse sie, worum es geht, "was die Leute brauchen". Und sie könne mit ganz konkreten Bildern unterstützen. Wie etwa mit diesem: "Stell’ dir mal vor, dein Typ hat dich verlassen, und du bist jetzt ganz allei- ne..." – solche Sätze können bei den Schauspielern Erinnerungen wachrufen, sie empfinden die früheren Situationen und Emotionen nochmal nach und können sie so besser spielen.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler kommen mit dieser Arbeitsweise gut klar: "Es ist ja kein Drill, aber ohne Disziplin würde es nicht funktionieren", meint Linda Sabersky (21). Die Studentin ist von Beginn an beim "Theater Powse" dabei: "Es ist schön, wenn man neben dem Studium noch was anderes hat, in das man Energie steckt."

Auch Nancy Frehse findet es bei den Proben "cool". Sie ist Neuling in der Schauspielerei: "Ich habe das letzte Stück gesehen und war so begeistert, dass ich einfach mitmachen wollte", erzählt die 25-Jährige, die ebenfalls noch an der Uni ist. Die Stimmung in der Truppe sei auch bestens: "Ich wurde total nett und schnell aufgenommen."