The Weakerthans: So nah und doch so fern

Gina Kutkat

Die Winnipeger Indierock-Gruppe The Weakerthans könnte das Aushängeschild der Zurückhaltung "made in Canada" sein, so defensiv und ruhig zeigten sich die fünf Musiker am vergangenen Freitag bei ihrem Konzert im Jazzhaus. Aber wir wissen: in der Ruhe liegt die Kraft und die Kraft der Weakerthans liegt darin, das Publikum trotz gewisser Distanziertheit zu ergreifen und es mit ganz großen Gefühlen zu konfrontieren.



"Melancholische Songs über die Up-and-Downs des Lebens schreiben" heißt das Credo der Weakerthans. Und die schlimmsten Achterbahnfahrten gibt es  bekanntermaßen in der Liebe. Finden neben The Weakerthans auch die Pärchen, die zahlreich ins Jazzhauses kommen - vielleicht verbindet sie ein ganz bestimmter Song?


Auch auf der Bühne sehen wir zwei Verliebte: Weakerthans-Frontmann John K. Samson hat seine Frau Christine Fellows mit auf Tour genommen. Diese reizende Musikerin eröffnet das Konzert mit einem Soloprogramm am Klavier und fällt beim Konzert der Weakerthans vorallem durch ihren beherzten Einsatz auf. Ja, sie gibt ihrem Mann sogar einen liebevollen Klaps auf den Po!

Es ist EM-Zeit, Frankreich spielt gegen Holland, aber es ist trotzdem gut voll im Jazzhaus. Weniger "Indie-Fans" sind da, dafür aber einige Damen und Herren, die John K. Samson noch aus seiner Punk-Phase mit Propaghandi kennen.  Auffällig unauffällig, leger und mit einem kleinen Hippie-Touch erscheinen die fünf Musiker von The Weakerthans auf der Bühne. Das sechste Bandmitglied der Weakerthans heißt „Musik“, und ihm wird während des einstündigen Auftritts auch am meisten Aufmerksamkeit gewidmet.



Sänger John K. Samson, seine Frau Christine an den Keyboards, Bassist Greg Smith, Jason Tait am Schlagzeug und Gitarrist Stephen Carroll sind die Prototypen von jenen uneitlen Musikern, denen es um die Musik und um nichts anderes geht. Es ist nicht nötig, viel zu reden, nicht nötig, Anekdoten über die melancholischen Songs zu erzählen, die eher für sich selbst sprechen.

In die schönen Meldodien hat John kleine Kurzgeschichten gepackt, die über den Sinn und Unsinn des Lebens, die Tristesse des Alltags, Zweisamkeit und Einsamkeit philosophieren.

The Weakerthans kommen aus Kanada, genauer gesagt aus Winnipeg in der Provinz Manitoba. Kaum einer im Publikum, der nicht auf die balladeske Anti-Hymne "One Great City" und das "I Hate Winnipeg" im Refrain wartet. Hier singen vorallem die ersten zwei Reihen aus ganzem Herzen mit – denn The Weakerthans sind nicht die einzigen Winnipeger im Jazzhaus.

Leider ist die kanadische Gruppe vor der Bühne das genaue Gegenteil von den liebenswerten Musikern auf der Bühne und irgendwie der einzige negative Aspekt des Konzerts. Reden bei The Weakerthans? Wozu das denn? Die  zerbrechlichen Folkballaden der Weakerthans könnten zerstört werden. Zu schade. Keyboarderin und Zweitstimme Christine sieht aus, als würde sie das selbe denken und schickt - leider erfolglos - ein paar mahnende Blicke ins Publikum.



Ansonsten herrscht Harmonie im Jazzhaus, nicht nur in den folkigen Pop-Melodien und dreistimmigen Gesängen. Sänger John hat auch live eine sehr klare und saubere Stimme, die alle Kraft in sich zu absorbieren scheint. Greg Smith hat sichtbar Spaß am Bassen und an seiner Band, er wippt und schwingt über die Bühne und suhlt sich in der Musik.

The Weakerthans spielen einen Querschnitt aus den vier Alben, die sie seit 1997 veröffentlicht haben: die Uptempo-Nummer „Civil Twilights“, das atmosphärische „Without Mythologies“ und „Aside“, dessen Lyrics man am liebsten in die Welt hinaus rufen möchte. „And I'm leaning on a broken fence between Past and Present tense. And I'm losing all these stupid games that I swore I'd never play. And it almost feels okay.“



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