The Squires gewinnen Music-Star(t)-Vorentscheid

Alexander Ochs & Janos Ruf

Jazzhaus kurz nach Mitternacht. Gerade hat der Karfreitag begonnen. Auf der Bühne tummeln sich drei Dutzend Musiker: Während die einen jubeln, lassen die anderen die Köpfe hängen. Freude versus Fassungslosigkeit. Was da los war:

Die Freiburger Formation The Squires kann im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen: Beim Bandwettbewerb „Rampe 11“ vor wenigen Wochen landete sie noch auf dem vorletzten Platz. Doch die sechs Kavaliere – so die Übersetzung des Bandnamens – taten schon vorab auf ihrer Homepage kund: „Der nächste Contest steht ja schon an, dann werden die Karten neu gemischt.“

Und genau so sollte es kommen. Diesmal konnten sich The Squires als souveräner Sieger durchsetzen. Die sechs setzen stark auf Grooves und Tanzbarkeit im Dreieck Pop, Jazz und Funk und arbeiten dabei spielerisch und spielfreudig mit musikalischen Versatzstücken und Zitaten. Die fünfköpfige Jury war sich einig, dass hier einfach alles stimmte: Songwriting, musikalisches Können, homogenes Auftreten als Band, Bühnenpräsenz und Performance. Dabei war ihr Auftritt kaum anders als der bei der „Rampe“.

Die größte Herausforderung des Abends lag für alle Gruppen in der Vorgabe, einen Song zum Thema Umweltschutz präsentieren zu müssen, und zwar weitgehend akustisch – damit nicht so viel Strom verbraucht wird bei der Nummer, wie ein Scherzbold im Publikum witzelte. Insbesondere The Squires haben diese Vorgabe als Vorlage genutzt und unter Johlen, Klatschen und Gelächter eiskalt verwandelt.

„Es folgt ein Song zum Thema Umweltschutz. Für den Inhalt des Songs ist ausschließlich die Band verantwortlich“, kündigten sie ihren Beitrag im Stil eines Wahlkampf-Werbespots an. Mit Kontrabass und Cajón reimen sich die Jungs, die sonst Englisch singen, auf Deutsch durch die Liste skandalträchtiger Atomkraftwerke, von Fukushima über Fessenheim bis zu Biblis A und B. „Atomarer Super-GAU / Interessiert doch keine Sau.“

‚Saumäßig’ gut war das Niveau aller Teilnehmer, auch wenn mancher vielleicht noch an der einen oder anderen Feinheit feilen kann. An diesem Abend gab es der Stile viele. Den undankbaren Einheizerpart übernahm das Breisacher Quintett Midnight Monkey Madness mit seinem melodischen, Grunge-getränkten Alternative Rock.

Ihrem Bandnamen alle Ehre machten Casually Dressed in lockerer Kleidung, die dem Punkrock neues Leben einhauchen wollten mit eingängigen Akkorden, „Oh-oh-oh“ zum Mitgrölen und straighten Riffs, schnell herausgeschleudert. Nur den Ökosong nahmen die beiden Startbands auf die leichte Schulter.

Gut gelöst haben diese Aufgabe die jungen Freiburger Hiphopper Lingulistig: Sie dachten sich ein apokalyptisches Szenario für die nahe Zukunft aus („Alles ist verstrahlt“) und konnten vom fangespickten Publikum viel Applaus, mächtig Gekreische und das ein oder andere Textil ernten. Dafür wirkte die Live-Umsetzung des Hiphop-Konzeptes mit Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug nicht ganz homogen. In Sachen Corporate Identity war die neunköpfige Ska-Truppe The Skaletons am weitesten: Mit einheitlichem (Baustellen-)Look brachten sie ihren geografisch verorteten Ska – Tscheljabinsk, St. Tropez – gut und beschwingt auf die Bühne.

Doch das zweite Ticket fürs Finale ging an No Problem aus Löffingen. Krachiger Rock, mal ruhiger, mal härterer Gangart, ausgefeilte Gitarrenläufe, dazu die rauchige Rockröhre von Frontfrau Tamara Richter, und eine energiegeladene Show überzeugten am Ende die Jury.

Das Finale des Music Star(t) Contest 2011 findet am 4. Juni 2011 im Stadthaus Neuenburg statt. Antreten werden, das steht jetzt fest, The Squires, No Problem, The Confused, The Said, Maersung und Round Trip Ticket.

Mehr dazu:


Die Bands des Freiburger Vorentscheid zum Music-Star(t)-Contest 2011:

   

Foto-Galerie: Janos Ruf

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.