The Bishops im Waldsee: 20 Songs in 75 Minuten

Alexander Ochs

Eine Audienz der besonders eingängigen und zugänglichen Art hielten The Bishops aus England am Sonntagabend im Waldsee ab. Mit einer gekonnten Mischung aus Sixties-Beat und -Pop setzten sie einen musikalischen Kontrapunkt zur Krötenwanderung. Alex war für fudder am Start.



Das Waldsee ist ja für Freiburger Verhältnisse ein Stück weit abgelegen. Doch diesmal war die Location am gleichnamigen See fast schon abgetrennt vom Rest der Stadt: Krötenwanderung. Während langsam die Konzertgänger eintrudeln, sind die Helfershelfer amphibischer Wanderbewegungen bereits in vollem Gange. Ich hab hier zwei Weibchen!, schreit treffsicher ein fachkundiger, höchstens zehnjähriger Junge und marschiert mit seiner Warnweste hinüber zu den anderen Krötensammlern. Freiburger Parallelwelten.


Ein paar Kröten abgedrückt, und schon ist man drin im Saal. Die fünf Jungs von The Enshins, benannt nach einer Spielart des Karate, machen den Anfang, und sie machen ihn nicht schlecht. Melodischer Rock’n’Roll, mal leicht bluesig, mal straight forward und auch mal countryesk – das bringen sie gekonnt auf die Bühne, nur an der Bühnenpräsenz hapert es. Das Publikum teilt sich in Klatsch und Tratsch: Vorne wird eifrig geklatscht, und hinten wird fast nur noch getratscht. Und wie bei fast jeder Vorband gibt es mindestens einen, der neben einem steht und ruft: So, Feierabend jetzt!



Guten Abend, Freiburg! Wir sind die Bishops, trompetet Mike Bishop hinaus in die Kargheit des Waldsee-Saals. Gut eine Hundertschaft – ausnahmsweise mal nicht von der grünen Sorte – hat sich versammelt, um den Sixtiesklängen des englischen Trios zu lauschen. Kaum haben die Jungs den Song Higher Now vom ersten Album gespielt, springt der Funke über und das Publikum wie gerufen an den Bühnenrand. Das, was der Vorband abging, verstehen sie besser als je zuvor, deutlich besser als beim letzten Gig im Herbst 2007 im E-Werk.



Jede Geste, jede Pose, jeder Schritt und jeder Handgriff sitzt und wirkt wie ein Wiedergänger aus den 60er Jahren. Auch das komplett schwarzweiße Styling gehört natürlich dazu. Im Gegenteil zum letzten Mal wirkt alles weniger einstudiert, jeder Griff und jedes Riff sitzt. Klare Arbeitsteilung bei den diesmal noch schwerer zu unterscheidenden eineiigen Zwillingen: Gitarrist Mike am mic und Pete am Bass, die beide stets den Blickkontakt suchen, assistiert von Drummer Chris, der immer schön klassisch vorzählt.



Nach zwei, allerhöchstens drei Minuten ist jede ihrer Nummern fertig, und so haben die drei gut eingespielten Musiker nach rund eineinviertel Stunden und zwei Zugabeblöcken mehr als 20 Songs serviert – ganz genüsslich im Gewand der Sixties, die neueren etwas eingängiger, poppiger. Da lässt sich Frontmann Mike auch mal dazu hinreißen, sein Gitarrenbrett am Mikrofonständer zu reiben. Mit viel Liebe zum Detail erfinden sie das Rad zwar nicht neu, zaubern jedoch trotz Schwarzweiß-Styling Farbe auf die Mattscheibe. Fazit: Rundum gelungen – hier gab es keine Kröte zu schlucken.