The Audience: "Nicht mehr nur direkt auf die Zwölf gehen"

Carolin Buchheim

The Audience sind eine dieser Bands, die einen mit ihrer Energie umhauen, wenn man sie das erste Mal sieht. Genau aus diesem Grund hat die Band aus der fränkischen Musik-Metropole Hersbruck nach einer handvoll Gigs in Freiburg auch eine feste Fanbasis. Am Samstag ist die Band wieder in der KTS und hat ihr neues, anders klingendes Album "Dancers & Architects" dabei. Caro hat Audience-Gitarrist Sebastian Wild ein paar Fragen zum neuen Sound und dem harten Tour-Programm gestellt.



Sebastian, wie würdest Du einer tauben Person den Sound von The Audience beschreiben?

Oh, das ist ja praktisch, da fallen ja schon mal Hinweise auf Referenzbands weg, denn eine taube Person kann die ja auch noch nicht gehört haben! (überlegt)  Aber leichter macht es das auch nicht unbedingt. Ich würde vielleicht Luftgitarre spielen und dazu wild herumzappeln. Mit Worten würde ich erklären: das sind energetische Lieder, die ins Ohr gehen, aber trotzdem eine gewissen Vertracktheit haben.

Alternativ könnte man Bernd bei einem Konzert vielleicht auch einfach sein verschwitztes Hemd ausziehen lassen, oder?

Na, das hat er bisher auch nur in Freiburg gemacht! (lacht)

Im November ist „Dancers & Architects“ erschienen. Darauf klingt ihr ganz schön anders als bisher. Wie ist das passiert?

Wir haben während der Entstehung des Albums einige Sachen anders gemacht als bisher. Zum Beispiel haben wir uns bewusst dazu gezwungen, mal Sachen zuzulassen, die wir vielleicht am Anfang unserer Band-Geschichte bewusst vermieden haben. Wir haben auf „Dancers & Architects“ ein paar Stücke, die nicht nur auf die Zwölf gehen, was anfangs vielleicht schon eine Prämisse unserer Band war, also möglichst reduziert minmalistisch und laut zu sein. Das haben wir bei den neuen Liedern ein bisschen aufgebrochen. Es sind mehr Parts und auch mehr ganze Lieder drin, die ruhiger sind und die halt mal nicht nur über die Energie funktionieren, sondern auch über die Soundästhetik. Das sind so Sachen, die haben wir früher nicht so gemacht.

Woher kam diese Veränderung?

Wenn man zwei, drei Jahre einer bestimmten Idee nachgeht, dann gelüstet es einen nach etwas Neuem. Wo früher das ungeschrieben Gesetz war, alles über den Zaun zu brechen und einfach nur auf die Zwölf zu gehen, da sind jetzt eben Stellen wo man sagt, man macht das nicht, obwohl es von einem erwartet wird. Auf der anderen Seite kann man so eben auch anders Gefühle 'rüberbringen und Emotionen ausdrücken, was man früher eigentlich überhaupt nicht hatte. Wobei wir hier natürlich trotzdem noch nicht von Balladen reden, oder so.

Wie fühlen sich die neuen Songs live an?

Gerade auf Festivalbühnen, wo es dann doch etwas unpersönlicher zugeht, sind sie eine super Chance, es eben einmal anders anzugehen. Bei so engen, kleinen Clubshows, wenn es eng ist und der Schweiß von der Decke tropft, und dann kommt ein Mid-Tempo-Song, da könnte ich mir vorstellen, dass es sich die Leute aber anders wünschen könnten.

Ihr kommt aus Hersbruck, einem Ort, der eine ganze Reihe tolle Bands hervorgebracht hat. Gibt es einen Hersbruck-Sound? Meint ihr, Eure Musik kann man regional verorten?

Ja und Nein. Es stimmt schon, es gibt nach wie vor ein Netzwerk, das in Hersbruck angefangen hat. Das war so kurz nach der Jahrtausendwende, wo sich Bands wie Yucca oder The Plane is on Fire gegründet haben, oder jetzt auch Escape Hawaii. Robobop waren natürlich die Vorreiter; die haben regional auch Konzerte veranstaltet, mit internationalen Bands im Jugenkeller Hersbruck. Da haben wir dann ein bisschen dran angefknüpft und einen Konzertverein gegründet und haben dann im Freundenskreis intern Konzerte veranstaltet. Mittlerweile wohnen wir alle in Nürnberg, also ist Hersbruck heute primär eine schöne gemeinsame Geschichte. Was den Hersbruck-Sound angeht, ist es halt schon so, dass die Bands sich alle untereinander auch schon stark mögen und freundschaftlich verbunden sind. Gleichzeitig wollen wir uns aber auch alle nicht gern in eine Schublade stecken lassen, auch nicht in eine Hersbruck-Schublade. Jede Band will eben auch autonom wahrgenommen werden.



Ihr seid im vergangenen Jahr unglaublich viel unterwegs gewesen. Wie kriegt ihr das hin?

Es ist schon viel, aber das ist ja schön, dass es so ist. Wir haben es uns schon immer gewünscht, dass die Band mehr Platz kriegt im Leben. Natürlich ist es auch eine Frage von Planung und Absprache, da wir alle noch andere Sachen machen. Flo ist in Frankfurt und studiert, Michi und ich studieren in Erlangen, der Jo arbeitet bei Regensburg und Bernd ist selbständig und macht zur Zeit fast ausschließlich Sachen für die Band. Deswegen ist es schon wichtig, dass wir uns gut absprechen und Kompromisse hinkriegen. Unter der Woche zu spielen ist immer noch schwierig, deswegen sind unsere Termine meist am Wochenende. Es ist ganz gut, neben dem Touren auch noch Alltag zu haben, das ist voll der gute Ausgleich. (lacht)

Ihr habt im Sommer viele Festivals gespielt. Irgendwelche, die besonders hervorstechen?

Die schönsten Festivals diesen Sommer waren das Orange Blossom und das Immergut, weil sie trotz der Amtlichkeit und Größe immer noch für die Bands sehr persönlich gestaltet waren. Man hat sich im Backstage-Raum quasi wie im Wohnzimmer gefühlt. Außerdem war das Wetter gut, und die anderen Bands nett, da hat alles zusammengepasst. Es gab natürlich auch so ganz normale Festivals wo man Nachmittags um zwei im Nieselregen spielt und dann gleich ins Hotel geht.

Und jetzt kommt ihr wieder nach Freiburg. Freut ihr Euch schon auf die lokale The Audience-Fanbasis?

(lacht) Wenn uns jemand nach den besten Konzerten fragt, dann ist das eine von uns in der KTS immer dabei, irgendwann im Januar mal. Wir waren ja schon dreimal da, einmal bei so einer Soli-Party im großen Saal, dann mal unten, im kleinen, da dachten wir, es würde niemand kommen und dann war es hammervoll und dann noch mal, da war es super und einmal noch im Atlantik. In der KTS war es aber immer viel schöner. Das schönste war, dass wir am Morgen nach der Show im Januar draußen gefrühstückt haben. Im Januar!

Wie geht es weiter mit The Audience?

Ich weiß nicht, wie konkret die Planungen sind, aber wir werden bis April so viel wie möglich spielen, meist am Wochenende. Im Februar und im März geht es wahrscheinlich nach Holland und auch nach Frankreich. Wir finden es schon interessant, nicht nur in Deutschland stattzufinden, sondern als internationale Band unterwegs zu sein. Wir sind gespannt.



Mehr dazu:

Was: Post-Demo-Festival mit The Audience, Escape Hawaii, We fade to grey und Puts Marie
Wann: Samstag, 13. Dezember 2008, 21 Uhr
Wo: KTS

The Audience - Bond (Immergut 2008)

Quelle: YouTube