Testbesuch: Frühstücken im Möbelmarkt

Adrian Hoffmann & Markus Hofmann

Deutschland entdeckt einen neuen Volkssport: Frühstücken im Möbelhaus. Die Kantinencafés liegen verkehrstechnisch gut und sind - ganz wichtig für Möbelhaus-Frühstücker - unglaublich günstig. Im Freiburger Norden umwerben zwei große Möbelhäuser den Frühstückshunger ihrer Kunden - Ikea und das Möbelhaus Braun. Wäre fudder die BILD-Zeitung, würden wir die Story vielleicht als Frühstückskrieg verkaufen. So waren Markus und ich einfach vor Ort und haben unerkannt mitgefuddert. Hier sind die Testergebnisse: der große Möbelhaus-Frühstücks-Report!



Test 1: Das Ikea-Frühstück

Öffnungszeiten: Das Ikea-Restaurant öffnet um 9 Uhr ? und damit 30 Minuten vor dem Einrichtungshaus selbst. Im Konkurrenzkampf mit dem Frühstücksbuffet des benachbarten Möbelhaus Braun ist das Ikea-Restaurant also der First-Mover - es öffnet eine halbe Stunde vorher.



Angebot: Bewährte Frühstücksklassiker (Kaffee, Wasserweckle, Ei, Käseaufschnitt) - das Angebot ist auf den Massengeschmack zugeschnitten. Den größten Exotikfaktor hat vielleicht der vegetarische Aufstrich. Minus: Der Kaffee ist nicht wirklich aromatisch und eine Spur zu stark, die Frühstücksbrötchen waren weder warm noch knusprig. Plus: Wer freundlich an der Kasse fragt, bekommt zu seinem Frühstück die aktuelle BZ ausgeliehen.



Preise: Der Preishit im Ikea ist der Schwedenteller “Frukost”. Für nur 1,50€ gibt es zwei Brötchen, Marmelade, Käse, Salami und eine Scheibe Lachs. Bemerkenswert: Kaffee gibt es auf All-you-can-drink-Basis: Einmal zahlen, dann kann man sich seine Tasse nachfüllen so oft man will. Im oberen Preisbereich bewegt sich zum Beispiel der Lachsteller mit Senfsauce (3,90€). Ansonsten kann man seine Frühstücksteller individuell à-la-carte zusammenstellen: Wasserweckle und Ei (hart gekocht) kosten jeweils 40 Cent, eine Brezel 50 Cent, Lachs 75 und den Obstsalat gibt es für 1,80€.

Atmosphäre: Dezente Hintergrundmusik von Elton John und Billy Joel sollen positiv auf die Konsumneigung der Gäste einwirken. Eine große Fensterfront lädt dazu ein, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen ? zum Beispiel auf das benachbarte Möbelhaus Braun oder die Windkraftanlagen auf dem Rosskopf. Das Interieur ist typisch schlichter Ikea-Style: Holzmöbel, Tulpenbilder, Bahnhofshallenuhr, Tütenlampen. Insgesamt ist die Atmosphäre erstaunlich entspannt und angenehm für solch eine Kantine.

Personal: Tadellos! Die Kassiererin ist zu Scherzen aufgelegt, das fehlende Nutella wird unverzüglich aufgefüllt und die Dame am Eingang drückt nachsichtig ein Auge zu, als wir beim Verlassen des Gebäudes versehentlich die Alarmanlage auslösen, weil wir eine Abkürzung genommen hatten: “Das passiert häufiger.”

Publikum: Völlig gemischt: Studenten, Berufstätige, Rentner. Bereits eine Viertelstunde, nachdem das Frühstückslokal geöffnet hat, befinden sich 30 hungrige Gäste im Ikea.

Das sagt der Gast:

Gerhard Heiberger (39) wohnt in der Unterwiehre, arbeitet in einer Fahrschule und kommt einmal wöchentlich ins Ikea - nur wegen des Frühstücks. Sein Kommentar: Ich fühle mich wohl hier. Das Essen ist preiswert, die Parksituation ist sehr gut. Außerdem ist es nicht so hektisch wie zum Beispiel bei Starbucks.

“Ich war noch nie im Ikea frühstücken”, sagt Stefanie Hammer (22), Medizinstudentin - sie wollte es aber schon immer mal machen. Jetzt sitzt sie mit ihren Freunden Thomas Stökler (23), Mathe- und Sportstudent, und Kristian Metz (22), auch Mathe und Sport, zufrieden lächelnd im Restaurant und blickt auf den großen weiten Parkplatz. “Es ist gut und günstig hier”, sagt Thomas, der noch mit dem 50-Cent-Apfelkuchen an Vanilleschaum beschäftigt ist.



Test 2: Das Braun-Frühstück



Öffnungszeiten: Leider macht Braun erst um 9.30 Uhr auf. Wer also früher da ist, wartet entweder - und das sind nicht so viele - oder er geht ganz einfach 200 Meter zum Ikea rüber. So ein leichtes Spiel sollte man der Konkurrenz nicht machen!

Angebot: Ordentlich. Vor allem in der Kuchenecke: Schwarzwälder Kirsch, Käsekuchen, Apfelkuchen, Quarktaschen - alles da. Außerdem gibt es zwei Brötchensorten zur Auswahl, neben einem Standard-Wasserweckle auch ein Körnerbrötchen. Gesundheitsfanatiker können sich bei den Biosäften (Tomate, Grapefruit, Mehrfrucht) bedienen. Punkten kann das Möbelhaus Braun im Bereich Butter/Margarine: Während der Ikea mit 10-Gramm-Schälchen knausert, sind die Packungen bei der Konkurrenz mit 20 Gramm sinnvoll portioniert.

Preise: Ganz gediegen. Ein absoluter Preishammer ist das Guten-Morgen-Frühstück für 2,60€ (erhältlich bis 11 Uhr) - mit O-Saft, zwei Brötchen, Ei, Käse, Butter, Marmelade oder Nutella und einer Tasse Kaffee, alle zusätzlichen Teilchen kosten 30 Cent, Müsli oder Joghurt 50 Cent. Der Cappuccino kostet 1,30 Euro, der Milchkaffee und der Kakao auch.

Atmosphäre: Gemütlich, große runde Tische, große Glasfenster, Blick auf Parkplatz, manche Tische und Stühle waren allerdings bei unserem Testbesuch etwas verkrümelt - es ist halt auch sehr voll hier. Wenn man seinen Platz erstmal ergattert hat, kann man aber so richtig loslegen, mit viel Armfreiheit. Der Weg bis zu den äußeren Tischen gestaltet sich dagegen etwas schwierig, es ist ziemlich eng. Der Geräuschpegel ist signifikant höher als im Ikea - der Laden brummt: Um kurz nach zehn gibt es kaum noch freie Tische. Im Buffetbereich wird der Appetit nur unwesentlich durch das grelle Neonlicht des Eurokill-Insektenfängers an der Decke gestört.

Bedienung: Freundlich und zuvorkommend.

Publikum: Tendenziell älter als im Ikea - von 35 Jahren an aufwärts.

Die Gäste sagen: Eine von vier älteren Frauen: “Für uns ist das ein guter Treffpunkt, es liegt genau in der Mitte. Wir wohnen verstreut um Freiburg herum. Und das Frühstück schmeckt ja sehr gut hier.”