Fall Anis Amri

Terrorist führte Freiburger Polizei mit Buchstabendreher in die Irre

BZ-Redaktion & dpa

Er nannte sich Amir: Anis Amri, der Attentäter auf den Berliner Weihnachtsmarkt, hat sich 2015 in Freiburg unter falschem Namen bei der Polizei gemeldet. Das geht aus einem Bericht des Spiegel hervor. Hätte er seinen echten Namen genutzt, hätten ihn die Polizisten wohl als Kriminellen enttarnt.

Der Attentäter auf den Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, hat sich einem Bericht des Spiegel zufolge im Juli 2015 unter falschem Namen auf dem Polizeirevier Freiburg-Nord gemeldet. Auf einem Formular habe er anstatt Amri den Namen Amir angegeben.


Hätte er seinen korrekten Namen eingetragen, hätten die Beamten demnach aufgrund eines Eintrags im Schengener Informationssystem erfahren, dass er kein schutzbedürftiger Flüchtling, sondern ein Krimineller ist, der eigentlich nach Tunesien hätte abgeschoben werden sollen.
Fahrzeuge als tödliche Waffen

IS-Propagandachef Abu Muhammad al-Adnani, hatte im September 2014 dazu aufgerufen, "Ungläubige" in westlichen Staaten aus Rache für die Beteiligung ihrer Heimatländer am Kampf gegen den IS zu töten. Der IS-Sprecher listete verschiedene Möglichkeiten auf, Zivilisten und Soldaten ohne großen logistischen Aufwand zu töten, darunter den Einsatz von Stichwaffen und das Überfahren mit Fahrzeugen.
  • London - Am 3. Juni fuhren drei Attentäter mit einem Lieferwagen auf der London Bridge in eine Menschenmenge. Anschließend stachen sie mit Messern auf Menschen im nahegelegenen Ausgehviertel rund um den Borough Market ein. Sie töteten sieben Menschen und verletzten dutzende weitere, bevor die Polizei die drei Männer erschoss.
  • Stockholm - Am 7. April raste der mutmaßliche Islamist Rachmat Akilow mit einem gestohlenen Lkw in der Innenstadt von Stockholm durch eine Einkaufsstraße. Fünf Menschen wurden getötet, der Usbeke wurde festgenommen. Akilow gilt als Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staatm (IS).
  • London - Am 22. März fuhr der mutmaßlich islamistische Attentäter Khalid Masood auf der Westminster-Brücke in London mit seinem Auto Fußgänger an, bevor er auf das Gelände des britischen Parlaments stürmte und einen Polizisten mit einem Messer erstach. Der 52-Jährige, der zum Islam konvertiert war, tötete dabei fünf Menschen und verletzte dutzende weitere. Er wurde von der Polizei erschossen. Die IS-Miliz reklamierte die Tat für sich.
  • Berlin - Am 19. Dezember 2016 verübte der Tunesier Anis Amri einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Amri steuerte einen Lastwagen in die Besucher des Marktes. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt. Am 23. Dezember wurde Amri in Sesto San Giovanni im Großraum Mailand bei einer Polizeikontrolle erschossen. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich der IS.
  • Nizza - Am 14. Juli 2016 steuerte der Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge in Nizza. 86 Menschen wurden getötet, mehr als 400 verletzt. Der IS bekannte sich zu der Tat.
  • Montréal - Im Oktober 2014 raste ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montréal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötete einen der Männer und verletzte einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er schließlich erschossen. Der Angreifer wollte zum Dschihad nach Syrien reisen.
  • London - Im Mai 2013 fuhren zwei Londoner nigerianischer Abstammung in der britischen Hauptstadt den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstachen. Einer der Angreifer rief kurz danach, er wolle die "von britischen Soldaten getöteten Muslime" rächen.

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