Tele im Waldsee: Eine Wolke des Wohlklangs

Alexander Ochs

Ex-Freiburger zu Gast in der alten Heimat: Die Berliner Band Tele macht auf ihrer Minitournee Station im Waldsee – an (band)historischer Stätte, denn dort fand, so Frontmann Francesco Wilking, "schätzungsweise in den 70er Jahren" das erste Tele-Konzert statt. Und heute? Zu wahren Bühnenprofis gereift, gaben die Herren eines ihrer besten Konzerte ever. Satten Sound, fantastisch gut eingespielte Musiker und einen Slam Poet in Hochform hat Alex miterlebt.



Zuerst versucht die Frankfurter Band Wagner Love die Stimmung anzuheizen. Ihr stimmiger Musikmix aus Pop, Disco, Soul und Funk lässt den Funken allerdings nicht so recht überspringen. Und das, obwohl Sänger Jacob den Animateur Marke „Coole Socke“ gibt und das etwas spärlich hereintröpfelnde Publikum zum Mitwippen und -schnippen bewegen will.


Ganz anders Tele. Sie sind vom ersten Moment an voll da, ausgebuffte Bühnenprofis. Was für eine Präsenz! Und wie gut eingespielt die Jungs sind! Da sitzt einfach alles: Martin und Tobi an der Gitarre, Jörg am Bass, Patrick an den Tasten und Stefan an den Drums harmonieren perfekt und sind dabei ungeheuer entspannt – lässig, aber nie nachlässig.



Dazu dieser satte Sound! Eine Wolke des Wohlklangs erfüllt das Waldsee, und Sänger Francesco reitet genüsslich auf ihr und spielt seine Slam-Poet-Qualitäten voll aus. Man möchte ihm das Zigfache des Eintrittsgeldes in die Hand drücken und das Versprechen abpressen, bitte, bitte niemals aufzuhören, so witzig und sympathisch versponnen sind seine Ansagen.

Zu Hochform laufen die Tele-Männer auf, als sie den kleinen – nichtsdestotrotz ihren größten – Hit „Mario“ bringen. Als der Song zweieinhalb bis dreieinviertel Minuten alt ist, schlägt die große Stunde des Francesco Wilking: Minutenlang improvisiert er über diesen „Mario“, ähnlich wie zuletzt beim ZMF-Gig der Band im letzten Jahr, macht den Song zum Mitgröl-Mario und dehnt ihn auf acht Minuten, von denen man hofft, sie mögen nie zu Ende gehen. Ein magischer Moment.



Neben Songs von den letzten zwei Alben spielt Tele auch brandneues Material, das es in sich hat. Fluffig, fetzig, melodisch, groovig und dezent rockig. Einer davon kommt deutsch-englisch daher: „Das nächste Lied haben wir – zumindest halb – auf Esperanto geschrieben. Es heißt übersetzt: ‚Ich möchte deine Festnetz und deine Hausschlüssel’“, radebrecht Entertainer Francesco. Im Refrain heißt es dann „I am waiting for your call, I’m longing for your keys“.

Zwischendurch rekrutiert er einen Bier-Halter aus dem Publikum, wähnt sich fast bei SWR3 („Der Wortanteil ist zu groß“) und schwadroniert über eine TV-Serie namens „Intergalaktische Mission“, für die Tele die Musik geschrieben habe. „Von 11 bis 21 Uhr auf allen Kanälen zu sehen!“, scherzt der Frontmann.



Der letzte Song, ihr Dancekracher, peitscht das „Fieber“ noch mal so richtig hoch – bevor es Zeit wird, sich auf den Abschied gefasst zu machen. Ein Aufschrei des Empörens entfährt hundert bis zweihundert Kehlen. Drei Songs spendiert die Band ihrem Freiburger Publikum als Zugabe. Doch es hilft nichts: Irgendwann, nach gut 90 Minuten, ist auch dieses Konzert zu Ende. Das beste, da sind sich alle einig, das beste Tele-Konzert, das bislang über die Bühne ging.

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