"Teegebäck Raffael" verkauft Kekse und Plätzchen auf dem Münstermarkt

Iris König

Auf einem Fahrradanhänger bietet Raffael Zimmermann alias "Teegebäck Raffael" Süßes und Salziges auf dem Münstermarkt an. Wie er auf diese Idee kam, was seinen Anhänger so besonders macht und wie die Plätzchen schmecken:



Raffael Zimmermann ist 56 Jahre alt und verkauft seit zweieinhalb Jahren auf dem Münstermarkt seine selbst gebackenen Kekse und Plätzchen. "Der Beruf muss einfach Spaß machen, ich wollte etwas Schönes machen und die Begegnungen mit den Menschen intensivieren" sagt Raffael und füllte mit seinem Keksverkauf nun jene Marktlücke, die ihm als Besucher des Münstermarkts, selbst schon aufgefallen war. Die Rezepte für sein Gebäck stammen teilweise von seiner Großmutter, doch er hat auch vieles selbst weiter entwickelt und verfeinert.

Donnestags, freitags und inzwischen auch jeden ersten und dritten Samstag im Monat steht er mit seinem selbst gebauten Fahrradanhänger an der Nordseite des Münsterplatzes. Dort bieten Erzeuger aus der Umgebung ihre Wahren an.

Raffael genießt den direkten Kontakt mit seinen Kunden: "Es ist einfach schön, neue Menschen kennen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen". Genau darin liegt für Raffael die Motivation, denn bereits in seinem früheren Beruf als Möbelpacker hat er den Kontakt zu den Kunden sehr genossen. Auch die Arbeit an der frischen Luft gefällt ihm gut. "Ich bin ein Naturbursche und gern im Freien."



Der mobile Marktstand

Seit November kann Raffael auch bei Regenwetter weiter verkaufen, denn sein mobiler Verkaufsstand hat eine abnehmbare Plexiglashaube bekommen. Den Anhänger hat er vor zwei einhalb Jahren für 100 Euro erstanden und selbst weiter ausgebaut. Aus Fichtenholz, das besonders leicht und elastisch ist, hat er eine Art hölzerne Kommode geschreinert, deren Innenraum als Stauraum und die Deckplatte als Auslage für das Gepäck dient.

Gerade die Elastizität des Holzes macht den Wagen so praktisch, denn für den Bau verwendete Raffael keine Nägel, sondern Leim. Somit hält das Gefährt die 20-minütige Fahrt von Raffaels Zuhause bis zum Münsterplatz aus - und wieder zurück. Denn auf dem Weg über Freiburgs Kopfsteinpflaster kann es holprig werden. Sehr viel mehr will er dem Wagen allerdings nicht zumuten: "Ich hüte meinen Anhänger wie meinen Augapfel, damit dem Goldstück auch nichts passiert", sagt Raffael.



Die Plätzchen

Die Plätzchen liegen auf einem schrägen, blauen Regal und jede Sorte kann auch direkt probiert werden: Shortbread (2,80 Euro/100 Gramm), Salzstangen (2,90 Euro/100 Gramm), Basler Leckerle (3,10 Euro/100 Gramm), Plätzchen in Herzform mit dem Namen 'Gateau de Carouge' (2,70 Euro/100 Gramm), klassische Hildabrötchen (2,70 Euro/100 Gramm), Münstertaler (4,50 Euro, davon 50 Cent Spende an den Münsterbauverein), Nussstangen (2,80 Euro/100 Gramm) und Vanillekipferl (2,90 Euro/100 Gramm).

Das schottische Shortbread hat Raffael durch einen kleinen Trick verfeinert, der große Wirkung hat: Er verwendet gesalzene Butter und frischen Rosmarin und achtet darauf, dass das Brot beim Backen leicht angebräunt wird. Dadurch schmeckt es nicht so stark nach Butter, sondern mehr nach den Kräutern und dem Salz.

Die Idee für die acht Münstertaler in Oktagon-Form stammt von Raffael, er hat auch extra Ausstecher vom Schmied anfertigen lassen. Um die Nüsse für die Nusstängle gut zerhacken zu können, verwendet er einen massiven Mörser aus Nussbaumholz, den er in eine Eisenform presst. Auch diese musste extra für diesen Zweck hergestellt werden.



Hildabrötchen, Nusstangen und Vanillekipfel verkaufen sich besonders gut - "das erinnert die Leute an ihre Kindheit oder an Weihnachten". Der Gateau de Courage entwickelt sich dagegen zum Ladenhüter, denn "die Frau, die die immer gekauft hat, kommt nicht mehr".

Die Zutaten

Raffael wird sich etwas einfallen lassen, um weiterhin den Geschmack der Freiburger zu treffen. Viele seiner Rezepte sind in enger Verbindung mit den Kunden entstanden. Manchmal verrät ihm auch einer seiner Kunden einen nützlichen Tipp - wie bei den Nusstangen: Man müsse die Haselnüsse und Mandeln vor dem Backen rösten, so kommt der Nussgeschmack erst richtig zur Geltung.

Zum Backen hat Raffael eine Backstube angemietet, in der er jeden Mittwoch Nachschub produziert. Er verwendet Mehl, Butter, Zucker und Ei als Basis und verfeinert je nach Rezept mit Nüssen und Gewürzen. Das Shortbread und die Vanillekipferl werden ohne Ei gebacken und die Basler-Leckerle haben als einzige auch ein Triebmittel - ein sehr altbekanntes: Hirschhornsalz.
Was ihn von anderen Selbsterzeugern auf dem Münstermakrt unterscheidet, ist, dass sein Gebäck vier bis sechs Wochen lang haltbar ist. Das sieht beim Bauernstand nebenan schon ganz anders aus: "Wenn die ihren Salat nicht verkauft bekommen, können sie ihn wegschmeißen", sagt Raffael und macht noch einmal deutlich, wie wichtig es für alle Erzeuger ist, dass immer genügend Käufer auf den Markt kommen und so dessen Überleben sichern.  

Kontakt

Raffael Zimmermann
"Teegebäck Raffael"
Elsässerstraße 2 B
79110 Freiburg
Telefon: 0761.892750
E-Mail: Raffael-@gmx.de

Münstermarkt

Donnerstag, Freitag und jeden 1. und 3. Samstag
Alle Termine auch auf teegebaeck-raffael.de

Mehr dazu:

   

Fotogalerie: Iris König

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.