Innenstadt

"Technisch zu komplex": Tür der Unibibliothek ist ständig kaputt – Streit um Lösung

Frank Zimmermann

Die Außenfläche des Cafés an der Freiburger Universitätsbibliothek kann seit Jahresbeginn nicht genutzt werden, Blinde und Sehbehinderte müssen sich extra anmelden: Wo klemmt’s? An der Tür.

Als die Unibibliothek vor einem Jahr ihren Betrieb aufnahm, konnte sie bei den täglich Tausenden von Nutzern mit einer schönen Cafeteria punkten – inklusive 40 Plätzen im Freien. Doch in diesem Jahr wurden Tische und Stühle noch nicht einmal ausgepackt. Der Grund: Die leicht nach vorne geneigte Tür ist ständig defekt. Das Amt Vermögen und Bau (ehemals Unibauamt) hat nun die Nase voll und will eine senkrechte Tür einbauen. Gegen den Willen des Architekten Heinrich Degelo.


"Die Schräge ist zu anfällig." Karl-Heinz Bühler
Bald nach der Eröffnung im Juli 2015 tauchten Probleme mit der Tür auf, die vom Café nach draußen führt. "Es gab Schwierigkeiten bei der Technik, das war nicht zufriedenstellend", sagt Karl-Heinz Bühler, Leiter von Vermögen und Bau. Der Motorantrieb für die Türe war schnell kaputt. Bald sei klar gewesen, dass die Türe nie hundertprozentig funktionieren würde. "Das ist technisch zu komplex", glaubt Bühler. Grund sei die Gebäudeschräge, wodurch auch die in die Glasfassade integrierte Türe leicht nach vorne geneigt ist. Bühlers Fazit: "Die Schräge ist zu anfällig."

Der Seiteneingang funktioniert nicht vollautomatisch, allerdings soll ein Motor das Öffnen der Tür erleichtern, sobald die Klinke gedrückt wird. Das ist wichtig für Blinde und Sehbehinderte, die auf den Seiteneingang angewiesen sind – die Drehtüren können sie nicht nutzen. Diese Einschränkung hatte die Studierendenvertretung schon im Oktober 2015 moniert.

Bühler ist das Hin und Her mit dem Hersteller der Tür Leid: "Wir müssen uns von dieser komplizierten Technik verabschieden und brauchen eine pragmatische Lösung." Sein Vorschlag: Die geneigte Tür wird durch eine senkrechte ersetzt. Dafür müsste eine Art Nische geschaffen werden. Wer dafür aufkommt, müsse noch geklärt werden.

Architekt Degelo ist gegen eine optische Veränderung

Dem Basler Architekten Heinrich Degelo gefällt diese Idee nicht, schließlich machen die 15 unterschiedlich geneigten Fassaden das Besondere des 53-Millionen-Euro-Baus aus. Eine gerade Türe wäre für ihn eine wesentliche optische Veränderung. "Wir sind mit der Nische und Geradestellung der Türe überhaupt nicht einverstanden", sagte Degelo der BZ. Er habe einen Vorschlag unterbreitet, der das Problem ohne optische Veränderung beseitige. Es gebe zwar in Deutschland anscheinend kein Unternehmen, das dafür gerade stehen wolle, aber eine Firma aus Basel habe eine Lösung, die die mechanische Funktion garantiere. Bühler bleibt jedoch bei seinem Plan und kündigt eine "zügige" Umsetzung noch im Sommer an. Das Funktionieren habe Vorrang: "Die Türe muss einfach zu bedienen sein." Derzeit können Blinde und Sehbehinderte nur in Begleitung die UB betreten. Um vom Personal hineingeführt zu werden, müssen sie sich anmelden.

Clemens Metz, Geschäftsführer des Studierendenwerks, das das Self-Service-Café betreibt, kann damit leben, dass es derzeit keine Tische und Stühle im Freien gibt. Das Wetter sei bislang eh meist sehr schlecht und der Einnahmeverlust dementsprechend nicht so gravierend gewesen. Der Cafeteria könnten bei gutem Wetter aber sehr wohl Kunden verloren gehen, die von vornherein woanders hingehen, um in der Sonne Kaffee zu trinken.

Probleme auch mit dem Boden im Eingangsbereich zu den Lesesälen

Auch mit den Drehtüren habe es "gewisse Probleme" gegeben, sagt Bühler. Wer "schräg" in die Drehtür hineinhuscht, löse den Sicherheitsmodus aus und die Tür bleibe stehen. Ebenso, wenn man mit der Hand dagegen drücke oder mehr als vier Personen ein Türsegment betreten. Kaputt ist der Boden im Eingangsbereich zu den Lesesälen, weil ein Anlieferer für die Cafeteria ein überladenes Transportmittel genutzt hat – wohl, weil er die kaputte Seitentüre nicht nutzen konnte. Für motorbetriebene Geräte sei der Boden nicht geeignet.

Auch die Ursache dafür, dass Regen ins Gebäude eindringe, sei noch nicht gefunden und nicht behoben. Zu den Kosten für die Instandsetzungen und Umbauten will sich Bühler nicht äußern. Zunächst müsse jeweils die Schuld- und Haftungsfrage geklärt werden. In Frage kommen technische, bauliche, Bedienungs-, Material- oder Planungsfehler.

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